Generation Y vs. Z vs. Alpha: Nutzung von Social-Media-Plattformen

Gern wird über die Generation Y und Generation Z gelästert: unentschieden, verhätschelt, empfindlich oder politisch überkorrekt. Oder doch nicht? Dass das nicht stimmt, sollte klar sein. Doch in jedem Klischee steckt auch Wahrheit – Generationen unterscheiden sich. Doch wie sieht es mit ihrer Social-Media-Nutzung aus?

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Forschung verschiedene Generationen ausgemacht:

NameGeburtsjahre*aktuelles Alter
Baby-Boomer
(auch: Nachkriegskinder, 45er, Boom-Generation)
1945 bis 196555 bis 75
Generation X
(auch: Generation Golf, Kriegsenkel)
1960 bis 1980 40 bis 60 Jahre
Generation Y
(auch: Millennials, Generation What?, Generation Why, Generation Me)
1980 bis 199920 bis 40
Generation Z
(auch: Generation Praktikum, Generation Prekär, Generation Robotik, Generation Relaxed, Generation Snowflake)
2000 bis 20155 bis 20
Generation Alpha2010 bis 20259 bis #

(*grobe Schätzung, Zahlen können unterschiedlich ausfallen)

Es gibt auch weitere bekannte Generationen oder Bevölkerungsgruppe, die sich aber keinem bestimmten Geburtsjahr zuordnen lassen und eher ein Lebensgefühl oder eine Weltsicht vertreten, darunter:

  • LOHAS (Life of Health And Sustainability, gelegentlich auch Neo-Ökos; bewusst und nachhaltig lebende Personen, meist überdurchschnittlich verdienend),
  • Yuppies (young urban professional; arbeitswütige und meist als ignorant oder oberflächlich klassifizierte junge Geschäftsleute),
  • Rumpie (rural, upwardly-mobile professional; das ländliche Gegenstück zum Yuppie, karrierebewusste und vom Land kommende Aufsteiger),
  • DINK (double income no kids; einkommensstarke und kinderlose Ehepaare),
  • weißer Jahrgang (verschiedene Geburtsjahrgänge, die keinen Militärdienst absolvieren müssen),
    •  

Generation X: Überblick

Die heutige Eltern- und frühe Großelterngeneration. Die Generation X gilt häufig als eine verlorene Generation. Besonders die Folgen der 68er Bewegung macht sich bei dieser Generation bemerkbar: Unsicherheit, manchmal auch Niedergeschlagenheit, dass man in der Welt allein nichts ändern kann. Des Weiteren machten sich erste Folgen von Klimaveränderungen und anderen, von der Elterngeneration geerbten Problemen bemerkbar, welche diese Generation lösen muss ohne sie verursacht zu haben.

Des Weiteren war die Generation die erste Generation, die nicht direkt von einem Weltkrieg beeinflusst wurde. Aufgrund von Rezession und politischen Problemen v.a. in den 1970ern etablierte sich beispielsweise auch der Begriff McJob, der vor allem durch den Roman Generation X – von Douglas Coupland berühmt wurde. Im Roman ist damit gemeint:

„ein niedrig dotierter Job im Dienstleistungsbereich mit wenig Prestige, wenig Würde, wenig Nutzen und ohne Zukunft. Oftmals als befriedigende Karriere bezeichnet von Leuten, die niemals eine gemacht haben“

Generation X – Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur. Goldmann-Verlag. ISBN 3-442-41419-9

Die Generation X in Deutschland wurde vor allem vom Ende des Kalten Krieges und der Wendezeit stark geprägt.

Deutsche Generation X: Wendeschock und vereintes Land

Die ältesten Mitglieder dieser Generation waren um 30 Jahre und die jüngsten etwa 10 Jahre alt als die Mauer fiel. In jedem Fall war diese Generation alt genug, um die Folgen des Systemwechsel bewusst mitzuerleben.

Besonders die in der ehemaligen DDR lebenden Mitglieder dieser Generation wurden teils traumatisiert: In einem konkreten wirtschaftlichen und politischen System erzogen und ausgebildet – und fast über Nacht in ein anderes System geführt, in dem das eigene System häufig als schlecht, rückständig oder sonstwie minderwertig galt. Man war „der Verlierer“ des Kalten Krieges.

Die Generation X besonders in Ostdeutschland, also den neuen Bundesländern, musste mit scharfen Schnitten im Lebenslauf, der Denunziation der eigenen Familie und allgemein einer Minderbehandlung der eigenen Vergangenheit kämpfen. Manche Mitglieder konnten so stark traumatisiert und psychische Komplexe entwickeln.

Genauso setzt die Wendezeit aber auch kreative und schöpfende Kräfte frei: Manche schafften sich ein komplett neues Leben und wurden erfolgreich in dieser neuen Gesellschaft.

Die 1990er Jahre markierten eine Zeit von undeutlichen Verhältnissen und unklaren Allianzen, was diese Generation, die im schablonenartigen Schwarz und Weiß im Kalten Krieg („böser Sowjet, guter Ami“ oder vergleichbare Stereotype) aufwuchs, zum Teil bis heute sehr verunsichert. 

Die Generation X ist, zumindest in Deutschland, geprägt von sehr individuellen Geschichten, aber vor allem vom Verlust klarer Weltbilder und damit einhergehend häufiger eine zynischen oder sogar nihilistischen Weltsicht.

Generation X und Social Media

Aufgrund ihres Alters hat die Generation X meist nur oberflächlichen Kontakt zu Social Media gehabt. Die meisten Mitglieder dieser Generation sind Nachzügler populärer Wellen und daher meist eher passive Nutzer der bekanntesten Plattformen wie YouTube und WhatsApp.

Generation Y: Überblick

Zunächst eine kurze Definition: Als sogenannte Generation Y (engl. wie generation why, also Generation Warum) oder Generation Me gelten alle Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Sie werden auch als Millennials bezeichnet und sind in einer Welt aufgewachsen, in welcher der Kalte Krieg beendet wurde, Terrorismus ein globales Phänomen wurde und das Internet aufkam. Sie sind damit auch die ersten sogenannten Digital Natives – also Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind.

Im Arbeitsleben gehe es bei der Generation Y hauptsächlich darum glücklich zu werden und einen Ausgleich zwischen Arbeit und Privatem zu finden. Die Generation gilt als kommunikativ und Harmonie suchend. Sie haben kein Problem mit flexiblen Arbeitsverhältnissen, Teilzeitmodellen oder leistungsorientierter Bezahlung.

Im Schnitt studieren Millennials auch recht lang und verstärkt auch diskursintensive Fächer wie Geisteswissenschaften. Das passt zum Mythos des Sinnsuchers und Fragers – eben der Generation Y.

Generation Y: Facebook und Twitter

Als Facebook 2004 aufkam, waren die zielgruppenorientierten Millennials zwischen 14 und 24 Jahre alt. Als Facebook, Twitter und die anderen sozialen Medien sich Ende der 2000er in Deutschland begannen zu etablieren waren die Millennials im Schnitt 20 bis 30 Jahre alt und damit gerade mit dem Studium fertig oder schon seit einigen Jahren in Arbeitsverhältnissen.

Facebook und Twitter sind – auch die traditionellen Medien – am bekanntesten und werden von der Generation Y am stärksten genutzt:

Auch spannend:  YouTube und der Landtagswahlkampf in Thüringen

Infografik von Statista.de

Betrachtet man es entwicklungspsychologisch erscheinen diese Ergebnisse auch sinnvoll: Social Media haben Millennials vornehmlich als Spielerei kennengelernt und sehen aktuelle Trends wie Snapchat, Instagram oder Mastodon eher von einer Hobby- denn professionellen Perspektive aus.

Sie sind zwar mit dem Internet aufgewachsen, aber haben Social Media eher im späten Teenager oder frühen Erwachsenenalter kennengelernt. Sie waren bereits aus der experimentellen Phase ihrer Entwicklung herausgewachsen als aktuelle Videomessenger wie Snapchat aufkamen oder sich Berufe wie Influencer oder YouTuber etablierten.

Generation Z: ein Überblick

In Deutschland verbringen Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren fast drei Stunden täglich auf sozialen Medien. Die sogenannte Generation Z ist bei Social Media sehr aktiv.

Die Nachfolgegeneration wird alphabetisch folgerichtig die Generation Z genannt und umfasst grob alle Menschen, die zwischen 1995 und 2010 oder auch zwischen 2000 und 2015 geboren wurden. Als zweite Generation nach der Generation Y gilt die Generation Z als intrinsisch verbunden mit digitaler technologie: iPods, Smartphones, LTE und VR sind Technologien, mit denen sie aufgewachsen sind.

Anders als die sinnsuchende Generation Y will die Generation Z darstellen. Karriere, Business, materielle Werte und Statussymbole zeichnen die Generation Z aus. Sie wollen vor allem Anerkennung, was wiederum dazu passt, dass sie verstärkt prestigegeladene Studienfächer studieren. Ingenieurswissenschaften, Jura, Medizin, Business Administration usw. haben geistes- und naturwissenschaftliche Fächer überholt.

Infografik von Vexcash.com

Selbst das Forbes Magazine hat sich bereits Gedanken über die Generation Z gemacht. Im Gegensatz zur hinterfragenden und den Status Quo herausfordernden Generation Y will die Generation Z in etablierten Branchen Karriere machen. Das kann in Ländern wie den Vereinigten Staaten bedeuten, dass sie vermehrt Unternehmen gründen, aber in Deutschland bedeutet es vermutlich eher das Streben nach Anstellungen bei Banken, Gerichten oder Großkonzernen. Das hat u.a. mit dem fehlenden Unternehmergeist in Deutschland zu tun – Selbständigkeit, Unternehmertum und Gründergeist sind hier nicht so stark etabliert wie in anderen Ländern.

Generation Z: Snapchat, Instagram und YouTube

Der starke Wille nach Anerkennung und Repräsentation trägt aber auch in den sozialen Medien eine deutliche Handschrift: Mitglieder der Generation Z nutzen vor allem visuelle Medien wie Snapchat, Instagram oder YouTube am stärksten – wesentlich intensiver noch als die Generation Y. Das Präsentieren nach außen in Form gestylter Bilder, schräger Videos oder anderer Inhalte ist bei der Generation Z stark ausgeprägt.

Woran kann das liegen? Die Kombination aus allgegenwärtiger, da damit aufgewachsener Technologie und dem Willen nach Anerkennung führt zur Darstellung des Selbst in den sozialen Medien. Noch nie hatte es eine Generation so einfach auf Daten zugreifen zu können oder selbst Inhalte zu erstellen. Smartphone, Tablet oder Notebook sind mobil und haben integrierte Aufnahmemöglichkeiten, die in der Qualität manchen Filmstudios nahe kommen.

Die Generation Z hat ein höheres Sicherheitsstreben in beruflicher Hinsicht, aber scheint wesentlich freigiebiger mit persönlichen Inhalten umzugehen – allen voran dem eigenen Selbst oder zumindest dem konstruierten Selbstbild.

Bei einer DAK-Umfrage gaben 2,6 Prozent der Jugendlichen sogar an, dass sie von Instagram, WhatsApp & Co. abhängig seien. Das betrifft etwa 100.000 Jugendlich. Mädchen sind dabei häufiger betroffen als Jungen. Ermittelt wurde dies anhand von neun Standardfragen, werden fünf davon positiv beantwortet, gilt der oder die Befragte als süchtig.

Infografik: Wie Social Media auf Jugendliche wirkt | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Wie die Grafik von Statista zeigt, geben 22 Prozent an, zumindest manchmal wegen sozialer Medien mit ihren Eltern zu streiten, 23 Prozent schlafen mindestens manchmal schlecht. Social Media als Vermeidungstaktik, um nicht an unangenehme Dinge zu denken, nutzen 40 Prozent der Mädchen und 29 Prozent der Jungen.

Generation Z sehr social-media-affin

Die Generation Z genannt umfasst grob alle Menschen, die zwischen 1995 und 2010 oder auch zwischen 2000 und 2015 geboren wurden. Als zweite Generation nach der Generation Y gilt die Generation Z als intrinsisch verbunden mit digitaler technologie: iPods, Smartphones, LTE und VR sind Technologien, mit denen sie aufgewachsen sind.

Anders als die sinnsuchende Generation Y will die Generation Z darstellen. Karriere, Business, materielle Werte und Statussymbole zeichnen die Generation Z aus. Sie wollen vor allem Anerkennung, was wiederum dazu passt, dass sie verstärkt prestigegeladene Studienfächer studieren. Ingenieurswissenschaften, Jura, Medizin, Business Administration usw. haben geistes- und naturwissenschaftliche Fächer überholt.

Generation Alpha: Das nächste Jahrhundert?

Manche Wissenschaftler wollen bereits die nächste Generation analysieren. Kinder, die zwischen 2010 und 2015 geboren wurden bzw. werden. Es mag absurg anmuten, doch selbst bei dieser Generation lässt sich zumindest mutmaßen, wie sie sich entwickeln könnte:

Politische Unsicherheiten, Klimawandel und zunehmender technologischer Wandel werden die Aufgaben dieser Generation sein oder sie in Konflikt mit anderen Generationen führen.

Fazit: Generationen und Ansichten

Es wird stark diskutiert ob es überhaupt eine Generation Z gibt und ob nicht in die Generation Y zu viel hineininterpretiert wird. Darüber hinaus unterscheiden sich die einzelnen Generationen auch in verschiedenen Kulturräumen.

Die Babyboomer-Generation hat sich in Deutschland gänzlich anders gezeigt als in den Vereinigten Staaten und ein 1980 geborener Millennial aus den neuen Bundesländern hat die ersten 10 Jahres seines oder ihres Lebens noch in einem sozialistischen Land verbracht, wurde dort sozialisiert und musste die Jugendjahre mit den Einheitsschmerzen verbringen, die durch den Wegfall der kindlichen Umwelt entstanden. Hierdurch entstehen ganz eigene Biografien.

Interessant scheinen dennoch die unterschiedliche Nutzung sozialer Medien durch die jeweiligen Altersgruppen und die deutlich erkennbaren Präferenzen in der Kanalwahl.

Über Christian Allner, M.A.

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs darin, besser zu kommunizieren und Social Media zu verstehen. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er Seminare und Workshops an und ist als Speaker auf Barcamps und Events aktiv. Er ist kaufmännisch ausgebildet (Immobilienverwalter im ersten Leben), in mehreren Branchenverbänden aktiv und promoviert zurzeit an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken, macht Radio mit #Onlinegeister und coacht bei Selbständig in Mitteldeutschland. Begeisterter Hobbykoch und Boulderer.

2 Kommentare

  1. Pingback:Lesenswerte Links – Kalenderwoche 33 in 2017 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2017

  2. Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Generationen finde ich sehr wichtig und spannend. Damit setzt sich auch der folgende Artikel auseinander: https://www.webpixelkonsum.de/uebersicht-und-merkmale-der-generationen-x-y-z-ihre-auswirkungen-auf-die-social-media-strategie-und-content-marketing-strategie/. Die Frage ist, wie viele Unternehmen sich speziell mit dem Komplex „Generationen & Social Media“ auseinander setzen und darauf eingehen.

    Beste Grüße. Ralph

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