#RezoVideo & Co.: Wie werden #Ibizagate oder „Die Zerstörung der CDU“ so populär? | Podcast

In den letzten Wochen haben immer wieder virale Videos den gesamten deutschsprachigen Raum durchdrungen: Letzte Woche war es #IbizaGate um die Bestechlichkeit und moralische Fragwürdigkeit des österreichischen Politikers Heinz-Christian Strache (FPÖ). Aktuell dreht sich alles um den YouTuber Rezo und sein Video, in dem er sich auf die CDU und deren Politik der letzten Jahrzehnte konzentriert.

Wie können solche Videos derart populär werden?

Neues Video: „Ein Statement von 80+ YouTubern“ – Rezo fokussiert ein konkretes Thema

Am 24. Mai 2019 kam ein neues Rezo-Video, welches schlicht „Ein Statement von 80+ YouTubern“ heißt:

Ein Statement von 80+ Youtubern

Hier ist der Text nochmal in schriftlicher Form. Ich hab es zeitlich nicht geschafft, noch mehr YouTuber zu fragen. Jeder Youtuber, der noch mit unterzeichnen möchte, kann sich gerne irgendwie melden. ________________________________ Dies ist ein offener Brief. Ein Statement. Von einem großen Teil der Youtuber-Szene.

In diesem Video, welches nur knapp 3 Minuten lang ist (das CDU-Zerstörung-Video war knapp 55 Minuten lang) wird eher emotional argumentiert und mit Fokus auf Umweltschutz und die dieses Wochenende anstehende Europawahl.

Im Video beginnt der YouTuber Rezo und wird dann von einer Diashow-artigen Aneinanderreihung von etwa 30 YouTubern unterstützt.

Die Auftretenden lesen sich wie ein Who’s Who der deutschen YouTube Szene: Zu Wort kommen unter anderem Julien Bam, Katja Krasavice, Unge, DagiBee und andere. Die offizielle Unterstützerliste lautet:

  1. Julien Bam,
  2. DagiBee,
  3. Vik,
  4. Emrah,
  5. Anni the Duck,
  6. Mirellativegal,
  7. Oğuz Yılmaz,
  8. Fynn Kliemann,
  9. Rezo,
  10. Tim Jacken,
  11. Toni Pirosa,
  12. DeChangeman,
  13. Rick (SpaceFrogs),
  14. Steven (SpaceFrogs),
  15. Aaron Troschke,
  16. Greeen,
  17. Katja Krasavice,
  18. Malwanne,
  19. Luca Concrafter,
  20. Unge,
  21. Jana Nell,
  22. Alexi Bexi,
  23. Alycia Marie,
  24. Diana zur Löwen,
  25. Marti Fischer,
  26. Jodie Calussi,
  27. Mii Mii,
  28. Julia Beautx,
  29. CrispyRob,
  30. Simon Will,
  31. Rewi,
  32. Taddl,
  33. Trymacs,
  34. Phil Laude,
  35. Izzi,
  36. Nia,
  37. Fräulein Chaos,
  38. Heider,
  39. Soja (SophieDoesRandomStuff),
  40. Gordon (Vegan ist ungesund),
  41. Aljosha (Vegan ist ungesund),
  42. Jonas (Simplicissimus),
  43. David (Simplicissimus),
  44. Tilo Jung,
  45. OpenMind,
  46. Kiko,
  47. Gong Bao,
  48. Sturmwaffel,
  49. Barbara Sofie,
  50. Hendrik Rettkowski,
  51. David Hain,
  52. Fabian Siegismund,
  53. Ambre Vallet,
  54. LeFloid,
  55. Naomi Jon, Klengan,
  56. Kayla Shyx,
  57. Luna F. Darko,
  58. dyzzy,
  59. Nhi,
  60. Marius (Angeschrien),
  61. Sonny Loops,
  62. Ischtar Isik,
  63. Jonas Ems,
  64. Paul (Ultralativ),
  65. Fynn (Ultralativ),
  66. Danergy,
  67. Lenny (Lennyficate),
  68. 2Bough,
  69. Domino Kati,
  70. Marie (Snukieful),
  71. EasyAlex,
  72. Kelly,
  73. GermanLetsPlay,
  74. Maxim Markov,
  75. Alexander Straub,
  76. Jolina Mennen,
  77. Firegoden,
  78. Keanusworld,
  79. Doktor Whatson,
  80. Silvi Rockstar,
  81. Vincent Lee,
  82. Krancrafter

#RezoVideo: „Die Zerstörung der CDU“

Falls jemand das Video noch nicht gesehen hat, hier die Einbettung:

Die Zerstörung der CDU.

Die Europawahl bzw EU-Wahl steht vor der Tür. Ob CDU, SPD oder AfD gute Parteien sind, die im Einklang mit Wissenschaft und Logik stehen, versuche ich in diesem Video zu beantworten. In jedem Fall: Geht wählen am nächsten Wochenende. Sonst entscheiden Rentner über eure Zukunft und geil ist das nicht.

Auf knapp 55 Minuten Länge äußert sich der YouTuber Rezo zur Politik der CDU in den letzten Jahrzehnten, auch zu aktuellen Entwicklungen in Klima-, Gesellschafts-, Umweltschutz- oder Außenpolitik.

Politik schadet nicht: Rezos Abozahlen gehen steil hoch

Dem YouTuber hat der Exkurs nicht geschadet, denn seine Abonnentenzahlen steigen deutlich an:

In den letzten zwei Wochen vor dem Video stiegen die Abozahlen des YouTubers täglich um einige tausend. Nach dem Erscheinen des Videos „Die Zerstörung der CDU“ stieg die Zahl der Abonnenten stetig an, z.T. um mehrere zehntausend am Tag. Die breite

Rezo hat die beiden Z beachtet und hält sich ans PESTO-Prinzip

Für den historischen Kontext: Rezo gehört zur Bam Crew, also den Kollegen und Mitarbeitern des ebenfalls bekannten YouTubers Julien Bam. Des Weiteren hatte sein Kanal bereits mehrere hunderttausend Abonnenten bevor sein CDU-Video online ging. Er startete also nicht bei Null.

Infografik SocialMediaStatistik.de zum Thema rezo youtube abonnenten

Über 600.000 Abonnenten hatte der YouTuber bereits. Das ging aber nach dem CDU-Video fast durch die Decke. Am 24. Mai lagen die Abonnenten bei fast 800.000 Nutzern. Wie hat der YouTuber das erreicht?

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Er hat sich an die beiden Z gehalten:

Rezo spricht zielgruppengerecht

Er redet kurz und knackig und sehr verständlich und anschaulich. Am Beispiel Erderwärmung, wie CO2 in die Luft kommt, meint er:

„Das ist in der Erde drin. Wir buddeln das aus. Verbrennen das. Und so kommt der Shit in die Luft.“

Er bedient sich typischer Jugendsprachelemente, arbeitet auch häufig mit konversationellen Markern wie Betonung oder Ironie und verdeutlicht seine Aussagen durch kurze Wiederholungen und Zusammenfassungen:

„Das Problem ist also nicht, dass es CO2 gibt, sondern dass es mehr wird.“

Rezo spricht zielgerichtet

Sein Video hat eine deutliche  Agenda. Dazu ein  aktuelles Thema (Wahlen stehen an). Inzwischen gibt es sogar eine Change.org-Petition, die das Video in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bringen möchte.

Manche können sich über die Art und Weise im Video aufregen. Rezo geht die CDU und andere Parteien wie SPD und AfD zum Teil sehr persönlich an, aber das ist okay. Das Video will keine neutrale und objektive Dokumentation sein. Es ist die Abrechnung eines Menschen. Darin liegt das Ziel und dieses Ziel verfolgt der YouTuber.

PESTO-Prinzip eingehalten

Die ersten beiden Buchstaben des PESTO-Prinzips sagen, dass man Person und Ergebnis eines Vorhabens kennen sollte. Rezo hat seine Zielgruppe konkret angesprochen und sein Zielvorhaben ebenfalls sehr konkret erwähnt. Es ist sogar der Titel des Videos.

Was ist mit anderen viralen Hits wie #IbizaGate?

Das sogenannte Ibiza-Video zeigt den österreichischen Politiker Heinz-Christian Strache und seinem Kollegen Gudenus in einer Villa auf Ibiza, wie er sich mit anderen, russischsprachigen Menschen unterhält. Darin lässt Strache einige als bedenklich einzuschätzende Äußerungen erklingen. Eine ausführliche Analyse gibt es hier (Reaktionen bei Facebook finden sich u.a. hier):

Politik-Skandal in Österreich! Alle Infos | #IbizaAffäre

Österreichs Regierung löst sich auf – und der Grund dafür ist ein pikantes Video aus dem Jahr 2017, das jetzt aufgetaucht ist. Im Zentrum: Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der Partei FPÖ. Wer noch betroffen ist und was dahintersteckt, erfahrt ihr hier. Ein Zusammenschnitt des Videos, um das es geht – https://www.sueddeutsche.de/politik/strache-fpoe-kronen-zeitung-oesterreich-1.4452326 …

Dieses Video, genau wie andere, sind symptomatisch für eines: Lust und Neugier von Menschen, der Voyeurismus im Internet und ein gutes Timing.

Denn ähnlich wie beim #RezoVideo ist auch das sogenannte #Ibizagate um Strache und die FPÖ kurz vor einer Wahl aufgekommen. Damit liegt der Fokus bereits auf verwandten Themen bzw. im Dunstkreis und dadurch lassen sich dann auch leichter solche Themen pushen.

Fazit: Formel für virale Hits?

Zielgerichtetheit und Zielgrupenspezifik helfen natürlich, relevante Videos zu produzieren. Doch schlussendlich gilt auch immer der Zufall. Das Rezo-Video ebenso wie das Strache-Video haben eine große Reichweite erhalten, aber hätten genauso in der Versenkung verschwinden können. In beiden Fällen hat geholfen, dass es entweder von bereits zuvor populäreren Produzenten hergestellt bzw. sich um populäre (Strache war Vizekanzler Österreichs) Menschen dreht.

Das Erfolgsrezept für virale Hits gibt es nicht, aber etwas über seine Zielgruppe zu wissen und ein konkretes Ergebnis im Kopf zu haben bei der Produktion können bereits extrem weiterhelfen.

Podcast-Analyse vom #RezoVideo

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Über Christian Allner, M.A.

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs darin, besser zu kommunizieren und Social Media zu verstehen. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er Seminare und Workshops an und ist als Speaker auf Barcamps und Events aktiv. Er ist kaufmännisch ausgebildet (Immobilienverwalter im ersten Leben), in mehreren Branchenverbänden aktiv und promoviert zurzeit an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken, macht Radio mit #Onlinegeister und coacht bei Selbständig in Mitteldeutschland. Begeisterter Hobbykoch und Boulderer.

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