“Google kauft Presse”, Google goes Abomodell, was von der Cambridge-Analytica-Affäre übrig bleibt | Podcast + Briefing #55

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Was bewegt das Netz? Warum sind Podcasts so populär? Welche neuen Features gibt es bei Social-Media-Plattformen? Worüber sprechen die User? Parallel zu jeder Folge Onlinegeister-Podcast stellen wir euch ganz individuell unsere Weekly Virals vor, ein Info-Update der aktuellen Nachrichten und News als Briefing zusammen. Shownotes, Infografiken und mehr gibt es monatlich in unserem exklusiven #2minuten-Briefing. Kompakt kuratiert und analysiert!

Meldung #1: “Google kauft Presse” vs „Google investiert 1 Mrd. in Pressearbeit“

  • Google will Verlagen in den kommenden drei Jahren eine Milliarde Euro überweisen
    • zum Größenvergleich: das sind 333 Mio. pro Jahr, also etwa 0,02 % des Jahresumsatzes 2019 i.H. von 137 Mrd. € also umgerechnet investiert Google pro Jahr 7 Arbeitstage in seine Medienförderung
    • Im Gegenzug für die Förderung erhält Google Inhalte, die auf einem neuen Produkt namens Google News Showcase (GNS) präsentiert werden und später auch im Discover-Feed und der Google-Suche auftauchen sollen.
  • Warum werden Verlage von Google mit Milliarden unterstützt?
    • Best Case:
      • CEO Sundar Pichai (Google-Blog) schiebt hier vor allem guten Glauben und Ideale vor bspw. weil er selbst gern als Kind die Zeitung las
      • Google-Manager Matt Brittin (Google-Blog) meint: „We invest in news not for profit; but because it’s important for society, for publishers and for citizens wanting to read quality journalism.“
    • Worst Case:
      • Google und Facebook sind derzeit weltweit von Regulierung und neuen Gesetzen in ihrer unternehmerischen Freiheit bedroht.
      • Programme wie die bereits laufende Google News Initiative oder Facebooks Journalism Project helfen den Tech-Unternehmen voraussichtlich mehr als den Medienpartnern.
      • Google sucht selbst aus, welche Medienpartner Geld erhalten
      • Statt Lizenzgebühren an alle zahlen zu müssen (etwa bei EU-Urheberrechtsrichtlinie) hat hier Google also ziemlich freie Hand und bekommt sogar gute Presse, weil der Konzern Geld gibt

Meldung #2: Google goes Abomodell – und will jetzt Geld von euch!

  • Was ist jetzt?
    • Seit mehr als 23 Jahren gilt: Fast alle Google-Dienste sind gratis
    • Es gibt auch kostenpflichtige Produkte für Business-Kunden (und das Mobilfunkangebot Google Fi)
    • Doch was hat sich geändert? Kurz: Google ist hauptsächlich ein Werbedienst  und die Werbepreise gehen momentan immer mehr in den Keller, also scheint auch Google nach neuen Geschäftsmodellen oder zumindest netten Nebenverdiensten zu suchen
  • Was wird kommen?
    • Google hat zwei Dienste vorbereitet: Google One (für Privatkunden) und Google Workspace (für Businesskunden)
    • Google pusht das Abomodell und fährt dabei offenbar eine Doppelstrategie: Die Vorteile werden attraktiver, dafür wird das Gratis-Angebot eingeschränkt.
    • Von Juni 2021 lassen sich Fotos nicht mehr unbegrenzt (The Verge) in reduzierter Auflösung bei Google Photos speichern. Nach diesem Stichtag zählen die Bilder ebenfalls gegen das Limit von 15 GB.
    • Ausgenommen sind nur Besitzer von aktuellen Google Pixel Smartphones, aber nicht mehr von den neuen
    • Kostenlos ist Auslaufmodell?
      • Google konnte sich es leisten, jahrelang Geld mit seinem Angebot Google Photos zu verbrennen. Start-ups wie Everpix, Loom, Ever und Picturelife hatten keine Chance und mussten aufgeben. Dazu bei Twitter Casey Newton:
Auch spannend:  Kliemann in der Krise | Briefing #72

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Also seems notable that free Google photo storage helped to drive tons of startups out of this market – Everpix, Loom, Ever, Picturelife. Now that they’re gone, and Google is tired of losing money on Photos, the revenue switch flips.

Meldung #3: Facebook führt seine Messenger zusammen

  • Im Januar 2019 hat Facebook verkündet, seine Messenger (WhatsApp, Instagram Direct, Facebook Messenger) zusammenzuführen
  • Die Verzahnung startete im Oktober als Facebook die Integration des Facebook Messenger mit Instagram Direct abgeschlossen (deswegen übrigens, hat der die Facebook-Messenger-App seit einiger Zeit ein anderes Design, dieser lila Insta-artige Farb-Gradient)
  • Warum ist das interessant?
    • Messenger sind gigantisch! Täglich werden über die Facebook-eigenen Messenger über 100 Milliarden Nachrichten verschickt.
    • Menschen verbringen immer mehr Zeit in Messengern; siehe auch die Foresight-Wertestudie im Auftrag vom Bundesbildungsministerium
  • Warum führt Facebook seine Messenger zusammen?
    • Einerseits beseitigt Facebook damit unnötige Doppel- und Dreifachstrukturen, außerdem bekommen alle Messenger die gleichen Features und Funktionen
    • Auch gehen Gerüchte um, dass Facebook mit der Zusammenführung einer möglichen Zerschlagung durch die Politik entgegenwirken will
    • Warum sollte Facebook zerschlagen werden?
      • Facebook ist ein großer Monopolist bei Social Media; und mit Instagram und WhatsApp hat Facebook Unternehmen aufgekauft, die einen großen Teil des Messenger- und Social-Media-Markts abdecken
      • Bis die US-Politik soweit ist, könnten Facebooks Dienste also schon so stark zusammengelegt sein, dass eine Zerschlagung technisch sehr schwierig wird

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Meldung #4: Was von der Cambridge-Analytica-Affäre übrig bleibt

  • Die britische Datenschutzbehörde ICO hat einen Abschlussbericht zur Cambridge-Analytica-Affäre vorgestellt
  • Was war Cambridge Analytica?
    • Wir erinnern uns zurück: 2018 wurde bekannt, dass das britische Analyse-Unternehmen Cambridge Analytica eine Facebook-Schnittstelle missbraucht, um an Nutzerdaten zu kommen
    • Diese Daten sollten genutzt worden sein, um sowohl den Brexit als auch die US-Wahl 2016 zu manipulieren
  • Im Abschlussbericht stellt die ICO nun klar, dass
    • a) Facebook zwar in punkto Sicherheit schlampig gearbeitet hat und 
    • b) Cambridge Analytica wirklich versucht hat zu manipulieren, aber die große Verschwörung war es nicht – es fehlen dafür einfach Beweise
  • Natürlich lief einiges schief: Cambridge Analytica hat versucht ein System auszunutzen, aber es hat vor allem öffentlich zugängliche Daten genutzt; man war maximal ein Kleinkrimineller und nicht der Superbösewicht als den man (z.T. selbst) dargestellt hat

Blog: Elizabeth Denham on the conclusion of the ICO’s investigation into the use of personal data in political campaigning

There can be few cases that better illustrate how mainstream data protection has become than the ICO’s investigation into the use of personal data in political campaigning, including by the now defunct Cambridge Analytica. How people’s information was being used became a dinner table topic, prompting undercover news reports, a TV dramatisation and a Netflix documentary.

Meldung #5: Onlinegeister haben einen Preis gewonnen!

  • “For 2020 we have introduced our regional awards to recognise smaller, independent businesses that are extremely successful on a local level. We will be releasing the annual 2020 Berlin & East Germany Business Publication and we will be promoting all of those recognised. Alongside East Germany news and full details of this year’s winners.”
Auch spannend:  Infografik: Studie: 48 % der Teenager verbringen mehr Zeit am Bildschirm als mit ihren Freunden

Meldung #6: Plattform-Updates:

Spotify überlegt eine Podcast-only-Option

WhatsApp Payments

  • WhatsApp-Nutzer in Indien können sich nun über den Messenger Geld schicken. “Super schnell und super sicher”, so Facebook. WeChat – wir hören dir trapsen. 😉 Denn beim chinesischen Messenger gibt es diese Funktion schon lang.

Twitch auch bei Beauty-Marken im Trend:

  • Corona hat das Influencer-Marketing verändert; statt  vor neue Herausforderungen gestellt. Anstatt um die Welt zu jetten, haben viele ambitionierte Markenbotschafterïnnen das Thema Livestreaming für sich entdeckt, um zusätzliche Kanäle anbieten zu können. Digiday hat sich das einmal genauer angeschaut

Insta Livestreaming

  • Bis zu vier Stunden können Nutzerïnnen jetzt bei Instagram live streamen. Zudem können Livestreams jetzt bis zu 30 Tage aufgehoben werden. (Twitter / Instagram)

Tinder Video Chat

Twitter macht jetzt auch Storys

  • Fleets (wir berichteten) sind jetzt für Twitter verfügbar
    • Damit ist Twitter sehr spät: Storys gibt es (in unterschiedlichen Ländern freigeschaltet) bereits bei:
      • Snapchat (2013), 
      • Instagram (2016), 
      • Facebook/Messenger (2017), 
      • WhatsApp Status (2017), 
      • Youtube Beiträge (2018), 
      • Google My Business Beiträge (2018),
      • Netflix, Story-artige Beiträge in der App (2019), 
      • LinkedIn, Spotify (alle 2020) 
    • Twitter Spaces (Audio-only Nachrichten) werden auch für einige Nutzer langsam ausgerollt; wir gehören noch nicht dazu

Mehr Infos im Podcast: Hören & Download

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