YouTube und die Landtagswahlen in Berlin & Mecklenburg-Vorpommern

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Zeitgleich zur Bundestagswahl kam es im Osten von Deutschland noch zu zwei Landtagswahlen. Am 26. September waren in Mecklenburg-Vorpommern 1,3 Millionen Personen zur Abgabe ihrer Stimmer aufgerufen, in Berlin 2,5 Millionen Personen. Es ist naheliegend und vergangene Landtagswahlen haben dies bereits gezeigt, dass in einwohnerschwachen Bundesländern das Online-Video bzw. YouTube deutlich weniger zu Wahlkampfzwecken genutzt wird, als in einwohnerstarken Bundesländern. Dennoch schauen wir uns hier die Bemühungen der Parteien um Wählerstimmen etwas genauer an.

YouTube und die Landtagswahl in Berlin

In den Wochen vor der Wahl ließen die CDU und die AfD aus Berlin wenig besondere Anstrengungen auf YouTube erkennen, wobei die AfD allerdings etwa 10.000 Euro in Werbemassennahmen investierte. Eine Übersicht ist hier zu sehen. Die FDP wiederum veröffentlichte neben dem offiziellen Wahlspot noch ein Video, in welchem mit simplen Animationen wie Texteinblendungen die Briefwahl erklärt wird. Dieses Video gibt es noch ein zweites Mal auf englischer Sprache (jedoch mit denselben in Deutsch gehaltenen Texteinblendungen).

Auch die Grünen waren mit wenigen Videos präsent. So gibt es etwa Videos von der Bürgermeisterkandidatin Bettina Jarasch auf der Bühne von Demonstrationen für bessere Arbeitsbedingungen von Krankenhausbeschäftigen und unter dem Title „Die Grüne Hauptstadtvision“ (insgesamt vier Videos) werden verschiedene Ideen für die Entwicklung des öffentlichen Raums vorgestellt. Darüber hinaus gibt es mehrere nur wenige Sekunden lange Realfilm-Videos mit Texteinblendungen, die wohl für Werbezwecke gedacht sind. Allerdings sind im transarencyreport von Google keine beworbenen Videos aufgelistet.

Deutlich mehr auf das Internet bzw. auf YouTube zugeschnittene Ideen lieferte die SPD. So gibt es etwa eine Videoreihe mit dem Titel #37ausBerlin. Dabei handelt es sich um ein Format, in dem die Spitzenkandidatin Franziska Giffey 37 verschiedene Personen(-gruppen) aus Berlin trifft. Bei den Personen handelt es sich etwa um Stadtteilmütter, Rettungsschwimmerinnen, Schülerinnen, Azubis & Studierende, Künstler, sie trifft sich mit dem Sozial- und Wohlfahrtsverband und Aktivisten aus der LGBTQ*-Community. Grob lässt sich das Format als Portrait der einzelnen Personen bezeichnen, in denen Giffey jedoch eine sehr prominente Rolle einnimmt.

#37ausBerlin: Franziska Giffey trifft Rettungsschwimmer:innen der DLRG Berlin

3,7 Mio. Menschen leben in #Berlin. In #37ausBerlin stellen wir 37 von ihnen in den Fokus. Unsere Spitzenkandidatin Franziska Giffey möchte wissen: Was beweg…

Die Aufrufzahlen auf YouTube bewegen sich im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich. Die Videos sind in der Regel um die fünf Minuten lang, was viel ist für solch ein Format. Bildlich werden fast nur die Interviewsituationen gezeigt, in der Giffey die jeweiligen Personen interviewt. Mit einem moderneren Schnitt, einem musikalischeren Hintergrund und vor allem mehr Variation an dem, was vor der Kamera passiert, hätten diese Videos qualitativ deutlich besser werden können. Dennoch ist die Formatidee so nicht verkehrt. Die Videos haben einen Informationscharakter, die Zuschauerinnen und Zuschauer (vorausgesetzt es handelt sich um Berlinerinnen und Berliner) werden in ihrer Lebensrealität abgeholt und zudem wirkt Giffey als nahbare Person. Vorteilhaft ist auch, dass hier mit gesellschaftlichen Gruppen zusammengearbeitet wird, die das fertige Video selbst unter ihren Anhängern und Sympathisanten verbreiten können. Solche Formate haben Potenzial.

Im Berliner Wahlkampf wurde YouTube besonders intensiv von der Linken genutzt. Die Partei konnte ihrer Aufrufzahlen von circa 100.000 Aufrufen Anfang August auf etwa 200.000 zu Wahl verdoppeln. Neben dem offiziellen Wahlwerbespot wurden noch aufgezeichnete Reden und extra fürs Netz produzierte Werbeclips veröffentlicht, die auch beworben wurden.

Letztere sind (bild-)gestalterisch besonders gelungen. In schnellen Runden bewegt sich die Kamera um den Spitzenkandidaten der Linken Klaus Lederer, während dieser eine mögliche Person mit dem Blick fokussiert, die die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht zu sehen bekommen. Mit leichter, aber Spannung erzeugender Musikuntermalung werden thematisch passende Gegebenheiten in schneller Reihenfolge aufgezählt, bevor Lederer das Aufgezählte aufgreift und Lösungsansätze der eigenen Partei präsentiert. Diese Videos sind einfach aber doch hochwertig umgesetzt worden.

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YouTube und die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Weniger Beachtung im Wahlkampf erfuhr YouTube von den Parteien aus Mecklenburg-Vorpommern. Während die SPD drei Videos mit Wahlrufen für Manuela Schwesig jeweils von Olaf Scholz, Roland Kaiser und Malu Dreyer veröffentlichte, sind auf dem Kanal der Union neben dem offiziellen Wahlspott noch zwei Mitschnitte von Parteiveranstaltungen von einer bzw. von zwei Stunden Länge zu finden. Die Linke veröffentlichte neben dem offiziellen Wahlspot ein Erklärvideo zum Thema Briefwahl und eine digitale Fotodiashow von beinahe 37 Minuten Länge.

Bei den Grünen aus Mecklenburg-Vorpommern wurden neben aufgezeichneten Reden und einer Videobotschaft von Renate Künast auch im 1:1 Format gehaltene (das sogenannte Instagram Format), animierte Videos veröffentlicht, in welchen in nur wenigen Sekunden Grüne Lösungsansätze präsentiert werden. Solche Videos werden üblicherweise für Werbezecke erstellt.

Darüber hinaus gibt es noch das von den Grünen zur Bundestagswahl veröffentlichte Video mit umgedichteten Fersen von ‚Kein schöner Land in dieser Zeit‘, an dessen Ende nicht Annalena Baerbock und Robert Habeck, sondern die Grünen Spitzenkandidaten aus Mecklenburg-Vorpommer Anne Shepley und Harald Terpe erscheinen.

Auf dem Kanal der FDP werden in mehreren Videos vom Landesvorsitzenden René Domke zu emotionaler Musik Themen wie Digitalisierung, Bildung, Bürokratieabbau und Finanzen angesprochen. Während die Musik emotional ist, bleibt Domke emotionslos. Auch die Sprachaufnahmen von ihm sind, mit einer Ausnahme, von schlechter Qualität. Eigentlich sollte dies dagegen sprechen, eines der Videos neben einer dicht befahrenen Straße aufzunehmen. Keines der Videos erreicht dreistellige Aufrufzahlen.

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Die AfD veröffentlichte das übliche „Wahlprogramm in 99 Sekunden“. In diesem kündigen sie an die „Sozialindustrie“ rund um die AWO zu bekämpfen, stellen sich als Antigender Bewegung vor, wollen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vor der Windindustrie „beschützen“ indem sie Kernenergie fördern wollen, fordern das konsequente Abschieben und das Abweisen von Geflüchteten an der Grenze und versprechen den Bürgerinnen und Bürgern unter anderem sie vor der mittlerweile vor acht Jahren durch den Rundfunkbeitrag ersetzte GEZ zu befreien.

Neben den üblichen Wahlwerbespots sind noch mehrere aufgezeichnete Reden von Wahlkampfveranstaltungen auf dem Kanal zu finden. In einigen technisch gut umgesetzten Videostatements äußert sich zudem der Landeschef Leif-Erik Holm zu Themen wie Spritpreis oder „Coronairrsinn“.

Schlussfolgerungen

Es zeigt sich, dass in Bundesländern mit vergleichsweise wenig Wahlberechtigten, das Online-Video bzw. YouTube weiterhin eine untergeordnete Rolle bei Wahlkämpfen spielt. Dies scheint vor dem Hintergrund von weniger personeller und finanziellen Ressourcen der Landesverbände naheliegend.

Von der Idee her hat das Wahlkampfteam rund um Franziska Giffey mit der Formatidee zu #37ausBerlin überzeugen können, nur ist die Umsetzung der Videos dröge. Die Linke aus Berlin hat dagegen eine gute Idee sehr professionell umgesetzt. Auch die FDP aus Mecklenburg-Vorpommern hat versucht das Online-Video für sich zu nutzen. Vor allem an der technischen Umsetzung haperte es hier.

Die meisten Parteien haben das Potenzial von YouTube und Online-Videos nicht bzw. nur gering genutzt. Anders sah dies zur zeitgleich ablaufenden Bundestagswahl aus. Eine Analyse kann hier nachgelesen werden.

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