Tumblr: 83 % Reblogs | Podcast + Infografik

  • Studie ergab: deutscher Tumblr-Content zu 16 % originaler Content
  • Tumblr-Nutzer kommunizieren sehr visuell: Bilder machen Großteil aus
  • 70 % der Nutzer sind gern auf ihrem Dashboard

Der Verkauf von Tumblr an Automattic vor einigen Monaten ist unser aktueller Anlass. Endlich beschäftigen wir uns mit Tumblr! Seit Jahren haben wir es versprochen und jetzt lösen wir unser Versprechen ein! Der Text basiert in Teilen auf meiner Master-Arbeit.

Infografik: Tumblr auf Deutsch

Tumblr war in den letzten Jahren sehr starr und könnte durch den Aufkauf durch Automattic wieder etwas von seiner Dynamik zurückgewinnen. Welche Dynamik ich meine, zeigt diese Infografik sehr deutlich:

Die vollständige Infografik gibt es als Link im Bild oder am Ende dieses Beitrags nochmal. Doch was sagt die Infografik aus?

Bei der Studie wurde deutlich, dass Bilder zwar häufig gemeinsam mit Text eingesetzt werden, doch Visualisierungen insgesamt bei Tumblr stark dominieren.

Quantitativ überraschend war, dass 83,91 % aller produzierten Beiträge Reblogs sind (als Großzitate weitergeleitete Beiträge anderer Nutzer mit Quellverweis).

Bereinigt um Reblogs herrschten Bildbeiträge mit 56 % vor (sonst 9 %). Das stützt die These zunehmender Visualisierung. Ebenso hatten 54 % aller Kommentare Bildbeiträge zum Thema.

Qualitativ teilte sich die Bildernutzung (bei deutschen Nutzern) in zwei Kategorien auf:

  • Argumente, die ein Thema additiv (zuträglich) oder subtraktiv (abträglich) behandelten, und
  • Kommentare, die Themen illustrativ (veranschaulichend) oder als Reblog (Weiterleitung) behandelten.

Die illustrative Nutzung von Bildern war am stärksten ausgeprägt (38,01 %), gefolgt von additiver, also zustimmender Argumentation für eine Thematik (35,21 %).

Die Untersuchung machte deutlich, dass Content-Visualisierungen zwar noch häufig kombiniert mit Texten eingesetzt werden, doch Bilder in ihrer Dominanz zunehmen und vor allem argumentativ und kommentierend eingesetzt werden. Darüber hinaus scheinen deutschsprachige Tumblr-Nutzer mit Inhalten stark visuell (über Bildbeiträge) und referierend (über Reblogs) zu interagieren.

Analyse: Was ist Tumblr?

Tumblr ist ein Blogservice, welcher aus der Tumblelog-Szene entstand. Offiziell bezeichnet sich der Dienst als Mikrobloggingplattform, doch das wäre zu kurz gegriffen. Tumblr vereint mehrere Charakteristika, die auf Blogs, soziale Netzwerke, Content-Sharing-Dienste, Messenger oder Social Bookmarks zutreffen. Tumblr entspricht also eher einer Art Hybridblog (vgl. ebd.), der diese verschiedenen Charakteristika miteinander verbindet.

Tumblr ist ein 2007 gegründeter US-amerikanischer Blogdienst mit Sitz in New York. Das Unternehmen finanzierte sich anfangs durch Investoren und stützt sich seit 2012 auf Werbeanzeigen, die den Nutzern angezeigt werden. Im Mai 2013 wurde der Dienst vom Technologiekonzern Yahoo für etwa eine Milliarde US-Dollar gekauft. Mitte 2015 führte der Dienst mehrere Änderungen seiner Benutzeroberfläche durch und führte im Dezember 2015 eine Messenger-Funktion ein.

Im Januar 2016 nutzten monatlich etwa 555 Millionen Leute aktiv Tumblr (vgl. We Are Social 2016). In Deutschland wuchs die Nutzerschaft von 2,9 Millionen im Januar 2013 auf 4,2 Millionen im Juli 2013, was einem Anstieg von etwa 44 Prozent entspricht (vgl. Schindler 2013).

In der seit 1997 jährlich durchgeführten ARD/ZDF-Onlinestudie wird Tumblr zwar nur von etwa 8 % der 14-29-Jährigen genutzt und rangiert damit auf Platz Sieben im Gesamtvergleich, aber belegt Platz Vier in der Kategorie der täglichen Nutzung (vgl. Tippelt & Kupferschmitt 2015). Etwa 52 % der deutschen Tumblr-Nutzer sind 14-29 Jahre alt, 31 % 30-49 Jahre und 17 % über 50 Jahre alt. Diese Zahlen ähneln denen von Twitter, wodurch beide Mikroblogs vergleichbar sind.

Aufbau und Layout

Kennzeichnend für Tumblr ist eine schlank programmierte intuitive Benutzeroberfläche mit minimalistischem Design, die sich mit wenigen Klicks oder Gesten benutzen lässt (vgl. Boutin 2009). Kennzeichnend für die Nutzererfahrung ist eine Zweiteilung in Front- und Backend.

Frontend ist die Benutzeroberfläche für Besucher eines spezifischen Tumblr-Blogs, welcher über das Schema http://[blogname].tumblr.com erreichbar ist. Das Frontend ist durch HTML-Programmcode komplett individualisierbar und dadurch einer Website bzw. einem klassischen Blog ähnlich.

Das Backend ist die Benutzeroberfläche eines angemeldeten Benutzers des Dienstes und wird bei Tumblr als Dashboard bezeichnet.

Laut Tumblr sind etwa 70 Prozent der Nutzer am liebsten auf dem Dashboard aktiv, nutzen es als Newsstream und zur Vernetzung mit anderen. Zusammen mit der minimalistischen Benutzeroberfläche des Dashboards erschuf Tumblr damit eine Umgebung, in der sich der Nutzer wohlfühlt.“ (Allner 2015a:41)

Das Dashboard unterscheidet sich vom Frontend durch ein einheitliches Design und ist dadurch mit blogtypischen Content-Management-Systemen wie WordPress vergleichbar.

Unter einer Kopfzeile mit Logo und Suchfunktion läuft mittig ein Newsfeed mit abonnierten Beiträgen ab. An der Spitze des Newsfeeds gibt es eine Auswahl aus sieben verschiedenen und bei Tumblr als Eintragstypen bezeichneten Möglichkeiten, Content auf die Plattform hochzuladen:

  • Texte     können kurz und knapp oder seitenlang sein, typographisch edel     aufbereitet und vielfältig formatiert werden. Texte (wie alle     anderen Postingtypen auch) können gereblogt und kommentiert werden.
  • Fotos     können als Einzelbilder oder in einer Galerie hochgeladen werden,     bei der die Reihenfolge und Vorschaugrößen individuell verändert     werden können. Man kann eigene Bilder hochladen oder aus dem Web     verlinken.
  • Zitate     sind typografisch aufbereitete Texte. Die Eingabemaske enthält     zwei Fenster, in denen ein Zitat (visuell durch Anführungszeichen     markiert) und eine Quelle angegeben werden können.
  • Links     verweisen auf Websites und werden mit kleinem Vorschaubild und     -text angezeigt.
  • Chats     sind im Grunde dialogisch angelegte Zitate, die typografisch     hervorgehoben sind.
  • Audios     und Videos wiederum bringen den Multimedia-Aspekt ein und     können selbst hochgeladen oder verlinkt werden. Die Inhalte werden     dabei eingebettet geöffnet und können so direkt konsumiert werden.     Scrollt der Benutzer weiter, verkleinern sich bspw. Videos zum     rechten Bildrand hin und scrollen mit.
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Die Eintragstypen sind ein Alleinstellungsmerkmal von Tumblr. Öffnet ein Nutzer bei anderen Diensten wie Facebook oder Twitter die Bearbeitungsmaske, wird ihm zunächst ein Textfeld angezeigt; vergleichbar mit klassischen Office-Programmen. Die Benutzerführung ist dadurch eine ganz andere als bei Tumblr. Dort wird der Nutzer direkt vor dem Eingabeprozess aufgefordert, sich für eine von sieben Kategorien zu entscheiden. Hierdurch ergeben sich andere Möglichkeiten, um Inhalte zu produzieren.

Reblogs

Bei Reblogs wird der ursprüngliche Beitrag vollständig übernommen und einem Großzitat ähnlich im eigenen Blog veröffentlicht. Vorher hat der rebloggende Nutzer noch die Möglichkeit den Ursprungstext zu kommentieren.

Reblogs erlauben mit nur wenigen Klicks das Weiterleiten und Veröffentlichen von Inhalten auf dem eigenen Tumblr-Blog (vgl. Allner 2015a:40). Sie waren ein frühes Alleinstellungsmerkmal und sind bis heute bei nur wenigen Bloganbietern anzutreffen:

Tumblr offers one feature which is missing in traditional blog services: reblog. Once a user posts a blog, other users in Tumblr can reblog to comment or broadcast to their own followers. This enables information to be propagated through the network“ (Chang et al. 2014:7).

Reblogs werden häufig ähnlich wie wissenschaftliche Zitate genutzt, um bspw. eigene Argumente oder Sichtweisen zu stützen.

Dem Reblog ähnliche Funktionen finden sich inzwischen bspw. beim sozialen Netzwerk Facebook durch die Teilen-Funktion oder bei Twitter durch den Retweet.

Tumblr als inklusives Instagram?

Tumblr ist zwar wie Twitter ein Mikrobloganbieter, jedoch mit einem stärkeren Fokus auf visuelle Inhalte. 2013 bestanden 83 % der Beiträge auf Tumblr aus Fotos (vgl. Banner 2013). Eine Studie von Chang et al. (2014) ergab einen Anteil von 78,11 % Fotos für das gesamte Tumblr-Netzwerk:

Verteilung von Beiträgen bei Tumblr (vgl. Chang et al. 2014:2)

Verteilung von Beiträgen bei Tumblr (vgl. Chang et al. 2014:2)

Im Gegensatz zu Netzwerken wie Flickr oder Instagram ist Tumblr jedoch kein reiner Bilderdienst, da bereits die technische Ausrichtung anders ist. Die sieben verschiedenen Eintragstypen ermöglichen ein breiter gestreutes Angebot an Kommunikaten.

In der Praxis sind jedoch Bild- und mit einigem Abstand Tex-Content (vgl. ebd.) vorherrschend. Das macht deutlich, dass Bildinhalte bei Tumblr zwar stark vertreten, aber nicht exklusiv sind. Das sollte nicht überraschen, da bei Tumblr eingebundene Bilder auch keine Sammlungen mit einer Ordnerstruktur sind. Die Software ermöglicht das nicht und mit Flickr und anderen Anbietern gibt es bereits eigene Plattformen, die sich speziell um eine Bilderverwaltung kümmern. Bei Tumblr sind Bilder Teil der Kommunikation und werden in diese eingebunden.

Quellen und Links

  • Allner, Christian (2015a): Tumblr in Deutschland: Erfolgsstory eines Hybridblogs im Fokus. In: Social Media Magazin. Ausgabe 2015-II. Hrsg.: Fank, Matthias & Sen, William. Winnenden: CSW-Verlag. S. 40-43.
  • Boutin, Paul (2009): Tumblr Makes Blogging Blissfully Easy. (Online via New York Times) 13.03.2009. URL: http://gadgetwise.blogs.nytimes.com/2009/03/13/tumblr-makes-blogging-blissfully-easy (Zugriff: 12.08.2015).
  • Chang, Yi; Tang, Lei; Inagaki, Yoshiyuki & Liu, Yan (2014): What is Tumblr: A Statistical Overview and Comparison. In: ARXIV. Stand: März 2014. URL: http://arxiv.org/pdf/1403.5206v2.pdf (Zugriff: 07.01.2016).
  • Schindler, Sebastian (2013): Top 10 Fastest Growing Sites in Germany. (Online via comScore) 20.08.2013. URL: http://www.comscore.com/ger/Insights/Data-Mine/Top-10-Fastest-Growing-Sites-in-Germany (Zugriff: 10.01.2016).
  • Tippelt, Florian & Kupferschmitt, Thomas (2015): Social Web: Ausdifferenzierung der Nutzung – Potenziale für Medienanbieter. (Online via ARD/ZDF-Onlinestudie) 12.10.2015. URL: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Onlinestudie_2015

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Infografik

Über Christian Allner, M.A.

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs darin, besser zu kommunizieren und Social Media zu verstehen. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er Seminare und Workshops an und ist als Speaker auf Barcamps und Events aktiv. Er ist kaufmännisch ausgebildet (Immobilienverwalter im ersten Leben), in mehreren Branchenverbänden aktiv und promoviert zurzeit an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken, macht Radio mit #Onlinegeister und coacht bei Selbständig in Mitteldeutschland. Begeisterter Hobbykoch und Boulderer.

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