Milliardengeschäft: Social Games bei Facebook

Facebook hat inzwischen 1,5 Milliarden monatliche Nutzer, aber was machen diese Leute alle dort? Nicht nur Videos, Bilder und Freunde ziehen, sondern auch vermehrt Social Games nutzen, die über Facebook angeboten werden.

notebook games pferdSocial Games sind inzwischen für viele Leute Alltag: Manche Leute erhalten tägliche Anfragen von Freunden und Social Games sind inzwischen eine Milliardenindustrie, so dass es nicht verwundert, dass selbst wissenschaftliche Social-Media-Modelle (vgl. Aichner & Jacob 2015) Social Games als eigene Kategorie auflisten. Die Beliebtheit der Branche und die Verlockung, mal schnell nebenbei auf Arbeit oder im Hörsaal ein bisschen zu zocken, führt auch zu handfesten Zahlen. Allein in Deutschland gab es laut Statista bereits 2010 über 17 Millionen Nutzer von Social Games.

Doch woher kommt diese Faszination mit den kleinen Spielchen? Einerseits liegt es an der scheinbaren Nebensächlichkeit dieser Spiele: Casual Games werden viele auch genannt, was nichts anderes bedeutet, dass man sie schnell und nebenbei spielen kann. Besonders Frauen scheinen hier gefährdet, denn 2012 waren sie statistisch die Gruppe Spieler in Deutschland, welche am häufigsten, nämlich fast täglich, diese Spiele konsumierten. Doch diese Abhängigkeit hat auch ein wirtschaftliches System.

Facebook nicht denkbar ohne Social Games

DIE ZEIT kommentierte kritisch, dass der Erfolg von Facebook ohne Social Games undenkbar wäre. “Die Gratisspiele haben eine perfide Psychologie – und einen Reiz, der stärker ist als jede Kritik.” Im Artikel heißt es weiter, dass Facebook zum Börsengang seine Bücher offenlegte und dort fast 12 Prozent des Umsatzes aus dem Jahr 2011 auf Zynga zurückgingen. Das Unternehmen hat Spiele wie FarmVille, Mafia Wars oder Zynga Poker produziert. Gerade letzteres verwundert:

Casinos oder Pokerräume gibt es auch online – und auch bei Facebook. Das irritiert im ersten Moment, denn Glücksspiele sind auf der Plattform eigentlich komplett verboten. In Deutschland regeln der deutsche Glücksspielstaatsvertrag und die Glücksspielgesetze der einzelnen Bundesländer den Umgang mit Glücksspiel. Zurzeit gibt es 53 zugelassene deutsche Spielbanken, wie spielbankendeutschland.com auflistet. Doch um in einem legalen Online-Spielbank-Guide erscheinen zu dürfen, muss eine Spielbank oder ein Casino hohe staatliche Auflagen erfüllen.

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Online-Glücksspiel via Facebook?

In Deutschland gibt es spezielle Gesetze, die das Glücksspiel regeln und Schleswig-Holstein erlaubt überhaupt Online-Glücksspiel und das auch nur mit einer staatlichen Konzession –  in allen anderen Bundesländern ist es verboten.

Wieso also kann direkt über Facebook eine App wie Zynga Poker (immerhin mit etwa 1,8 Millionen Facebook-Fans) gespielt werden? Verboten ist das nicht. Im Gegenteil. Wer über Facebook Pokern möchte, kann das aber mit wenigen Klicks tun. Voraussetzung ist einzig und allein ein registrierter Facebook-Account, weswegen die effektive Altersschranke für Online-Poker also bei 13 Jahren liegt.

Über facebook.com/games findet man sogar eine eigene Rubrik namens Casino. Doch wie passt das nun zusammen und wo unterscheiden sich diese Spielformen von eigentlichen Online-Casinos?

Im Grunde genommen ist Glücksspiel wie Pokern über Facebook genauso wie reales Pokern im Internet oder in der Spielbank. Man findet im Netz Anbieterlisten beispielsweise bei onlinecasinosdeutschland.de/tests oder  spielbankendeutschland.com/onlinespielbanken und auffällig ist, wie häufig Begriffe wie seriös und legal fallen. Das sollte auch nicht verwundern, denn hier liegt der ganz entscheidende Unterschied: Bei Facebook setzt keiner der Spieler echtes Geld. Während man in deutschen Spielbanken immer eigenes Geld einsetzt, wird hier ausschließlich mit Spielgeld gepokert. Eigentlich gibt es nur einen Moment, in dem echtes Geld fließt – und das ist, wenn der Spieler zusätzliches Spielgeld kaufen will. Facebook erlaubt den Einsatz von Geld nur, wenn es sich um In-App-Käufe handelt. Damit wird es dann möglich, mehr Spielgeld zu gewinnen.

In-App-Käufe als Haupteinnahmequelle

Hier liegt auch der rechtlich spannende Punkt: Fast alle Social Games bieten In-App-Käufe an. Diese Mikrotransaktionen können wie im Beispiel der Kauf von Spielgeld sein, aber auch Ressourcen in Strategiespielen, witzige Verkleidungen oder bessere Rüstungen je nach App.

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Im letzten Jahr lag laut Angaben von Statista der weltweite Umsatz von Social Games, die nur über Facebook angeboten wurden, im Milliardenbereich: 2010 noch knapp bei 1,3 Mrd. US-Dollar, lag der Umsatz 2012 bereits bei 2,4 Milliarden und 2014 bereits bei 3,1 Milliarden US-Dollar. Ein jährliches Wachstum von mehreren hundert Millionen Dollar. Doch Anbieter wie Zynga verkaufen auch Apps für das Smartphone und Zynga bezieht hier 75 Prozent seiner Einnahmen über Apple iTunes.

Die wirtschaftlichen Entwicklungen bei Social Games sind spannend zu beobachten. Doch wie man bei den Online-Casino-Listen immer wieder als Hinweis findet: Glücksspiel kann süchtig machen. Also bitte aufpassen!

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs darin, besser zu kommunizieren und Social Media zu verstehen. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er Seminare und Workshops an und ist als Speaker auf Barcamps und Events aktiv.
Er ist kaufmännisch ausgebildet (Immobilienverwalter im ersten Leben), in mehreren Branchenverbänden aktiv und promoviert zurzeit an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken, macht Radio mit #Onlinegeister und coacht bei Selbständig in Mitteldeutschland. Begeisterter Hobbykoch und Boulderer.

 

Über Christian Allner, M.A.

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs darin, besser zu kommunizieren und Social Media zu verstehen. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er Seminare und Workshops an und ist als Speaker auf Barcamps und Events aktiv. Er ist kaufmännisch ausgebildet (Immobilienverwalter im ersten Leben), in mehreren Branchenverbänden aktiv und promoviert zurzeit an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken, macht Radio mit #Onlinegeister und coacht bei Selbständig in Mitteldeutschland. Begeisterter Hobbykoch und Boulderer.  

2 Kommentare

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