Twitters Renaissance? | Podcast

Twitter hat in den letzten Jahren einige fragwürdige Strategien getroffen, hatte keine Nutzer und war zu kompliziert. Im Februar wurde das anders: Ein Interview hat Jack Dorsey sich wieder stärker auf die Kernkompetenzen von Twitter konzentrieren lassen. Neue Geheimwaffe: Threads.

Wieso braucht Twitter eine Renaissance?

Twitter steht aktuell wieder so gut dar wie lange nicht. Doch welche Entscheidungen haben Twitter zu einer Renaissance geholfen – und welche fragwürdigen Taktiken haben es erst nötig gemacht?

Twitter hat fragwürdige Strategien getroffen

Bis 2018 hatte Twitter noch nie Gewinn gemacht – 12 Jahre nach Gründung! Dann erstmals „bescheidene“ 91 Mio. US-Dollar Gewinn 2018 (Quelle Tagesspiegel). Twitter dümpelte jahrelang vor sich hin und niemand wusste so recht was mit dem Mikroblog anzufangen:

  • 2012 Aufkauf von Vine (2017 eingestellt);
  • 2015 Aufkauf von Periscope (aktuell ziemlich unscheinbar)
  • 2016 fast Aufkauf durch Disney (Quelle Business Insider)

Twitter war da, aber keine wollte so richtig was damit zu tun haben.

Twitter hat kaum Nutzer

Laut unserer eigenen Daten im Social Media Universum hat Twitter nur knapp 1,8 Mio. Nutzer. Laut ARD-ZDF-Onlinestudie 2018 nutzen nur 4% wöchentlich bzw. 2,5 Mio. bei 63,3 Mio. Internet-Nutzern in Deutschland (Quelle).

Das ist wenig. International sieht die Lage anders aus:

Im letzten Jahr hatte Twitter Probleme mit den Nutzern. Viele sprangen ab oder kehrten der Plattform anders den Rücken. Das hatte verschiedene Gründe. Twitter hat es im ersten Quartal 2019 geschafft und den Trend gestoppt und sogar rückgängig gemacht. Doch wie? Welche Gründe gab es?

Twitter ist kompliziert

Die Registrierung ist eigentlich sehr simpel, aber alltägliche Nutzung und v.a. Konversation ist sehr kompliziert.

Beispiel: Im Februar 2019 gab es ein Tweet-Interview zwischen CEO Jack Dorsey und Kara Swisher von Recode, einem Podcastformat von Vox.com.

Kara musste irgendwann abbrechen und sich neu sortieren

jack 🌍🌏🌎 on Twitter

@karaswisher @finkd @waltmossberg Ok. Definitely not easy to follow the conversation. Exactly why we are doing this. Fixing stuff like this will help I believe. #Karajack

Sie schloss das Interview dann mit der Bitte um Wiederholung als Podcast, weil die Erfahrung bei Twitter keine gute war:

jack 🌍🌏🌎 on Twitter

@karaswisher This thread was hard. But we got to learn a ton to fix it. Need to make this feel a lot more cohesive and easier to follow. Was extremely challenging. Thank you for trying it with me. Know it wasn’t easy. Will consider different formats! #Karajack

Das Interview hatte Jack Dorsey wohl zum Nachdenken gebracht und einige Änderungen bei Twitter bewirkt.

Was hat Twitter getan für seine Renaissance?

Grund #1: Stärker auf Kernkompetenz konzentriert

Was ist Twitter im Kern? Im Social Media Universum beschreiben wir es so:

“Twitterer reden viel, aber sortieren heute häufiger ihre Gedanken in Threads. Sie lieben tiefsinnige, humorvolle und bissige Kommentare. Sie sind gut vernetzt in Politik, Presse und Publizistik; markenaffin und sind einflussreich.”

Nutzer diskutieren gern, also hat Twitter Threads gestärkt, hier am Beispiel:

Christian Allner, M.A. | Schrift-Architekt.de on Twitter

Was ist gutes Präsentieren? Wenn diese Sache fehlt, kick Prezi, Keynote & Co. in die Tonne! https://t.co/0D7nWib9CD (Thread)

Was sind Threads? Dzu ließen wir zitatweise unsere Kollegen vom Deutschlandfunk in ihrem Format Breitband zu Wort kommen. Unsere Definition:

Ein Twitter-Thread ist eine Reihung angeordneter Argumente. Es startet mit einem Tweet, in dem eine Ausgangsthese formuliert wird. Danach wird ein Thread-Hinweis gesetzt und auf den eigenen Beitrag geantwortet. Jeder folgende Tweet enthält dann ein Argument.

Grund #2: Big in Japan: Dort, wo Twitter funktioniert

Ein Land, in dem Twitter hervorragend funktioniert, ist Japan:

Gestartet 2011 für private Notfall-Kommunikation nach Tsunami und Fukushima-Reaktor-Katastrophe ist Twitter heute allgegenwärtiger Bestandteil der japanischen Gesellschaft

  • Japanische Unternehmen erstellen Twitter-Accounts häufig noch vor den Websites,
  • Schüler chatten mit Freunden oder abonnieren Künstler und Bands
  • Anime-Fans posten ihre Twitter-Handles als QR-Code, um diese bei Conventions oder Events auszutauschen
  • buddhistische Mönche posten Videos
  • usw.

Yu Sasamoto, Twitters Japan-Chef, meinte in einem Bloomberg-Interview:

“We came into the market at the right time. Twitter started as a lifeline and morphed into the culture.” (Quelle Bloomberg)

Twitter kam zur richtigen Zeit, startete als Rettungsleine und wandelte sich zu einem Teil der Kultur.

Mit Stand 2019 ist Japan der zweitgrößte Markt nach den USA. Twitter ist hier größer als Facebook oder Instagram und ähnlich populär wie LINE (siehe Onlinegeister Nr. 4: Messenger).

Japanische Nutzer haben häufig mehrere Accounts, mit denen sie (so Kayvon Beykpour, Twitters Produktchef) verschiedene Aspekte ihrer Persönlichkeit ausdrücken möchten. So könnte eine Person einen Account fürs Berufsleben, einen für Musik und einen für Sport haben.

Quellen und Links

  • https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zwoelf-jahre-nach-gruendung-twitter-schreibt-erstmals-schwarze-zahlen/20942050.html
  • https://www.businessinsider.de/disney-confirms-it-looked-at-buying-twitter-last-year-2017-10
  • https://www.deutschlandfunkkultur.de/twitter-threads-achtung-ich-mach-mal-ne-ansage.1264.de.html?dram:article_id=447304
  • http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2018/0918_Frees_Koch.pdf
  • https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-05-16/how-twitter-became-ubiquitous-in-japan

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Update: Wir haben die Postbank-Studie ergänzt.

Seit einigen Jahren sind Smart Speaker und damit intelligente Sprachassistenten immer verbreiteter geworden. Warum haben Sprachassistenten meist weibliche Stimmen? Wer benutzt sie und wohin entwickelt sich alles? Was bedeutet das überhaupt für uns und fürs Marketing?

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72 Prozent sind der Meinung online manipuliert zu werden: Einsteigerguide | Podcast

In Zeiten, in denen “Fake News” in aller Munde sind, möchten wir darüber sprechen wie es möglich ist, dass wir so einfach im Internet manipuliert werden können. Zudem erklären wir, was genau Filterblasen sind und wie Framing und STT funktionieren. Und – was zum Nachdenken – sind wir im Grunde nicht alle jeden Tag aufs Neue manipulativ?

Online: Manipulation im Internet?

Filterblasen

Wir stellen die These auf, dass Filterblasen durch Algorithmen einseitig Interessen verstärken sollen. Bedeutet, wenn wir uns im Internet mit einem bestimmten Thema beschäftigen, bekommen wir eben zu diesem – oder ähnlich gearteten Themen – weitere Vorschläge. Dies kann durchaus radikalisieren.

Sehr einfach lässt sich dies zum Beispiel bei YouTube nachvollziehen, durch die Art der angezeigten Videovorschläge. Passend dazu die Duden-Definition von Filterblase:

“Eine selektive Informationsauswahl auf Webseiten durch Berücksichtigung des Nutzerverhaltens, -standorts o. Ä.”

Der Begriff selbst basiert auf dem Buch “the filter bubble. What the internet is hiding from you” von Eli Pariser, welches 2012 bei Penguin Press erschienen ist.

Der Duden verknüpft damit auch das Wort “Echokammer”, welches für überwiegenden oder ausschließlichen Kontakt mit Gleichgesinnten  – vorrangig  in sozialen Netzwerken – steht. An und für sich ist es aber keine Folge der Digitalisierung, dass wir uns manchmal bewusst für den “Weg des geringsten Widerstandes“ entscheiden und bevorzugterweise in einem homogenen Umfeld bewegen.

Beide Begriffe sind viel diskutiert, deswegen möchten wir euch gerne auf ein paar Quellen verweisen, falls ihr tiefer in das Thema eintauchen möchtet:

Digitale Demenz

Durch die einfache Möglichkeit an Informationen mittels des Internets zu gelangen, verschlechtert sich auch unser Gedächtnis. Dadurch nehmen wir auch sehr viel mehr Falschmeldungen auf und sind empfänglicher für gezielte Manipulation.

Bereits in unserer  Folge Nr. 27 haben wir uns mit dem Thema „Digitale Demenz“ im Detail auseinandergesetzt, hört gerne rein für weitere Details!

Manipulation DURCH das Internet?

Vorbild Instagram? Selbstbild, Identität und was ich eigentlich wert bin …

Studienergebnisse des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk zeigen, dass auf Instagram insbesondere jene Frauen erfolgreich sind, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen.

Untersucht wurden dazu unter anderem 300 Posts von erfolgreichen Influencerinnen auf wiederkehrende Muster hin. „Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty“.

Diese Studie wurde von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth in Auftrag gegeben. Besonders ein Zitat einer YouTuberin möchten wir herausheben:

„Eine starke eigene Meinung schmälert deinen finanziellen Wert.“

Wir halten das für äußerst bedauerlich in der heutigen Zeit, aber leider sehr bezeichnend – vor allem für Instagram?

Der Circle?

Wer diesen Spielfilm mit Emma Watson noch nicht kennt, dem geben wir ihn gerne als Filmtipp  (alternativ auch als Buchtipp) mit auf den Weg.

Für uns ist er vor allen Dingen in Zusammenhang mit einer Studie, die kürzlich bei Heise veröffentlicht wurde, erwähnenswert. Die Studie beschäftigt sich mit dem sogenannten “Social-Scoring-System”, welches in China bereits angewandt wird. Zu vergleichen am Ehesten mit unserem Verfahren zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit. In diesem System wird – kurz gesagt – gutes Verhalten belohnt und schlechtes Verhalten bestraft. Interessant ist, dass jeder 6. Deutsche dieses System als Vorbild betrachtet.

Auch der Film behandelt dieses Thema in einer etwas abgeschwächten Form. Emma Watson gerät im Zuge ihres Jobs immer tiefer in den Strudel des “Circle” und wird am Ende 24 h von einer Live-Cam begleitet.

Der Film und das behandelte Thema ist – allem voran – beeindruckend, weil vieles davon bereits Teil unseres Alltags ist.

Framing, STT & Co.: Einsteiger-Guide der Manipulation

Framing

Framing findet tagtäglich im Internet statt und ist ein beliebtes Mittel zur Manipulation. Teilweise bewusst, teilweise unbewusst bestimmen wir anhand der Informationen die wir teilen, sowie in der Art und Weise wie wir sie mitteilen (welche Worte oder Metaphern verwendet werden), wie andere über das Thema denken.

Einige der bekanntesten Beispiele sind u.a. von den rechtskonvervativen Parteien wie AfD, CDU oder CSU verwendeten Begriffe wie “Asyltourismus” und “Flüchtlingswelle”. Diese zeichnen sofort ein negatives Bild in unseren Köpfen.

Framing ist gerade in der Politik von jeher ein äußerst beliebtes Mittel. Seien es bekannte Nazi-Begriffe, welche verharmlosend klingen wie „Endlösung“ (Massentötung ganzer Volksgruppen wie Juden, Sinti, Roma oder von Minderheiten wie Homosexuellen), verschleiern sollen wie der Begriff „Nationalsozialisten“ (womit die NSDAP v.a. linksorientierte Arbeiter ansprechen wolle, denn man sei ja selbst auch Sozialist, nur eben national orientiert) oder bewusst ausgrenzend wie „Volkskörper“ (die Bevölkerung als einheitlicher Organismus).

Framing-Manual der ARD

Es gab ein Gutachten bei der ARD, in dem – um das Image der Rundfunkgebühren zu verbessern – dazu aufgefordert wurde, auch entsprechende Begrifflichkeiten wie “Unterstützung für den freien Rundfunk” zu verwenden.

WDR-Direktor Jörg Schönenborn bezeichnete im Dezember 2012 den Rundfunkbeitrag als „Demokratie-Abgabe“ und löste damit bundesweit eine heftige Debatte aus.

Die Berichterstattung in Finnland über das bedingungslose Grundeinkommen hat – um dies negativ darzustellen – als Schlagzeile “Das Bedingungslose Grundeinkommen schafft keine Jobs”. Bewusst wird die andere Seite der Medaille außer acht gelassen.

Startup Framing bei Apple, Google & Co.

Auch das bekannte Unternehmen Apple hat hier mitgewirkt. Ein bereits 2012 geleaktes „Genius Training Student Workbook“ geht sehr deutlich auf den Wortschatz ein, welche Mitarbeiter in Apple Stores (die sog. Mac Geniuses) mitbringen sollten:

Apple-Geräte laufen beispielsweise niemals „heiß“, sie werden nur „warm“. Geräte haben auch keinen „Bug“ bzw. Fehler, sondern es tritt eine „Situation“ ein.

Unterhaltsam und faktisch auch korrekt aufbereitet wurde dies vom funk-Satiriker Walulis in diesem Video:

Apple Stores: So machen sie dich arm | WALULIS

Wie eine wohlhabende Werkstatt machen sie in teuren Reparaturen – Apple Läden. Die Stores kennen wir alle noch von den langen Schlangen, die sich immer davor gebildet haben, als Apple noch hype war. Heute kann man da einfach so reingehen und ganz viel Geld da lassen. Was für eine Verbesserung!

Ähnlich verhält es sich mit anderen Startups und dem Vokabular ebenfalls. So gibt es bei Google, Facebook & Co. kein Betriebsgelände, sondern in der Regel einen „Campus“. Es gibt auch keine Mitarbeiter-Kantine, sondern eine „Mensa“.

Dies soll v.a. positive Assoziationen der Mitarbeiter zu vergangenen Uni-Zeiten wecken, welche diese dann mit dem aktuellen Arbeitgeber gleichsetzen sollen.

Spontaneous Trait Inference & Transference (STI & STT)

  • STI: Beobachtetes Verhalten führt zu Annahmen über eine andere Person
  • STT: Wir übernehmen Eigenschaften oder Ansichten anderer, beispielsweise in Gesprächen oder aufgrund Aussagen die wir hören

In Psychology Today gab es dazu eine interessante Veröffentlichung: “The way you describe others is the way people see you”.

Manipulation in den sozialen Netzwerken

Die 2014 veröffentlichte Studie „Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social networks von Adam D. I. Kramer, Jamie E. Guillory und Jeffrey T. Hancock , beschäftigt sich mit der sogenannten “Gefühlsansteckung”. Dies bedeutet nichts anderes, als dass sich unsere Stimmung alleine mittels der Sprache übertragen kann.  nicht Gefühle übertragen sich also nicht nur  Face to Face, sondern auch Face to Facebook.

Insgesamt 689.003 Teilnehmer nahmen unfreiwillig an der Studie teil: Auch ihr könntet, sofern ihr Anfang 2012 bereits auf Facebook aktiv wart, ohne es zu ahnen Teil dieser Studie gewesen sein. Nach Bekanntwerden dieser Tatsache, war der Aufschrei natürlich groß.

In der Common Sense Media-Studie vom Oktober 2018 wurden US-Teenager dazu befragt, ob Social Media sie positiv oder negativ beeinflusst. Der Großteil hat einen positiven Effekt angegeben. Allerdings ist interessant, dass 72 % – das sind 3 von 4 (!) – glauben, online manipuliert zu werden.

Common Sense Media Studie 2018

Wann beginnt der Verfolgungswahn?

Wie weit geht wirkliche Manipulation und wann beginnt die Verschwörungstheorie? In welcher Häufigkeit war Manipulation schon immer da und wie oft wird bewusst manipuliert? Ist jede Form der Kommunikation nicht bereits Manipulation?

Diskutiert darüber, hinterlasst einen Kommentar und teilt eure Gedanken dazu  mit uns!

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Marketing bei Game of Thrones ⚔️| Podcast

Die Ausnahme-Serie Game of Thrones konnte nicht nur – entgegen den allgemeinen Trend –  ihre Zuschauerzahl von Staffel zu Staffel vervielfachen, sondern schaffte es auch, trotz teilweise weniger gelungener Staffeln, ihre Zuschauer bei der Stange zu halten. Grund genug für uns, um der Sache auf den Grund zu gehen und uns mit dem Marketing und Social Media-Management der Serie näher zu beschäftigen. Weiterlesen

“Brexit” 🇬🇧 | Podcast

Der Brexit schlägt schon seit einiger Zeit hohe Wellen und ist allerorts Thema. Auch wenn uns dieser in unserem Alltag bis dato kaum betrifft, ist es schade, wenn ein Staatenbund zu bröckeln beginnt. Warum wir den Brexit behandeln? Ganz einfach, auch bei den Themen Digitalisierung, DSGVO etc. spielt der Brexit wesentliche Rolle.

Brexit im Internet: 36 Prozent für „Remain“?

Wie man anhand der nachfolgenden Grafik erkennen kann, sind die Meinungen der Twitter-Nutzer durchaus ziemlich ausgeglichen.

Demnach sind 36,9 Prozent der in der berücksichtigten Twitter-Nutzer für einen Verbleib Großbritanniens. 24,9 Prozent sind neutral in der Frage und 33,66 Prozent wollten die EU verlassen. Somit hätten bei Twitter die sog. Remainer eine knappe Mehrheit gehabt.

Fakt ist aber, dass wenn es nach den Twitter-Nutzern ginge, es keinen Brexit gäbe. Dies mag damit zusammenhängen, dass Social Media-Nutzer meist jünger sind und sich auch mit Auslandsthemen mehr beschäftigen.

Ermittelt und veröffentlicht wurden die Zahlen im Zuge eines öffentlich geförderten wissenschaftlichen Projektes auf EUengage:

 

Was bisher geschah …

23.06.2016 – Großbritannien stimmt mit 51,9 % dafür, die Europäische Union zu verlassen. Die zu der Zeit federführenden Personen David Cameron und Nigel Farage haben die Segel gestrichen und der aktuellen Premierministerin Theresa May wurde die Aufgabe zuteil, das Land aus der EU zu führen.

Eine amüsante Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse gibt es auch als Meme zum Brexit:

Der Brexit als Meme

Wie sich der erste Austritt seit der Gründung des Staatenbundes nun entwickeln wird – ob es zu einem harten oder weichen Brexit kommt – lässt sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht absehen.

Meinungen zum Brexit

Für diesen Beitrag durften wir Dieter Janecek MdB (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) interviewen, einleiten möchten wir das Thema jedoch mit der Meinung von Roger McNamee zum Thema Brexit und seine Auswirkungen auf das Internet.

Roger McNamee zum Brexit

McNamee ist ein US-amerikanischer Geschäftsmann, Investor, Risikokapitalgeber und Musiker. Zudem ist er Gründungspartner der Risikokapitalfirma Elevation Partners und vor dessen Gründung, gründete er die Private-Equity-Firma Silver Lake Partners. Als eingefleischter Geschäftsmann sieht er die Problematik hauptsächlich bei den unterschiedlichen Ansichten Europas und der USA hinsichtlich Privatsphäre. Mit den europäischen Gesetzen hätten zum Beispiel Firmen wie Google weit weniger Chancen.

Interview mit Dieter Janecek

Kurz zur Person – Dieter Janecek ist deutscher Politiker (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Mitglied des deutschen Bundestages. Ebenso ist er Obmann im Ausschuss Digitale Agenda, Sprecher für Digitalwirtschaft und Digitale Transformation, sowie Mitglied in der Enquete-Kommission “Künstliche Intelligenz”.

Im Interview – welches im Podcast angehört werden kann – werden unter anderem folgende Fragen geklärt:

  • Welche Agenda verfolgt der Bund im Umgang mit dem “britischen” Internet?
  • Jedes 7. dt. Unternehmen Daten in UK verarbeiten: Mit welchem Schaden lässt sich bei einem No-Deal-Brexit für die Digitalwirtschaft rechnen?
  • Wie wirkt sich der Brexit auf die aktuelle Debatte um Upload-Filter etc. aus?
  • Welche Einschränkungen werden deutsche Bürger hinnehmen müssen, wenn der Brexit final kommt?
  • Gibt es, auch Argumente, die für einen harten Brexit sprechen?
  • Kann man es den Briten verdenken, dass sie rauswollen? Im Hinblick auf Artikel 13 und Uploadfilter … bezugnehmend auch auf den Tweet von Twitteruser McCouman

Nutzer und Anbieter im Internet: Was passiert beim Brexit?

Unterschied Nutzer und Anbieter im Netz

Generell muss unterschieden werden zwische Nutzer und Anbieter. “Normale” Internetnutzer haben wenig zu befürchten. Man ist jedoch gut beraten, in der nächsten Zeit bei Onlineshops, die man nutzt, einen Blick ins Impressum zu werfen und den Sitz des Unternehmens zu prüfen, um etwaige Schwierigkeiten beim Einkauf zu vermeiden..

Anbieter jedoch müssen mehr aufpassen und sollten vorab dringend prüfen, ob auch Dienste von britischen Firmen genutzt werden, wie beispielsweise das GDPR Cookie Consent Plugin oder Ähnliches. Bei einem No-Deal-Brexit könnte es nämlich passieren, dass dieses WordPress-Plugin plötzlich illegal ist.

Von der IHK (Industrie- und Handelskammer) wurde zu diesem Zweck eine Checkliste herausgegeben, die das angeführte Szenario bestätigt, sowie das Thema Datenaustausch konkretisiert – auch hinsichtlich Artikel 44 DSGVO.

Mehr zum Thema in der aktuellen #Onlinegeister-Ausgabe – unserem Radio-Podcast!

Facebook-Interaktionen: Absturz um 56 % in den letzten zwei Jahren

So gut wie alle sozialen Netzwerke finanzieren sich durch die Einblendung von Werbeanzeigen. So auch das weltgrößte Netzwerk Facebook. Im letzten Jahr sollte ein Update gegen Fake News vorgehen: Was ist daraus geworden? Christian Allner, M.A.Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs darin, besser zu kommunizieren und…

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Digitalisierung: Sicht auf Sex, Beziehung & Co.? | Podcast

Die fortschreitende Digitalisierung hat viele Bereiche des täglichen Lebens grundlegend verändert. Auch in Sachen Liebe ist nichts mehr so, wie es noch vor 15 oder 20 Jahren war. Wie sich unsere Sicht auf Sexualität und Beziehungen verändert hat, ergründen wir in diesem Beitrag.

Sex und Erotik sind in der westlichen Welt längst allgegenwärtiger

Im Jahr 2012 gab das Top-Model Laetitia Casta ein vielbeachtetes Interview. Die damals 33-jährige Französin monierte darin, dass Sex in der westlichen Gesellschaft allgegenwärtig sei. Für sie selbst habe Erotik weniger mit Nacktheit zu tun. Diese Aussage ist umso interessanter, als das Top-Model selbst jahrelang mit äußerst freizügigen Auftritten für Schlagzeilen sorgte. So erschien sie im Jahr 2010 zur Verleihung des Filmpreises „Cesar“ in einem nahezu transparenten Kleid.

Die permanente Gegenwart von sexualisierten Darstellungen hat dazu geführt, dass immer schwerere Geschütze aufgefahren werden müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn in den 1960er-Jahren eine bekannte Schauspielerin wie Brigitte Bardot ein wenig Busen zeigte, stand die Weltöffentlichkeit Kopf. Heute lösen solche Bilder nicht mehr als ein Achselzucken aus. Selbst Weltstars wie Lady Gaga müssen heute alle Register ziehen, um beachtet zu werden. Pornofilme werden inzwischen wie Kinofilme rezensiert, und manche Sex-Blogs haben mehr Leser als große Newsportale. Kurz gesagt: Wer beachtet werden will, muss sich etwas einfallen lassen. So entstehen immer neue Tabubrüche, was zwangsläufig dazu führt, dass die Grenzen des guten Geschmacks ein ums andere Mal überschritten werden.

In Stimmung zu kommen wird immer schwieriger

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts genügte ein entblößtes Frauenknie, um einen Mann zu erregen. In den 50er- und 60er-Jahren waren Oben-ohne-Fotos das höchste der Gefühle. Mit dem Aufkommen von Pornos für den Heimgebrauch änderte sich die Situation ein wenig: Wer sich mit bewegten Bildern in Stimmung bringen wollte, musste dazu nicht mehr den Weg ins Bahnhofsviertel antreten. An eine flächendeckende Verfügbarkeit von pornografischen Bildern und Videos war in den 80er- und 90er-Jahren jedoch nicht zu denken, da die dafür benötigte Technologie nicht zur Verfügung stand.

Seitdem es schnelle Internetverbindungen gibt, hat sich unsere Einstellung zu pornografischen Inhalten vollkommen gewandelt. Der sexuelle Akt ist in der heutigen Zeit nichts Besonderes mehr – ein paar Klicks, und schon hat man Dutzende von Video-Empfehlungen auf dem Schirm. Abgedeckt werden nahezu alle sexuellen Vorlieben und Spielarten, sodass praktisch jeder Internetnutzer auf seine Kosten kommt. Zudem sind die meisten Internet-Angebote gratis – kostenpflichtig sind in der Regel nur Premium-Accounts, die dem Nutzer Zugang zu hochauflösenden Videos und Bonusmaterial verschaffen.

Die ständige Überflutung mit sexuellen Reizen hat in den letzten Jahren derart zugenommen, dass es immer schwieriger wird, Männer in Stimmung zu bringen. Glaubt man den Erzählungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, schauen sich männliche Internetnutzer schon vor Unterrichtsbeginn die ersten Pornos und Sexbilder an. Dies schließt auch 3D-Pornos mit animierten Avataren ein, die sich einer immer größeren Anhängerschaft erfreuen. In Japan soll es bereits Männer geben, die sich nur noch von 3D-Avataren angezogen fühlen und kein Interesse mehr an realen Frauen haben.

Doch auch die Partnerfindung, Dating und Beziehung haben sich durch die Digitalisierung verändert. Der u.a. von der Zeitschrift The Atlantic geförderte Kurzfilm xoxosms zeigt das sehr eindeutig:

Warum die Digitalisierung eine neue sexuelle Revolution sein könnte

Die durch die 68er geschaffenen gesellschaftlichen Veränderungen gingen mit einer sexuellen Befreiung einher, die von Historikern gerne als die größte Umwälzung der zurückliegenden Jahrzehnte bezeichnet wird. Tatsächlich aber haben uns das Internet und die Digitalisierung eine viel größere Sex-Revolution beschert. Im Unterschied zu den 68ern, die ihr Wissen vor allem aus esoterischen Büchern sowie aus eigenen Erfahrungen bezogen, können wir heute nahezu alles, was es über Sex zu wissen gibt, im Internet finden. Dieses gewaltige Informationsangebot ist die vielleicht bedeutendste sexuelle Revolution aller Zeiten – viel revolutionärer als das, was die weltweite Studentenbewegung bewirkte.

Wie schon in den 60er-Jahren stoßen die Veränderungen, die die durch das Internet ausgelöste Informationsflut mit sich bringt, nicht überall auf Gegenliebe. Schon vor Jahren sprachen die Kommentatoren der Leitmedien von einer Jugend, die „oversexed“ sei. YouPorn, Tinder, After Sex Selfies – die neue Freizügigkeit hat das Alltagsverhalten der jüngeren Generation so stark verändert, dass man sie schon als „Generation Porno“ bezeichnet. Es lässt sich kaum abstreiten, dass Erotik und Sex längst zu einem festen Bestandteil der Mainstream-Erlebniskultur geworden sind. Diese „Pornografisierung“, so die Gegner der sexuellen Dauerberieselung, vergiftet unser Beziehungsleben und setzt gerade die Männer unter einen enormen sexuellen Druck.

Sex – Nr. 16 – #Onlinegeister

Podcast: Play in new window | Download | Embed Sex: Der liebste Sport des Menschen und das wohl älteste Gewerbe der Welt penetriert natürlich auch das Internet. Nach manchen Studien sollen 10 Prozent des Internets nur aus Pornografie bestehen. Doch wie funktioniert Sex online – das erklärt uns zur Abwechslung Tristan, der überraschend eifrig diese Ausgabe tiefgehend recherchiert hat.

Auf der anderen Seite hat die Dauerpräsenz von erotischen Inhalten den Umgang mit sexuellen Themen, die früher als Tabus galten, erheblich vereinfacht. Als Beispiel sei hier die SM-Trilogie „50 Shades Of Grey“ genannt, deren Verfilmung zum Kassenschlager avancierte. Die Verklemmtheit der Nachkriegsära ist einer sexuellen Offenheit gewichen, die sich quer durch alle Altersgruppen zieht. In Internetforen berichten User ungeniert von ihren sexuellen Abenteuern und sparen dabei kein Detail aus. Live-Übertragungen von Preisverleihungen der Sexfilmbranche sind regelrechte Blockbuster, die man sich gemeinschaftlich via Internet ansieht und kommentiert.

Entwicklung: Das echte Sexleben verkümmert

Die Alltagserfahrung zeigt, dass diejenigen, die gerne mit After-Sex-Selfies prahlen und freimütig vom letzten One-Night-Stand erzählen, mit ihrem Sexualleben besonders unzufrieden sind – zumindest einige von ihnen. Einer aktuellen Studie zufolge haben 48 Prozent der jungen Japaner keinen regulären Sex. Noch düsterer sieht es im Land der aufgehenden Sonne bei den jungen Frauen aus – hier sind 51 Prozent der Teilnehmerinnen sogar dann abstinent, wenn sie in einer festen Beziehung leben.

Vieles deutet darauf hin, dass die ständige Verfügbarkeit von sexuellen Inhalten einen hohen Preis hat, nämlich ein Absinken der Libido. Frauen und Männer, die nach 1990 geboren sind, haben in ihren Zwanzigern offenbar deutlich weniger Sex als ihre Eltern und Großeltern im gleichen Alter. Zu diesem Ergebnis kommt neben der oben erwähnten Studie auch ein Artikel der Fachzeitschrift „Archives of Sexual Behaviour“ aus dem Jahr 2017. Während junge Amerikaner 1989 noch 60-mal Sex hatten, so die Autoren, waren es 2014 nur noch 52-mal.

Spiel, Sex, Sucht: Wie Abhängigkeiten sich online manifestieren

Jeder kennt das Gefühl mal richtig Lust auf etwas zu haben, was man schon lange nicht mehr getan hat? Zum Beispiel ein Spiel spielen, ein Glas Wein trinken oder sich und seinen Partner mal wieder richtig verwöhnen? Was man dazu braucht, lässt sich leicht über das Internet besorgen.

Zu beachten ist, dass Sex nicht mit „sexuelle Betätigung“ verwechselt werden darf. Berichte von Sexualtherapeuten zeigen, dass immer mehr junge Männer Sex mit ihrer Partnerin vermeiden, aber eine ausgeprägte sexuelle Selbstbetätigung haben. Dabei lassen sie sich fast immer durch multimediale Internetpornografie stimulieren, von der die Partnerin normalerweise nichts weiß. Ohne Frage spielt dabei eine Rolle, dass eine Partnerin Aufmerksamkeit und Zuneigung erwartet. Wer sich mit Hilfe von Online-Pornos selbst befriedigt, hat es in dieser Hinsicht bedeutend einfacher: Der Bildschirm gibt dem Nutzer sexuelle Stimulation und stellt keine Forderungen.

Kuriose Auswüchse: Ausspionieren des Partners per Spy-App

Überwachung total? Eine wenig beachtete Auswirkung der digitalen Revolution unseres Sexuallebens ist die Verfügbarkeit von Apps, die es ermöglichen, den Partner zu überwachen. Sogenannte Spy-Apps können die gesamte mobile Kommunikation sowie sämtliche Mediendateien, die sich auf einem Smartphone befinden, auslesen. Eine der Kernfunktionen von professionellen Spy-Apps ist die Handyortung via GPS. Ist das Zielgerät eingeschaltet, kann es auf den Meter genau geortet werden. Bei Inaktivität wird der letzte bekannte Standort auf einer Karte angezeigt. Anhand der Logdaten lässt sich ein Bewegungsprofil erstellen, sodass der App-Nutzer die Wege der Zielperson nachverfolgen kann.

Ob es moralisch vertretbar ist, den Partner digital auszuspionieren, muss individuell entschieden werden. Rechtlich gesehen steht einer Überwachung nichts im Wege, solange sich das Zielgerät im Besitz des App-Nutzers befindet. Die meisten User von Spy-Apps sind Eltern, die die Internetaktivitäten ihrer Kinder im Auge behalten möchten. Es gibt jedoch auch Frauen und Männer, die Spionage-Apps dazu nutzen, ihre Partner zu observieren. Klar ist: Wenn die Entscheidung für eine Überwachung fällt, ist die Beziehung meist schon am Ende. Etwas anders sieht es aus, wenn sich im Zuge der Überwachung herausstellt, dass der Partner nicht fremdgeht: In diesem Fall hat die Beziehung durchaus noch eine Chance – allerdings nur, wenn die observierte Person nichts von der Überwachung erfährt.

Fremdgehen: Kein Volkssport trotz Digitalisierung

Das Internet bietet nahezu unbegrenzte Kontaktmöglichkeiten. Die Palette reicht von Partner-Portalen über Dating-Apps bis hin zu Plattformen, über die man im Handumdrehen Sexualkontakte finden kann. Trotzdem sind die meisten Menschen, die in einer festen Beziehung leben, ihrem Partner treu. Laut einer repräsentativen Befragung der Online-Vermittlung „Parship“ haben lediglich 25 Prozent der Männer ihre Partnerin schon einmal betrogen. Von den teilnehmenden Frauen sagten nur 13 Prozent, dass sie schon einmal untreu waren. Die Vermutung, dass die Digitalisierung das Fremdgehen fördert, bestätigt sich somit nicht.

Eine auf Statista veröffentlichte Umfrage offenbart, dass 51 Prozent der Deutschen es als Untreue ansehen, wenn der Partner sich auf einer Flirt- bzw. Dating-Webseite anmeldet. Eine längerfristige Affäre bezeichnen 88 Prozent der Befragten als eindeutiges Fremdgehen. Einmaliger Sex mit einem Anderen wird von gut zwei Drittel der Teilnehmer als Fehltritt angesehen, der nicht verziehen werden kann. Auch bei Bordell-Besuchen verstehen die Befragten keinen Spaß: 67 Prozent geben an, ihrem Partner einen solchen Fauxpas nicht verzeihen zu können.

Diese Zahlen machen eines deutlich: Der Seitensprung wird von den meisten sexuell aktiven Menschen nach wie vor als rote Linie betrachtet, die nicht überschritten werden darf. Das Anschauen von Pornos wird dagegen von gerade einmal 7 Prozent der Befragten als unverzeihliches Fremdgehen interpretiert. Es sieht so aus, als ob der uneingeschränkte Zugang zur Pornografie inzwischen eine gewisse Akzeptanz erreicht hat. Eines ist sicher: Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen – auch wenn sich dies viele Leute wünschen. Ob und wie die Gesellschaften des Westens die aufgezeigten Entwicklungen verkraften, wird die Zukunft zeigen.

📊 Social Media in Deutschland 2019 | Podcast

Social Media hat sich im Lauf der Jahre in Deutschland gewandelt: Vor zehn Jahren war studiVZ das heiße Ding, vor fünf Jahren konnte man über Facebook alles verkaufen und heute ist Social Media ein Werkzeug für Hassreden und Spaltung. Richtig? Wie ist der aktuelle Status Quo bei Social Media? Mit Zahlen, Daten und Fakten besprechen wir das im Podcast + Ausblick.

Social Media in Deutschland: Das sind die aktuellen Zahlen für 2019

2018 war kein gutes Jahr für Social. Facebooks unendliche Datenskandale haben zum schlechten Ruf ebenso beigetragen wie die ganzen Missdeutungen zur Datenschutz-Grundverordnung (mich könnt ihr übrigens hier als Datenschutzbeauftragten bestellen, auch für Checks). Wie wird 2019? Für den aktuellen Stand haben wir euch eine tolle Infografik bereitgestellt, die ihr hier findet oder über den Bildlink:

Und was sind nun GAFA und BAT?!

GAFA und BAT sind Abkürzungen für die wichtigsten Tech-Unternehmen in den USA bzw. China. GAFA steht hier für Google, Amazon, Facebook, Apple. Gelegentlich werden auch Tesla oder Microsoft ergänzt, so dass wir GAFAT oder GAFAM bekommen.

BAT steht für Baidu (Google-Äquivalent), Alibaba (Amazon-Konkurrent) und Tencent (Social-Media-Riese).

Wir erwarten, dass sich diese Konkurrenz auch in Zukunft fortsetzt und intensiviert. Allein Alibaba gehört bereits in Deutschland zu den Top 50 der beliebtesten Websites.

Erkenntnis: Social Media ist gekommen und bleibt – wandelt sich aber auch!

Facebooks Stern ist teilweise am Sinken, YouTube nutzt jeder (nur erstellen zu wenige Leute auch Videos), Google+ ist tot, Musical.ly wurde zu Tik Tok, Twitter hat ein Finanzierungsproblem, XING ist nur in Deutschland relevant …

All diese Beispiele sollen zeigen: Social Media ist da und bleibt da. Aber die Zeit der großen allumfassenden Plattformen ist vorbei. Spezialisierung, Zielgruppenbildung und das Einnisten in Nischen steht an.

Mehr zum Thema in der aktuellen #Onlinegeister-Ausgabe – unserem Radio-Podcast!

Podcast: Die heutige Jugend und das Internet

Im Oktober/November diesen Jahres sind zum Thema Jugend und ihre Internetnutzung, zwei Studien herausgekommen, über die wir unbedingt noch im gleichen Jahr berichten möchten. Was diese besagen und ob wir uns Sorgen machen müssen, erfahrt ihr im Beitrag.

Was sagen die Studien und was sagen Jugendliche selbst?

Das DIVSI (Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet) veröffentlichte die Studie 2018, mit dem Untertitel “Euphorie war gestern”. In dieser relativ umfangreichen Studie, dreht es sich generell um die Medien- und Internetnutzung von Jugendlichen.

Hier ganz wichtig, ist das Methodische vorgehen. Zum Beispiel die Frage “Was sind Jugendliche?”, ist lt. DIVSI folgendermaßen definiert:

  • 12-24-Jährige
  • in Deutschland lebend
  • jedes Geschlecht

Dies trifft auf ~8,67 Mio. Menschen zu (vgl. UNO Population Division 2015).

Die Studie besteht aus einem qualitativen und quantitativen Teil. In der quantitativen Repräsentativbefragung, wurden insgesamt 1.730 Jugendliche und junge Erwachsene befragt. 1.250 davon online und 480 davon persönlich. Eine tiefergehende Erklärung, liefert der nachfolgende grafische Überblick.

Was sind die Kernergebnisse?

Generell besagt die Studie, dass das Internet für heutige Jugendliche selbstverständlich geworden ist. Während 2014 noch zwei Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 24 offline waren, gibt es in dieser Altersgruppe heute keine Offliner mehr. 99 Prozent nutzen das Internet täglich, 2014 waren es noch 71 %. Auch die ARD-ZDF-Onlinestudie von 2017 und 2018, kommt auf ein ganz ähnliches Ergebnis.

Zudem sind 99,8 Prozent der in  Deutschland lebenden, zwischen 14 und 24 Jahre alten Personen, auch Smartphone-Besitzer. Insgesamt nur 7 Prozent steht heute kein mobiles Datenvolumen für die Internetnutzung zur Verfügung.

Sichtweise auf das Internet

Einen kleinen Auszug der aussagekräftigsten Statements, haben wir in nachfolgender Grafik zusammengefasst.

Internet-Milieus

Im Zuge der Studie wurden zudem die Internet-Milieus untersucht und die Ergebnisse denen aus 2014 gegenübergestellt. Betrachtet wurden Bildungsgrad, von niedrig bis hoch und die Grundorientierung, von traditionell bis postmodern.

Die Veränderung in diesem Zeitraum ist durchaus interessant. Zum Beispiel sind “die Vorsichtigen” und “die Verunsicherten” gänzlich weggefallen, “die Enthusiasten” – in großer Zahl – dafür dazugekommen.

Aus nachstehender Grafik können sämtliche Details herausgelesen werden.

Sicherheit

Beim Thema Sicherheit gibt es einige Punkte, die nicht nur auf die heutigen Jugendlichen zutreffen. Spam und der Befall mit Schadsoftware beispielsweise, kommen schon lange vor und betreffen alle Altersgruppen.

Was in den letzten Jahren jedoch hinzugekommen ist, sind sind Beleidigungen, Hate und Tracking.

Daraus resultiert vermutlich auch der Trend, sich immer mehr in geschlossene Gruppen – sogenannte Peergroups – zurückzuziehen und somit einen “geschützten Raum” zu schaffen und so zu kontrollieren, wen Informationen die ich teile, überhaupt erreichen.

Die Einstellung zum Sammeln und Verwerten privater Daten und personalisierter Werbung jedoch, ist durchaus ausgeglichen. Es gibt keine wirklichen Ausreißer, an denen man einen eindeutigen Trend festmachen kann.

Beim Thema Sicherheit der persönlichen Daten im Internet, wurde als Vergleichsjahr wieder das Jahr 2014 herangezogen. Die größten Veränderungen gab es bei der Angabe “Eher sicher” und “Völlig unsicher”. Dies lässt erkennen, dass Jugendliche im Vergleich zunehmend kritischer werden.

Geschlechterunterschiede

Bei der Risikowahrnehmung der Internetnutzung, gibt es einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Nutzern. Weibliche Internetnutzer sehen sich bereichsübergreifend generell einem größeren Risiko ausgesetzt. Dies mag teilweise an einer erhöhten Sensibilität für diese Themen liegen, dass aber zum Beispiel Diebstahl und Verbreitung von privaten und intimen Inhalten sowie Stalking eher Frauen betrifft, wurde auch durch den iCloud Leak von 2014 – auch The Fappening oder Celebgate genannt – ersichtlich.

Dazu passend, möchten wir eine Studie von Amnesty International verlinken. In dieser wurden Statistiken aufgestellt, wie oft es auf Twitter zu Beleidigungen, Hasskommentaren und Ähnlichem Frauen gegenüber kommt. Die Ergebnisse sind erschreckend. #ToxicTwitter

Pew-Research-Studie (USA)

Ergänzend zur DIVSI-Studie, möchten wir an dieser Stelle noch die Pew-Research-Studie (Pew ist ein bekanntes US-Institut) erwähnen. Hier ist zu beachten, dass die Studie sowie die daraus resultierenden Ergebnisse, nur für die USA gelten. Befragt wurden 1730 Jugendliche im Alter von 13 – 17 Jahren.

Die Kernergebnisse könnt ihr HIER abrufen.

Eine durchaus interessante Info die wir gerne herausheben möchten ist, dass die Jugendlichen generell positiv gegenüber Social Media eingestellt sind. Man ist zwar durchaus kritisch, die positiven Aspekte werden aber gegenüber den Negativen hervorgehoben.

An dieser Stelle möchten wir gerne an den Gartner Hype-Zyklus erinnern. Dieser stellt dar, welche Phasen bei der Einführung neuer Technologien durchlaufen werden. Angefangen bei überzogenen Erwartungen, gefolgt vom Tal der Enttäuschungen, gelangt man dann über den Pfad der Erleuchtung an den Punkt, an dem man effektiv damit arbeiten kann.

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Podcast: Discord auf Wachstumskurs + die Zukunft von Social Media?

Für die Gamer unter euch bedarf es vermutlich keiner detaillierten Erklärung, für alle anderen – die Discordapp bietet neben den Standardfunktionen eines Messengers noch einiges mehr – und bei uns erfahrt ihr was sie alles kann.

Was ist Discord?

Bei Discord handelt sich um ein kostenloses Programm für Instant Messaging, Chat und Sprachkonferenzen, das für Computer und Mobilgeräte entwickelt wurde, “um Gamer zusammenzubringen”. Der Dienst kann als Webanwendung im Browser oder mit proprietärer Client-Software auf allen gängigen Betriebssystemen genutzt werden. (Wikipedia)

Hier einige Eckdaten:

  • Entwickler: Hammer & Chisel
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Lizenz: proprietär
  • Betriebssystem: macOS, Windows, Android, iOS, Linux
  • Kategorie: IP-Telefonie, Instant Messaging, Peer-to-Peer, Videokonferenz
  • Geschrieben in: JavaScript, React, Elixir

Discord kann als Browseranwendung oder als App für Tablet oder Handy heruntergeladen werden.

In den letzten 3 Jahren hat sich die Anwendung von einer Alternative zu TeamSpeak, Ventrilo oder Skype entwickelt, zu einer neuen Form von Internet-Forum. Ganz ähnlich der Plattform Reddit.

Weil diese App über verschiedenste Funktionen wie VoiceChat, reguläre Chats, persönliche Chats, Freundesgruppen und große Fan-Server verfügt und zudem die Kombination von Chat und Forum viele Leute anspricht, ist Discord immer populärer geworden.

Wie hat sich Discord entwickelt?

Mit derzeit 180.000 Nutzern, wird der größte Server für Fortnite verwendet. Daran kann man schon erkennen, dass sich Discord auf Gamer/Gaming spezialisiert hat, auch wenn man die Anwendung – wie bereits erwähnt – vielseitig einsetzen kann.

Es gibt viele Fangemeinden die einen Discord-Server gegründet haben. Beispielsweise bietet Miracle of Sound seinen Unterstützern auf Patreon exklusiven Zugriff auf seinen Discord-Server. Generell hat sich zwischen diesen beiden Plattformen eine Art Symbiose entwickelt.

Auf einem Server können Unterkategorien – sogenannte Channels – angelegt werden, um einzelne Themenbereiche abzugrenzen. Dies funktioniert ähnlich wie bei Twitter mit Hashtags – beispielsweise #Musik etc.
Am ehesten kann dies verglichen werden mit geschlossenen WhatsApp-Gruppen, Channels bei Slack und allem voran IRC-ChatsAuch ein Vergleich zu Mastodon kann gezogen werden, wobei es sich hier – im Gegensatz zu Discord – um eine Open Source-Software handelt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es die Anwendung schon ein Instant Messenger ist, allerdings zusätzlich zu den Funktionen von beispielsweise WhatsApp oder Telegram, die Funktion eines Forums erfüllen kann.

Discord: Eine Zukunft von Social Media?

Da Discord mehr oder weniger ein “Best of” aus verschiedenen Anwendungen darstellt, ist es durchaus vorstellbar, dass diese Plattform eine Zukunft von Social Media darstellt.

Auch als Dokumentation für Unternehmen, Organisationen oder Gruppen ist Discord durchaus eine gute Alternative.

Discord sollte zukünftig nur darauf achten, sich selbst nicht im Weg zu stehen. Beispielsweise wurden die Nutzungsbedingungen in den letzten Wochen dahingehend erweitert, dass es Nutzern nicht möglich ist, im Fall des Falles mit einer Sammelklage gegen Discord anzutreten. Nach europäischem Recht wäre dies so auch nicht haltbar, nach amerikanischem Recht sehr wohl.

Hinweis von unserer Seite: Sollte man unternehmerisch auf solchen Plattformen unterwegs sein, ist man generell gut beraten, verstärkt darauf zu achten, dass alles rechtlich sicher ist, ansonsten kann es ganz schnell zu rechtlichen Problemen führen.

Was denken wir darüber?

Bei uns ist Discord hauptsächlich für die Kommunikation mit Gruppen oder als NewsFeed in Verwendung und neben Twitter eines der meist verwendeten Tools.

Auf jeden Fall möchten wir an dieser Stelle jedoch noch ein paar Open Source und Non-Commercial-Alternativen erwähnen. Neben Psi, Pidgin und Fire ist unser persönlicher Tipp MEGAchatHier handelt sich um einen klassischen Cloud-Anbieter, der parallel dazu eine Chat-Funktion anbietet. MEGA ist ein Unternehmen aus Neuseeland bietet seinen Nutzern eine gewaltige Verschlüsselung. Mittlerweile wurde unter Open-Source-Lizenz auch der Quelltext veröffentlicht, somit kann dies auch jederzeit nachgeprüft werden.

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