Erfolgsgeschichte Tinder: Synonym für digitales Dating?

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  • Tinder wurde im vergangenen Jahr umsatzstärkste App Google Play Store (Kategorie „Lifestyle“)
  • Auch in Deutschland ist die App populär: 2015 bereits 2 Mio. aktive Nutzer
  • Im ersten Quartal 2021 gibt es weltweit mehr als 6 Mio. zahlende Abonnenten bei Tinder

Jüngere Menschen und Heranwachsende lassen sich von den Möglichkeiten, die das Internet bietet besonders leicht beeinflussen. Im Gegensatz zu der vorherigen Generation wachsen sie damit auf und haben keine Vergleichsmöglichkeiten, wie es ohne diese Technologie war. Besonders in der jungen Generation der digital affinen Menschen avancierte der Markenname Tinder zum Synonym für Online-Dating. Wie geht also die Generation Y und Z mit Dating um?

Infografik: Abo-Modell – Zahlen für die Liebe

Tinder verdient sein Geld unter anderem durch ein Abo- bzw. Premium-Modell: Zahl eine monatliche Summe und du bekommst mehr Funktionen freigeschaltet. Und immer mehr Nutzer sind bereit zu zahlen:

Infografik Social Media Statistik zum Thema dating app tinder zahlende nutzer global

ZeitpunktZahlende Nutzer in Mio.
Q1 20206,03 Mio.
Q1 20194,73 Mio.
Q1 20183,47 Mio.
Q1 20171,86 Mio.
Durchschnittliche Anzahl zahlender Abonnenten weltweit von Tinder 2017-2020 laut Letter to Shareholders (Quartalsbrief an die Aktionäre der Match Group)

Erfolgsfaktoren bei Tinder

Doch was sind die Faktoren, die hinter diesem Aufstieg stehen? In diesem Artikel wollen wir einen Blick auf die wichtigsten Punkte werfen, die dabei eine Rolle spielen.

Klar definierte Zielgruppe

Tinders kommerzielle Zielgruppe sind laut eigenen Angaben Frauen und Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Im Gegensatz zu anderen Plattformen konnte Tinder seine Zielgruppe sehr klar definieren. Es ist die junge Generation, die zu großen Teilen aktiv in den sozialen Medien ist. Die Mehrzahl der Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland befindet sich derzeit in ihren Zwanzigern. Dies hat auch zur Folge, dass der Fokus des sozialen Austauschs vor allem unverbindliche Treffen sind. Es ist auch wie vor eine Minderheit der Nutzer, die tatsächlich den Wunsch nach einer langen und festen Beziehung hegt.

Der perfekte Swipe?

Ein wichtiger Beitrag zum Erfolg der App liegt auch in ihrem einfachen Prinzip begründet. Die angezeigten Fotos anderer Nutzerinnen und Nutzer werden einfach nur in die eine oder in die andere Richtung bewegt. Auf diese Weise bekommt die Auswahl einen sehr spielerischen Charakter. Erst dann, wenn beide Seiten ihre Zustimmung abgegeben haben, ist die direkte Aufnahme von Kontakt möglich.

Hinzu kommt, dass die App auf den Standort des Smartphones zugreift. Auf diese Weise können jene Personen angezeigt werden, die sich gerade in der unmittelbaren Nähe befinden. Selbst während eines Aufenthalts in einer fremden Stadt soll es auf diese Weise möglich sein, rasch auf Gleichgesinnte zu treffen.

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Wer vor Ort nicht sofort die ersehnten Matches findet, verfügt noch über weitere Alternativen. Dieser Escortservice Frankfurt bietet zum Beispiel die Möglichkeit, passende Treffen zu arrangieren. Auf diskrete Weise ist es dort möglich, einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Dass auch der typische Escort Service in den vergangenen Jahren ein deutliches Wachstum erfuhr, könnte als Wunsch nach einer neuen Art des Datings in der Gesellschaft aufgefasst werden. Dabei haben Interessenten die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Damen zu einem Date einzuladen. Dank unterschiedlicher Interessen und Philosophien können die eigenen Interessen dort sehr gut zum Ausdruck kommen.

Verabredungen dieser Art sind in der Regel auf eine kürzere Dauer von einem Abend ausgelegt. Andererseits besteht aber auch die Möglichkeit, sich für einen längeren Zeitraum zu verabreden. Wird daraus zum Beispiel ein ganzes Wochenende, sinken in der Folge dessen auch die Kosten pro Stunde. Die Flexibilität des Modells ist derweil noch ein gutes Stück höher als bei Tinder selbst. Passende Anbieter sind in diesen Tagen in jeder größeren deutschen Stadt zu finden.

Neue Marktanteile durch Tinder Social

Doch auch Tinder zeigt sich in diesen Tagen bereit, neue Wege zu gehen. Im Fokus soll nicht mehr nur die Vermittlung klassischer Dates stehen. Darüber hinaus möchte das Unternehmen eine aktive Rolle bei der Freizeitgestaltung mit Freunden einnehmen. Mit Tinder Social wurde nun ein neues Angebot eingeführt, das genau diesem Anspruch gerecht werden soll. Bislang fand die Kommunikation auf Tinder immer nur zwischen zwei Parteien statt. Dies ändert sich nun mit dem neuen Angebot, das erstmals auch die Kommunikation in Gruppen möglich macht.

Auf Tinder Social sollen die Nutzer die Chance bekommen, sich in kleinen Freundesgruppen online zu verabreden. Hier ist es das Ziel Tinders, als feste Alternative zu anderen Formend es digitalen Austauschs in Erscheinung zu treten. Der Mehrwert soll dadurch entstehen, dass die einzelnen Gruppen aus befreundeten Menschen wiederum untereinander Kontakt aufnehmen, und sich für bestimmte Aktivitäten verabreden können. Zum ersten Mal bewegt sich der Anbieter auf diese Weise aus seinem starren Korsett heraus.

Doch noch ein weiterer Effekt ist mit dem neuen Angebot von Tinder Social verbunden. Dieser liegt vor allem auf Seiten schüchterner Personen begründet. Diese haben durch die Funktion die Möglichkeit, ihnen vertraute Menschen zu den Treffen mitzunehmen, ohne auf diese Weise einen seltsamen Eindruck zu hinterlassen. Darüber hinaus zielt der Algorithmus darauf ab, möglichst viele Menschen mit ähnlichen Interessen miteinander in Verbindung zu setzen. Wer etwa für das Studium in eine neue Stadt zieht, hat auf diese Weise die Möglichkeit, schnell Anschluss zu finden.

Finanzielles Schwergewicht

1,2 Milliarden US-Dollar setzte die App im vergangenen Jahr um. Dabei ist der Dienst in der Basisversion sogar kostenlos erhältlich. Mit den Abo-Optionen Gold und Platinum haben die User jedoch die Möglichkeit, viele weitere Funktionen für sich freizuschalten. Der Wunsch, die Chancen auf das nächste heiße Date deutlich zu steigern, dürfte hier ausschlaggebend sein. Sogenannte Boosts und Super-Likes können außerdem ganz spontan erworben werden. Die Finanzierung der Plattform erscheint auf diese Weise mehr als gut gesichert.

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Höhepunkt im Jahr 2020

Ohne intensives Marketing betreiben zu müssen ist es Tinder in Deutschland gelungen, einen festen Stamm an Nutzern aufzubauen. Ein weiterer Schub des Wachstums lag in der Corona-Pandemie begründet. Der Stillstand des öffentlichen Lebens sorgte gerade unter den Singles der jüngeren Generation für erhebliche Einschränkungen. Selbst jene, die gegenüber dem digitalen Dating bis dato eher skeptisch eingestellt waren, entschlossen sich in der Folge für einen Versuch mit der App. Im Juli 2020 erreichte der Dienst zum ersten Mal die Marke von mehr als zwei Millionen aktiven Usern in Deutschland. Innerhalb von nur zwei Monaten fiel dieser Wert jedoch wieder deutlich ab. Dies könnte als Zeichen dafür interpretiert werden, dass es letztlich nicht jedem gelang, in der App die ersehnten Erfolge zu feiern.

Liebe im Krisenmodus: Corona, Dating und die Veränderung von Branchen

Online-Plattformen von Netflix, Disney+ über Zoom, Der Seminar bis Amazon, eBay oder Zalando verzeichnen seit Beginn der Coronakrise einen Boom im Wachstum. Corona beschleunigte selbst im Schach die Digitalisierung. Die weitgehenden Kontakt-, Reise- oder Ausgehbeschränkungen in vielen Ländern haben dazu geführt, dass sich das Leben stärker in digitale Räume verlagerte.

Wie könnte es mit den Erfolgen Tinders in den nächsten Jahren weitergehen? Das starke Wachstum von Umsatz und Gewinn lässt darauf schließen, dass die Erfolgsgeschichte des Anbieters noch längst nicht an ihr Ende gekommen ist. Auch hierzulande etablierte sich die App inzwischen fest. Dies zeigt sich zum Beispiel an den speziellen Tinder-Codes, die sich auf der Plattform etablierten. Die Nutzer kommunizieren mit bestimmten Kürzeln, wie sie für Außenstehende nur schwer zu verstehen sind. Diese Entwicklung ist Ausdruck der starken Prägung, wie sie die App nach wenigen Jahren in der Welt des Datings hinterlassen hat. Experten gehen davon aus, dass die Bedeutung ihren eigentlichen Höhepunkt noch gar nicht erreicht hat.

Analyse: Wie verbreitet sind Dating-Dienste in Deutschland?

Im Allgemeinen liegt Deutschland im DACH-Vergleich sehr hoch bei der Verwendung von Dating-Services. International liegen neben USA (15,4 %) und China (12 %) nur noch das Vereinigte Königreich höher bei der Nutzung von Dating-Services im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.

Während Facebook und andere Social-Media-Dienste schon beinahe altbacken wirken, sind es Instagram und Tinder, die einen sehr großen Einfluss auf junge Menschen ausüben. Ob dieser Einfluss, der auch schnell in einen sozialen Druck übergehen kann, positiv oder negativ zu werten ist, lassen wir mit Absicht außen vor. Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

Gefühle bei Instagram: Ansteckende Emotionalität im Social Web | Podcast

Interessant ist auch wie Instagram unser Verhalten auf Tinder beeinflusst. War Tinder zunächst der Trend, hat sich das längst geändert. Instagram ist nun die Plattform der Jugend.

Naivität im Umgang mit den Sozialen Medien

Auffällig ist, das Jugendliche und junge Menschen unter 30 Jahren relativ naiv im Umgang mit den Sozialen Medien sind. Sie leben schon teilweise in dieser virtuellen Welt und lassen sich dadurch deutlich beeinflussen. Regelmäßige Fotos sind für sie beinahe ein Muss. Dabei geht es vor allem um Optik und die Pose. Manche machen sogar gleich hunderte von Fotos, um eines davon für Instagram auswählen zu können. Auf Sicherheit und die eigenen Daten wird dabei oft nicht geachtet. Für Unternehmen ist es heute ein Leichtes, ein fast vollständiges Profil anhand eines Instagram-Accounts erstellen zu können. Aber auch Internet-Kriminelle sind erfreut. Sie kopieren die Fotos und nutzen sie für ihre eigenen Vorhaben.

Datenschutz und Intimsphäre sind Begriffe, die eigentlich nur noch als Wörter bekannt sind, deren Bedeutung hingegen schwindet. Das zeigt sich auch bei Tinder im Umgang mit Beziehungen. Liebe wird heute wesentlich anders definiert, als noch vor 10 Jahren. Jeder Partner, das zeigt Tinder, aber auch Instagram, ist beliebig austauschbar. Immerhin sind in den Sozialen Medien tausende von Alternativen mit einem Knopfdruck zu finden. So erkennen wir, das Beziehungen immer schnelllebiger werden. Geht die Partnerschaft zu Bruch, ist der neue Geliebte bereits nach wenigen Wochen, häufig sogar nach wenigen Tagen gefunden.

Tinder zum Daten?

Fotos entscheiden über Glück oder Unglück. Mit einem Bild auf Tinder gelangte man schnell zu einem meist sexuellen Date. Immer mehr Nutzer finden sich aber hierfür, denn laut Betreiber verzeichnete Tinder im ersten Quartal 2019 knapp 4,73 Millionen zahlende Kunden in Deutschland:

Instagram hat diese Funktion indirekt übernommen. Immerhin bietet diese Plattform viel mehr Möglichkeiten als Tinder und für immer mehr junge Menschen ist Insta daher zum besseren Tinder geworden.

Stilsichere Fotos, mit teilweise selbstironischen Unterschriften von überall auf der Welt. Das lässt sich vor allem bei jungen Frauen erkennen. Wie auf jeder Plattform, quellen deren Postfächer über. Meistens sind es männliche Bewunderer, die sich wesentlich mehr als nur ein paar nette Worte versprechen. (Ähnlich wie bei Facebook einst.) Nur scheint Instagram heute als Dating-Alternative wesentlich beliebter zu sein. Das spürt Tinder schon seit einer Weile. Auch die klassischen Dating-Portale haben mit dieser Konkurrenz zu kämpfen.

Immerhin ist Insta noch kostenlos. Bei einem Dating-Portal fallen hohe Kosten an.

Beiläufig und entspannt

Ein gravierender Unterschied ist zwischen Tinder und Insta aber vor allem im Dating-Bereich zu erkennen. Bei Tinder geht es sofort um das Eine. Bei Instagram hingegen wird angenehm, beinahe beiläufig mit einer großen Entspanntheit geflirtet.

Die Angst vor zu hohen Erwartungen und Ablehnungen, wie viele sie von Tinder kennen, sind auf der anderen Plattform nicht zu erkennen. Tinder ist eine Momentaufnahme, Insta bietet hingegen oft ein ganzes Leben.

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