Twitters Renaissance? | Podcast

Twitter hat in den letzten Jahren einige fragwürdige Strategien getroffen, hatte keine Nutzer und war zu kompliziert. Im Februar wurde das anders: Ein Interview hat Jack Dorsey sich wieder stärker auf die Kernkompetenzen von Twitter konzentrieren lassen. Neue Geheimwaffe: Threads.

Wieso braucht Twitter eine Renaissance?

Twitter steht aktuell wieder so gut dar wie lange nicht. Doch welche Entscheidungen haben Twitter zu einer Renaissance geholfen – und welche fragwürdigen Taktiken haben es erst nötig gemacht?

Twitter hat fragwürdige Strategien getroffen

Bis 2018 hatte Twitter noch nie Gewinn gemacht – 12 Jahre nach Gründung! Dann erstmals „bescheidene“ 91 Mio. US-Dollar Gewinn 2018 (Quelle Tagesspiegel). Twitter dümpelte jahrelang vor sich hin und niemand wusste so recht was mit dem Mikroblog anzufangen:

  • 2012 Aufkauf von Vine (2017 eingestellt);
  • 2015 Aufkauf von Periscope (aktuell ziemlich unscheinbar)
  • 2016 fast Aufkauf durch Disney (Quelle Business Insider)

Twitter war da, aber keine wollte so richtig was damit zu tun haben.

Twitter hat kaum Nutzer

Laut unserer eigenen Daten im Social Media Universum hat Twitter nur knapp 1,8 Mio. Nutzer. Laut ARD-ZDF-Onlinestudie 2018 nutzen nur 4% wöchentlich bzw. 2,5 Mio. bei 63,3 Mio. Internet-Nutzern in Deutschland (Quelle).

Das ist wenig. International sieht die Lage anders aus:

Im letzten Jahr hatte Twitter Probleme mit den Nutzern. Viele sprangen ab oder kehrten der Plattform anders den Rücken. Das hatte verschiedene Gründe. Twitter hat es im ersten Quartal 2019 geschafft und den Trend gestoppt und sogar rückgängig gemacht. Doch wie? Welche Gründe gab es?

Twitter ist kompliziert

Die Registrierung ist eigentlich sehr simpel, aber alltägliche Nutzung und v.a. Konversation ist sehr kompliziert.

Beispiel: Im Februar 2019 gab es ein Tweet-Interview zwischen CEO Jack Dorsey und Kara Swisher von Recode, einem Podcastformat von Vox.com.

Kara musste irgendwann abbrechen und sich neu sortieren

jack 🌍🌏🌎 on Twitter

@karaswisher @finkd @waltmossberg Ok. Definitely not easy to follow the conversation. Exactly why we are doing this. Fixing stuff like this will help I believe. #Karajack

Sie schloss das Interview dann mit der Bitte um Wiederholung als Podcast, weil die Erfahrung bei Twitter keine gute war:

jack 🌍🌏🌎 on Twitter

@karaswisher This thread was hard. But we got to learn a ton to fix it. Need to make this feel a lot more cohesive and easier to follow. Was extremely challenging. Thank you for trying it with me. Know it wasn’t easy. Will consider different formats! #Karajack

Das Interview hatte Jack Dorsey wohl zum Nachdenken gebracht und einige Änderungen bei Twitter bewirkt.

Was hat Twitter getan für seine Renaissance?

Grund #1: Stärker auf Kernkompetenz konzentriert

Was ist Twitter im Kern? Im Social Media Universum beschreiben wir es so:

“Twitterer reden viel, aber sortieren heute häufiger ihre Gedanken in Threads. Sie lieben tiefsinnige, humorvolle und bissige Kommentare. Sie sind gut vernetzt in Politik, Presse und Publizistik; markenaffin und sind einflussreich.”

Nutzer diskutieren gern, also hat Twitter Threads gestärkt, hier am Beispiel:

Christian Allner, M.A. | Schrift-Architekt.de on Twitter

Was ist gutes Präsentieren? Wenn diese Sache fehlt, kick Prezi, Keynote & Co. in die Tonne! https://t.co/0D7nWib9CD (Thread)

Was sind Threads? Dzu ließen wir zitatweise unsere Kollegen vom Deutschlandfunk in ihrem Format Breitband zu Wort kommen. Unsere Definition:

Ein Twitter-Thread ist eine Reihung angeordneter Argumente. Es startet mit einem Tweet, in dem eine Ausgangsthese formuliert wird. Danach wird ein Thread-Hinweis gesetzt und auf den eigenen Beitrag geantwortet. Jeder folgende Tweet enthält dann ein Argument.

Grund #2: Big in Japan: Dort, wo Twitter funktioniert

Ein Land, in dem Twitter hervorragend funktioniert, ist Japan:

Gestartet 2011 für private Notfall-Kommunikation nach Tsunami und Fukushima-Reaktor-Katastrophe ist Twitter heute allgegenwärtiger Bestandteil der japanischen Gesellschaft

  • Japanische Unternehmen erstellen Twitter-Accounts häufig noch vor den Websites,
  • Schüler chatten mit Freunden oder abonnieren Künstler und Bands
  • Anime-Fans posten ihre Twitter-Handles als QR-Code, um diese bei Conventions oder Events auszutauschen
  • buddhistische Mönche posten Videos
  • usw.

Yu Sasamoto, Twitters Japan-Chef, meinte in einem Bloomberg-Interview:

“We came into the market at the right time. Twitter started as a lifeline and morphed into the culture.” (Quelle Bloomberg)

Twitter kam zur richtigen Zeit, startete als Rettungsleine und wandelte sich zu einem Teil der Kultur.

Mit Stand 2019 ist Japan der zweitgrößte Markt nach den USA. Twitter ist hier größer als Facebook oder Instagram und ähnlich populär wie LINE (siehe Onlinegeister Nr. 4: Messenger).

Japanische Nutzer haben häufig mehrere Accounts, mit denen sie (so Kayvon Beykpour, Twitters Produktchef) verschiedene Aspekte ihrer Persönlichkeit ausdrücken möchten. So könnte eine Person einen Account fürs Berufsleben, einen für Musik und einen für Sport haben.

Quellen und Links

  • https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zwoelf-jahre-nach-gruendung-twitter-schreibt-erstmals-schwarze-zahlen/20942050.html
  • https://www.businessinsider.de/disney-confirms-it-looked-at-buying-twitter-last-year-2017-10
  • https://www.deutschlandfunkkultur.de/twitter-threads-achtung-ich-mach-mal-ne-ansage.1264.de.html?dram:article_id=447304
  • http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2018/0918_Frees_Koch.pdf
  • https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-05-16/how-twitter-became-ubiquitous-in-japan

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Update: Wir haben die Postbank-Studie ergänzt.

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#RezoVideo & Co.: Wie werden #Ibizagate oder „Die Zerstörung der CDU“ so populär? | Podcast

In den letzten Wochen haben immer wieder virale Videos den gesamten deutschsprachigen Raum durchdrungen: Letzte Woche war es #IbizaGate um die Bestechlichkeit und moralische Fragwürdigkeit des österreichischen Politikers Heinz-Christian Strache (FPÖ). Aktuell dreht sich alles um den YouTuber Rezo und sein Video, in dem er sich auf die CDU und deren Politik der letzten Jahrzehnte konzentriert.

Wie können solche Videos derart populär werden?

Neues Video: „Ein Statement von 80+ YouTubern“ – Rezo fokussiert ein konkretes Thema

Am 24. Mai 2019 kam ein neues Rezo-Video, welches schlicht „Ein Statement von 80+ YouTubern“ heißt:

Ein Statement von 80+ Youtubern

Hier ist der Text nochmal in schriftlicher Form. Ich hab es zeitlich nicht geschafft, noch mehr YouTuber zu fragen. Jeder Youtuber, der noch mit unterzeichnen möchte, kann sich gerne irgendwie melden. ________________________________ Dies ist ein offener Brief. Ein Statement. Von einem großen Teil der Youtuber-Szene.

In diesem Video, welches nur knapp 3 Minuten lang ist (das CDU-Zerstörung-Video war knapp 55 Minuten lang) wird eher emotional argumentiert und mit Fokus auf Umweltschutz und die dieses Wochenende anstehende Europawahl.

Im Video beginnt der YouTuber Rezo und wird dann von einer Diashow-artigen Aneinanderreihung von etwa 30 YouTubern unterstützt.

Die Auftretenden lesen sich wie ein Who’s Who der deutschen YouTube Szene: Zu Wort kommen unter anderem Julien Bam, Katja Krasavice, Unge, DagiBee und andere. Die offizielle Unterstützerliste lautet:

  1. Julien Bam,
  2. DagiBee,
  3. Vik,
  4. Emrah,
  5. Anni the Duck,
  6. Mirellativegal,
  7. Oğuz Yılmaz,
  8. Fynn Kliemann,
  9. Rezo,
  10. Tim Jacken,
  11. Toni Pirosa,
  12. DeChangeman,
  13. Rick (SpaceFrogs),
  14. Steven (SpaceFrogs),
  15. Aaron Troschke,
  16. Greeen,
  17. Katja Krasavice,
  18. Malwanne,
  19. Luca Concrafter,
  20. Unge,
  21. Jana Nell,
  22. Alexi Bexi,
  23. Alycia Marie,
  24. Diana zur Löwen,
  25. Marti Fischer,
  26. Jodie Calussi,
  27. Mii Mii,
  28. Julia Beautx,
  29. CrispyRob,
  30. Simon Will,
  31. Rewi,
  32. Taddl,
  33. Trymacs,
  34. Phil Laude,
  35. Izzi,
  36. Nia,
  37. Fräulein Chaos,
  38. Heider,
  39. Soja (SophieDoesRandomStuff),
  40. Gordon (Vegan ist ungesund),
  41. Aljosha (Vegan ist ungesund),
  42. Jonas (Simplicissimus),
  43. David (Simplicissimus),
  44. Tilo Jung,
  45. OpenMind,
  46. Kiko,
  47. Gong Bao,
  48. Sturmwaffel,
  49. Barbara Sofie,
  50. Hendrik Rettkowski,
  51. David Hain,
  52. Fabian Siegismund,
  53. Ambre Vallet,
  54. LeFloid,
  55. Naomi Jon, Klengan,
  56. Kayla Shyx,
  57. Luna F. Darko,
  58. dyzzy,
  59. Nhi,
  60. Marius (Angeschrien),
  61. Sonny Loops,
  62. Ischtar Isik,
  63. Jonas Ems,
  64. Paul (Ultralativ),
  65. Fynn (Ultralativ),
  66. Danergy,
  67. Lenny (Lennyficate),
  68. 2Bough,
  69. Domino Kati,
  70. Marie (Snukieful),
  71. EasyAlex,
  72. Kelly,
  73. GermanLetsPlay,
  74. Maxim Markov,
  75. Alexander Straub,
  76. Jolina Mennen,
  77. Firegoden,
  78. Keanusworld,
  79. Doktor Whatson,
  80. Silvi Rockstar,
  81. Vincent Lee,
  82. Krancrafter

#RezoVideo: „Die Zerstörung der CDU“

Falls jemand das Video noch nicht gesehen hat, hier die Einbettung:

Die Zerstörung der CDU.

Die Europawahl bzw EU-Wahl steht vor der Tür. Ob CDU, SPD oder AfD gute Parteien sind, die im Einklang mit Wissenschaft und Logik stehen, versuche ich in diesem Video zu beantworten. In jedem Fall: Geht wählen am nächsten Wochenende. Sonst entscheiden Rentner über eure Zukunft und geil ist das nicht.

Auf knapp 55 Minuten Länge äußert sich der YouTuber Rezo zur Politik der CDU in den letzten Jahrzehnten, auch zu aktuellen Entwicklungen in Klima-, Gesellschafts-, Umweltschutz- oder Außenpolitik.

Politik schadet nicht: Rezos Abozahlen gehen steil hoch

Dem YouTuber hat der Exkurs nicht geschadet, denn seine Abonnentenzahlen steigen deutlich an:

In den letzten zwei Wochen vor dem Video stiegen die Abozahlen des YouTubers täglich um einige tausend. Nach dem Erscheinen des Videos „Die Zerstörung der CDU“ stieg die Zahl der Abonnenten stetig an, z.T. um mehrere zehntausend am Tag. Die breite

Rezo hat die beiden Z beachtet und hält sich ans PESTO-Prinzip

Für den historischen Kontext: Rezo gehört zur Bam Crew, also den Kollegen und Mitarbeitern des ebenfalls bekannten YouTubers Julien Bam. Des Weiteren hatte sein Kanal bereits mehrere hunderttausend Abonnenten bevor sein CDU-Video online ging. Er startete also nicht bei Null.

Infografik SocialMediaStatistik.de zum Thema rezo youtube abonnenten

Über 600.000 Abonnenten hatte der YouTuber bereits. Das ging aber nach dem CDU-Video fast durch die Decke. Am 24. Mai lagen die Abonnenten bei fast 800.000 Nutzern. Wie hat der YouTuber das erreicht?

Er hat sich an die beiden Z gehalten:

Rezo spricht zielgruppengerecht

Er redet kurz und knackig und sehr verständlich und anschaulich. Am Beispiel Erderwärmung, wie CO2 in die Luft kommt, meint er:

„Das ist in der Erde drin. Wir buddeln das aus. Verbrennen das. Und so kommt der Shit in die Luft.“

Er bedient sich typischer Jugendsprachelemente, arbeitet auch häufig mit konversationellen Markern wie Betonung oder Ironie und verdeutlicht seine Aussagen durch kurze Wiederholungen und Zusammenfassungen:

„Das Problem ist also nicht, dass es CO2 gibt, sondern dass es mehr wird.“

Rezo spricht zielgerichtet

Sein Video hat eine deutliche  Agenda. Dazu ein  aktuelles Thema (Wahlen stehen an). Inzwischen gibt es sogar eine Change.org-Petition, die das Video in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bringen möchte.

Manche können sich über die Art und Weise im Video aufregen. Rezo geht die CDU und andere Parteien wie SPD und AfD zum Teil sehr persönlich an, aber das ist okay. Das Video will keine neutrale und objektive Dokumentation sein. Es ist die Abrechnung eines Menschen. Darin liegt das Ziel und dieses Ziel verfolgt der YouTuber.

PESTO-Prinzip eingehalten

Die ersten beiden Buchstaben des PESTO-Prinzips sagen, dass man Person und Ergebnis eines Vorhabens kennen sollte. Rezo hat seine Zielgruppe konkret angesprochen und sein Zielvorhaben ebenfalls sehr konkret erwähnt. Es ist sogar der Titel des Videos.

Was ist mit anderen viralen Hits wie #IbizaGate?

Das sogenannte Ibiza-Video zeigt den österreichischen Politiker Heinz-Christian Strache und seinem Kollegen Gudenus in einer Villa auf Ibiza, wie er sich mit anderen, russischsprachigen Menschen unterhält. Darin lässt Strache einige als bedenklich einzuschätzende Äußerungen erklingen. Eine ausführliche Analyse gibt es hier (Reaktionen bei Facebook finden sich u.a. hier):

Politik-Skandal in Österreich! Alle Infos | #IbizaAffäre

Österreichs Regierung löst sich auf – und der Grund dafür ist ein pikantes Video aus dem Jahr 2017, das jetzt aufgetaucht ist. Im Zentrum: Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der Partei FPÖ. Wer noch betroffen ist und was dahintersteckt, erfahrt ihr hier. Ein Zusammenschnitt des Videos, um das es geht – https://www.sueddeutsche.de/politik/strache-fpoe-kronen-zeitung-oesterreich-1.4452326 …

Dieses Video, genau wie andere, sind symptomatisch für eines: Lust und Neugier von Menschen, der Voyeurismus im Internet und ein gutes Timing.

Denn ähnlich wie beim #RezoVideo ist auch das sogenannte #Ibizagate um Strache und die FPÖ kurz vor einer Wahl aufgekommen. Damit liegt der Fokus bereits auf verwandten Themen bzw. im Dunstkreis und dadurch lassen sich dann auch leichter solche Themen pushen.

Fazit: Formel für virale Hits?

Zielgerichtetheit und Zielgrupenspezifik helfen natürlich, relevante Videos zu produzieren. Doch schlussendlich gilt auch immer der Zufall. Das Rezo-Video ebenso wie das Strache-Video haben eine große Reichweite erhalten, aber hätten genauso in der Versenkung verschwinden können. In beiden Fällen hat geholfen, dass es entweder von bereits zuvor populäreren Produzenten hergestellt bzw. sich um populäre (Strache war Vizekanzler Österreichs) Menschen dreht.

Das Erfolgsrezept für virale Hits gibt es nicht, aber etwas über seine Zielgruppe zu wissen und ein konkretes Ergebnis im Kopf zu haben bei der Produktion können bereits extrem weiterhelfen.

Podcast-Analyse vom #RezoVideo

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Die Digitalisierung der Steuer | Podcast

Vielleicht fragen sich ein paar von euch: Warum habt ihr euch mit Steuern beschäftigt? Aus gegebenem Anlass: Ab 2019 muss die Steuererklärung nicht mehr am 31. Mai, sondern erst am 31. Juli eingereicht werden.

Wir wollen euch ein paar wichtige und nützliche Tipps und auch Stats geben, wie sich Steuern und Finanzen in den letzten Jahren verändert haben

Steuererklärung – die Basics

Jeder kennt sie, aber wer hat sich schon wirklich mit ihr beschäftigt? Was muss ich an sich erstmal wissen bzgl. der Steuererklärung?

Wer muss eine Steuererklärung machen?

In Deutschland sind etwa 45 Mio. Menschen steuerpflichtig. Alle Nicht-Selbständigen haben übrigens eine Wahl: Entweder niemals Steuererklärung machen (dann wird alles nur grob geschätzt vom Staat) oder freiwillig eine Steuererklärung machen, danach aber immer und verpflichtend. Das ist wie als Mieter niemals eine Betriebskostenabrechnung zu bekommen: dann werden die pauschal gezahlten Monatsbeiträge einfach als Grundlage belassen und es wird niemals nachgerechnet oder der Mieter nun zu viel oder zu wenig bezahlt hat.

Alle Selbständigen müssen immer verpflichtend eine Steuererklärung machen. Keine Ausnahmen.

Wann besteht Steuerpflicht?

Steuerpflicht besteht für Bundesbürger lt. § 1 EStG unbeschränkt. Seuerpflichtig sind Bundesbürger, wenn der Grundfreibetrag überschritten ist (Grundfreibetrag für 2018 = 9000 € für Ledige); also wenn ein Lediger mehr als 9000 € im Jahr verdient. Darunter müssen Bundesbürger keine Steuern zahlen, weil das an unzumutbare Härte gelten würde.

Ausländer (gem. § 49 EStG) in oder außerhalb der Europäischen Union unterliegen einer beschränkten Steuerpflicht, weil in den Heimatländern die Steuer zu zahlen ist. Arbeitet beispielsweise ein Österreicher in Deutschland, muss er nur bestimmte Steuern entrichten, aber leistet seine normale Steuererklärung im Heimatland. Dafür gibt es besondere Formulare, die AUS-Anlagen.

Wann muss ich meine Steuererklärung machen?

Bislang spätestens am 31. Mai jedes Jahres; seit 2019 spätestens am 31. Juli jedes Jahres.

Wie kann ich elektronisch meine Steuererklärung machen?

Die elektronische Steuererklärung gibt es seit 1999. Früher funktionierte das noch so: ausdrucken und abgeben, heute komplett elektronisch übermittelt. 2016 wurde das Steuermodernisierungsgesetz eingeführt und bis 2022 soll die Steuer ausschließlich elektronisch erfolgen (Wegfall der Papier-Erklärungen).

Immer mehr machen ihre Steuer elektronisch über das System ELSTER der Finanzbehörden:

Infografik SocialMediaStatistik.de zum Thema elster steuererklaerung

Waren es 2010 nur 8,6 Millionen Deutsche, haben 2018 bereits 23,1 Millionen Deutsche über ELSTER ihre Steuererklärung gemacht.

 
Jahr20102012201420162018
ELSTER-Erklärungen in Mio.8,61216,12123,1

ELSTER

Betrieben wird ELSTER von der bayerischen Finanzaufsicht. Diese stellt nach dem Föderalismus-Prinzip den anderen Bundesländern die Technologie zur Verfügung.

Wie funktioniert die Steuererklärung mit ELSTER - so rein technisch? (CC BY-SA)

Wie funktioniert die Steuererklärung mit ELSTER – so rein technisch? (CC BY-SA)

ELSTER steht für ELektronische STeuerErklärung. Wir fragen uns immer wieder ob die diebische Elster so ein gelungener Namenspatron ist?

Es gibt drei Möglichkeiten, wie sich ELSTER nutzen lässt

Variante 1: ELSTER.de nutzen

Mein Elster unter www.elster.de als Online-Tool nutzen.

Die Vorteile von ELSTER.de:

  • von Finanzbehörden erstellt,
  • alles online + in der Cloud gespeichert und damit gesichert

Variante 2: ElsterFormular  installieren

Unter www.elster.de/eportal/infoseite/elsterformular das Download-Programm herunterladen und installieren.

Die Vorteile von ElsterFormular:

  • von Finanzbehörde erstellt,
  • alles offline (kein Internet nötig) und
  • lokal gespeichert

Variante 3: Drittanbieter-Software

Aktuell gibt es bei www.elster.de 560 Drittanbieter, die von den Finanzämtern anerkannt sind (Übersicht hier)

Die Vorteile:

  • ggf. Zusatzinformationen
  • ggf. Tipps und Tricks zur Steuervermeidung

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elster-verfahren-abstrakt-2017.png

Wie melde ich mich bei ELSTER an?

Die Anmeldung erfolgt über www.elster.de über eine zweifach authentifizierte Registrierung:

  1. Nach der Registrierung erhalte ich eine E-Mail mit Freischalt-Link
  2. Später erhalte ich Post mit einem Brief mit Freischalt-Code, den ich im Link eingeben muss

Wie funktioniert ELSTER?

ELSTER ist ein Übermittlungsstandard (ähnlich wie html, DIN A4 etc.). Die Übermittlung von Steuerdaten ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und damit sicher.

Jede Übermittlung braucht einen Schlüssel, mögliche Schlüssel:

Für die Steuererklärung bei ELSTER brauche ich eine Zertifikatsdatei, einen Sicherheitsstick, meinen neuen Personalausweis oder eine Signaturkarte mit Lesegerät (Quelle ELSTER.de).

Für die Steuererklärung bei ELSTER brauche ich eine Zertifikatsdatei, einen Sicherheitsstick, meinen neuen Personalausweis oder eine Signaturkarte mit Lesegerät (Quelle ELSTER.de).

Was muss alles in die Steuererklärung rein?

Das kommt drauf an ob du selbständig bist oder nicht. In der Regel muss immer der sogenannte  Hauptvordruck ausgefüllt werden. Da kommen die wichtigsten Angaben wie Name etc. rein.

Anlagen

Der Rest sind Anlagen, die nur ausgefüllt werden müssen, wenn für mich zutreffend:

  • Anlagen (für Nicht-Selbständige):
    1. Anlage AUS (ausländische Einkünfte)
    2. Anlage AV (Altersvorsorge)
    3. Anlage FW (Förderung Wohneigentum)
    4. Anlage KAP (Kapitalvermögen, also Aktien etc.)
    5. Anlage KAP-BET (Kapitalvermögen aus Beteiligungen)
    6. Anlage KAP-INV (Kapitalvermögen aus Investments)
    7. Anlage Kind (Kinder)
    8. Anlage L (Land- und Forstwirtschaft)
    9. Anlage N (Nicht selbständige Arbeit)
    10. Anlage N-AUS  (Nicht selbständige Arbeit im Ausland)
    11. Anlage R (Rente)
    12. Anlage SO (Sonstiges, bspw. Grundstücksverkäufe)
    13. Anlage Unterhalt (Unterhaltsleistungen)
    14. Anlage V (Vermietung + Verpachtung)
    15. Anlage Vorsorgeaufwand (KV/AV/PV)
    16. Anlage Weinbau (das ist einfach)
    17. Weitere: Anlage 13a, WA (treffen nur selten zu)

 

  • Anlagen (für Selbständige)
    1. monatlich oder quartalsweise:
      • Umsatzsteuervoranmeldung (vgl. Nebenkostenvorauszahlung)
    2. jährlich:
      • Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung; Freiberufler)
      • Anlage G (Gewerbebetrieb)
      • Gewerbesteuererklärung
      • Körperschaftssteuererklärung (UG, GmbH etc.)
      • (der Rest ist v.a. für Kapitalgesellschaften relevant)

Welche Steuertricks gibt es?

Es gibt Pausch(al)beträge und Vergünstigungen wie Umzugspauschale, Weiterbildungen (auch für Studis interessant). Das sind die legalen Steuertricks. Wir haben bei unserer Partnerseite Selbständig in Mitteldeutschland eine Übersicht erstellt:

Pauschbeträge für die Steuererklärung 2018

Podcast: Play in new window | Download (Duration: 26:18 – 21.1MB) In Deutschland sind 2019 etwa 45 Mio. Menschen steuerpflichtig. Es ist ein leidiges und wiederkehrendes Thema für viele: die SSteuererklärung Deswegen haben wir unsere besten Tipp und legalen Steuertricks zusammengetragen. Dieser Beitrag erscheint auch aus gegebenem Anlass: Ab 2019 muss die Steuererklärung nicht mehr am 31.

 

Quellen

  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1376/umfrage/anzahl-der-erwerbstaetigen-mit-wohnort-in-deutschland/
  • https://www.steuer-schutzbrief.de/grundfreibetrag.html

Anm.: Wir sind keine Steuerfachangestellten, Steuerberater oder Steuerbeamte. Wir geben Tipps und erweitern diesen Beitrag konstant, aber sind dankbar für Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge.

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Das Social Media Universum | Podcast + Infografik

Die etwas andere Social-Media-Übersicht, denn Zahlen runterrattern kann jeder. Wir wollen uns versetzen in die glorreiche Zeit der Space Opera: Star Wars, Perry Rhodan, Star Trek & Co. Und wir präsentieren euch nun in jedem Jahr …

Das Social-Media-Universum 2019

Infografik SocialMediaUniversum_2019_update

Es herrscht Bürgerkrieg. Unser Kosmos wird beherrscht von wenigen großen IMPERIEN. Immer mehr DEUTSCHE wandern zu diesen Thronwelten aus …

Facebook (2004 – heute): DAS ZUCKERBERG-IMPERIUM

Dieses Sternenreich ist ein dominanter Machtfaktor und Überwachungsstaat. Die Bürger dürfen sich überraschend frei zu Politik etc. äußern, sind aber sexuell unfrei. Der Imperator und seine Berater kontrollieren von der Thronwelt Facebook weitere Teile des Kosmos.

Facebook

Es wird eng: über 39 Mio. Nutzer (insg. 2,3 Mrd.) sind hier eingewandert. Da bleiben Konflikte nicht aus: Nutzer teilen und kommentieren in ihren Profilen alles. Der-weil haben sich viele Subkulturen in geschlossene Gruppen abgesetzt und Großkonzerne werben auf Seiten für alles. Seit einigen Jahren setzt eine Stagnation ein und die Regierung wird im Eintreiben ihrer Tribute in Form von Werbung immer aggressiver.

WhatsApp

Seit 2014 gehört es als Kronkolonie zum Imperium und über 40 Mio. Nutzer (insg. 1,5 Mrd.) pilgern jeden Monat dorthin. Die Nutzer sprechen nur miteinander, aber bilden dabei große Gruppen. Öffentliche Bekanntmachungen werden über „Broadcast“ und „Status“ gemacht.

Instagram

Facebooks größte Eroberung der frühen Expansionszeit. Seit 2012 besetzt, blüht Instagram dennoch: 17. Mio. Nutzer (insg. 1 Mrd.) sind monatlich hier. Instagrammer lieben Sport, Beauty und Lifestyle, sind ein Partyvolk, sehr extrovertiert (manche würden sie oberflächlich nennen), zeigen sich gern in schrillen Farben und Filtern. Sie lieben Storys.

Facebook Messenger

Die Kolonialwelt war einst eine unbedeutende Nachrichtenzentrale. Facebook hat viele Ressourcen in den Ausbau gesteckt. Inzwischen sind 28 Mio. Nutzer (insg. 1,3 Mrd.) regelmäßig dort.

Google / Alphabet (1998 – heute): DAS GOOGLE-KOLLEKTIV

Das größte Gehirn im Kosmos: Google weiß sehr viel und lernt sehr viel. Suche, reCAPTCHA, Maps, Android und andere Systeme werden vom Kollektiv genutzt, um Wissen zu assimilieren. Google wirkt neutral und freundlich, aber man weiß nicht, ob das so bleibt …

YouTube

YouTube hat mit 8 Mio. registrierten Nutzern nur wenige Ureinwohner. Über 31 Mio. aktive Nutzer (insg. 1,9 Mrd.) sehen sich die YouTuber aber gern an. Früher gefürchtet, sind Kommentare bei YouTube inzwischen moderierter und gemäßigter. Die meist abonnierten YouTuber sind Freekickerz, Kurzgesagt und BibisBeautyPalace.

Google Maps

Vermutlich über 40 Mio. Nutzer (global 1+ Mrd.) Entdecker und Kartografen bewohnen diese Welt. Maps-Nutzer rezensieren gern Orte und können seit kurzem auch Beiträge schreiben. Letztere hat das Kollektiv wohl für den Verlust von Google+ und gegen die WhatsApp-Konkurrenz eingeführt.

Google+

Einstmals eine große Hoffnung haben sich die Terraformingversuche als Fehlschlag erwiesen. Offiziell bis 16 Mio. Nutzer, waren realistisch weniger als 1 Mio. Nutzer aktiv. Google+ wurde Ende 2018 von Google aufgegeben und ist heute ein toter Planetoid.

Google+ wurde am 2. April 2019 von Google dichtgemacht (Quelle).

Microsoft Corporation (1975 – heute): DAS MICROSOFT-DOMINION

Während Microsoft in fernen Stätten des Kosmos unangefochten herrscht, ist es im Social-Media-Universum eher eine Regionalmacht, aber dafür fest verankert.

Skype

Mit über 17 Mio. Nutzern ist Skype mittelgroß. Eine Speerspitze während der Frühexpansion in die sog. Messengerwelten; einem Cluster mit reichen Rohstoffen an Chat, Videochat und Konferenzen. Ihre Regierung war ein nordeuropäischer Mix, wurde aber 2011 friedlich in das Dominion aufgenommen und nimmt in dessen Infrastruktur heute einen wichtigen Platz ein.

LinkedIn

13 Mio. Nutzer im DACH-Raum (590 Mio. insg.) machen das 2003 gegründete und 2015 in Microsoft integrierte Business-Netzwerk zur wichtigsten Kolonie. Investitionen, Wirtschaft und Karriere sind auf LinkedIn wichtig. In Profilen zeigen die Bewohner ihre Lebensläufe, präsentieren sich auf Seiten und vernetzen sich in Gruppen. Die Grundlage ihrer Gesellschaft bildet das Streben nach Profit.

Eigenständige Unternehmen (2003 – heute): DIE FREIEN WELTEN

Nicht jede Welt im Kosmos ist Teil der großen Imperien und Reiche. Es gibt noch einige unabhängige Welten, die nur sich selbst gehören. Doch wie lang noch …

XING

Q1 2019: Eine regionale Macht mit global 16 Mio. Nutzern. Das 2003 von Deutschen gegründete XING gehört heute Burda und ist eine Geschäftswelt: Business, Karriere und Kontakte sind wichtig. In Profilen zeigen die Bewohner ihre Lebensläufe, vernetzen sich in Gruppe. Seiten können nur zahlende Mit-glieder der Gesellschaft betreiben.

Q4 2018: Über 15 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum, über 14 Millionen Mitglieder in Deutschland, etwa 1 Million in der Schweiz und über 1 Million in Österreich (Stand: 2019, Quelle)

Twitter

Leicht bevölkert mit 1,8 Mio. Nutzern (offiz. 12 Mio., global 326 Mio.) und 2006 gegründet. Twitterer reden viel, aber sortieren heute häufiger ihre Gedanken in Threads. Sie lieben tiefsinnige, humorvolle und bissige Kommentare. Sie sind gut vernetzt in Politik, Presse und Publizistik; markenaffin und sind einflussreich.

Twitter konnte sich von einigen Problemen erholen und wächst 2019 wieder (Quelle)

Pinterest

Die 4 Mio. Bewohner (insg. 250 Mio.) dieser Gartenwelt gehen DIY-Basteleien nach, Freizeit und Hobbys. Sie sind freundlich, unbekümmert, pinnen gern und beschäftigen sich mit den schönen Dingen im Leben.

Snapchat

Eine vibrierende Welt mit 5 Mio. Nutzern (insg. 291 Mio.). Snapchatter sind jung, interessiert und lieben Storys. Einige unklare Neuerungen der Regierung Snap und die starke Konkurrenz durch Instagram-Storys haben zu einem Einbrechen von Snapchats wirtschaftlicher Bedeutung geführt. Die Regierung Snap erkundet gerade neue Sparten wie Smart Glasses und bespricht Bündnisse u.a. mit Apple.

TikTok

Diese aufsteigende Lifestyle-Welt hat Musical.ly feindlich übernommen und hat damit 4,1 Mio. Nutzer – insgesamt über 500. Mio. Nutzer. Die Bewohner von TikTok tanzen gern, nehmen sich dabei auf. Die Regierung Bytedance will aber auch Gespräche, Diskussionen und Shows stärker fördern.

Infografik: Das Social-Media-Universum

Infografik SocialMediaUniverse2019_1000_052019

Ältere Versionen der Infografik: Januar 2019

Letzte Aktualisierung: 4. Mai 2019

Update: Nutzerzahlen Q1 2019: Facebook strauchelt, Twitter triumphiert, XING wächst und Snap stagniert? | Podcast

Was haltet ihr davon: Wir berichten von den Quartalszahlen börsennotierter Unternehmen. Schreibt uns eure Meinung!

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“Brexit” 🇬🇧 | Podcast

Der Brexit schlägt schon seit einiger Zeit hohe Wellen und ist allerorts Thema. Auch wenn uns dieser in unserem Alltag bis dato kaum betrifft, ist es schade, wenn ein Staatenbund zu bröckeln beginnt. Warum wir den Brexit behandeln? Ganz einfach, auch bei den Themen Digitalisierung, DSGVO etc. spielt der Brexit wesentliche Rolle.

Brexit im Internet: 36 Prozent für „Remain“?

Wie man anhand der nachfolgenden Grafik erkennen kann, sind die Meinungen der Twitter-Nutzer durchaus ziemlich ausgeglichen.

Demnach sind 36,9 Prozent der in der berücksichtigten Twitter-Nutzer für einen Verbleib Großbritanniens. 24,9 Prozent sind neutral in der Frage und 33,66 Prozent wollten die EU verlassen. Somit hätten bei Twitter die sog. Remainer eine knappe Mehrheit gehabt.

Fakt ist aber, dass wenn es nach den Twitter-Nutzern ginge, es keinen Brexit gäbe. Dies mag damit zusammenhängen, dass Social Media-Nutzer meist jünger sind und sich auch mit Auslandsthemen mehr beschäftigen.

Ermittelt und veröffentlicht wurden die Zahlen im Zuge eines öffentlich geförderten wissenschaftlichen Projektes auf EUengage:

 

Was bisher geschah …

23.06.2016 – Großbritannien stimmt mit 51,9 % dafür, die Europäische Union zu verlassen. Die zu der Zeit federführenden Personen David Cameron und Nigel Farage haben die Segel gestrichen und der aktuellen Premierministerin Theresa May wurde die Aufgabe zuteil, das Land aus der EU zu führen.

Eine amüsante Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse gibt es auch als Meme zum Brexit:

Der Brexit als Meme

Wie sich der erste Austritt seit der Gründung des Staatenbundes nun entwickeln wird – ob es zu einem harten oder weichen Brexit kommt – lässt sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht absehen.

Meinungen zum Brexit

Für diesen Beitrag durften wir Dieter Janecek MdB (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) interviewen, einleiten möchten wir das Thema jedoch mit der Meinung von Roger McNamee zum Thema Brexit und seine Auswirkungen auf das Internet.

Roger McNamee zum Brexit

McNamee ist ein US-amerikanischer Geschäftsmann, Investor, Risikokapitalgeber und Musiker. Zudem ist er Gründungspartner der Risikokapitalfirma Elevation Partners und vor dessen Gründung, gründete er die Private-Equity-Firma Silver Lake Partners. Als eingefleischter Geschäftsmann sieht er die Problematik hauptsächlich bei den unterschiedlichen Ansichten Europas und der USA hinsichtlich Privatsphäre. Mit den europäischen Gesetzen hätten zum Beispiel Firmen wie Google weit weniger Chancen.

Interview mit Dieter Janecek

Kurz zur Person – Dieter Janecek ist deutscher Politiker (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Mitglied des deutschen Bundestages. Ebenso ist er Obmann im Ausschuss Digitale Agenda, Sprecher für Digitalwirtschaft und Digitale Transformation, sowie Mitglied in der Enquete-Kommission “Künstliche Intelligenz”.

Im Interview – welches im Podcast angehört werden kann – werden unter anderem folgende Fragen geklärt:

  • Welche Agenda verfolgt der Bund im Umgang mit dem “britischen” Internet?
  • Jedes 7. dt. Unternehmen Daten in UK verarbeiten: Mit welchem Schaden lässt sich bei einem No-Deal-Brexit für die Digitalwirtschaft rechnen?
  • Wie wirkt sich der Brexit auf die aktuelle Debatte um Upload-Filter etc. aus?
  • Welche Einschränkungen werden deutsche Bürger hinnehmen müssen, wenn der Brexit final kommt?
  • Gibt es, auch Argumente, die für einen harten Brexit sprechen?
  • Kann man es den Briten verdenken, dass sie rauswollen? Im Hinblick auf Artikel 13 und Uploadfilter … bezugnehmend auch auf den Tweet von Twitteruser McCouman

Nutzer und Anbieter im Internet: Was passiert beim Brexit?

Unterschied Nutzer und Anbieter im Netz

Generell muss unterschieden werden zwische Nutzer und Anbieter. “Normale” Internetnutzer haben wenig zu befürchten. Man ist jedoch gut beraten, in der nächsten Zeit bei Onlineshops, die man nutzt, einen Blick ins Impressum zu werfen und den Sitz des Unternehmens zu prüfen, um etwaige Schwierigkeiten beim Einkauf zu vermeiden..

Anbieter jedoch müssen mehr aufpassen und sollten vorab dringend prüfen, ob auch Dienste von britischen Firmen genutzt werden, wie beispielsweise das GDPR Cookie Consent Plugin oder Ähnliches. Bei einem No-Deal-Brexit könnte es nämlich passieren, dass dieses WordPress-Plugin plötzlich illegal ist.

Von der IHK (Industrie- und Handelskammer) wurde zu diesem Zweck eine Checkliste herausgegeben, die das angeführte Szenario bestätigt, sowie das Thema Datenaustausch konkretisiert – auch hinsichtlich Artikel 44 DSGVO.

Mehr zum Thema in der aktuellen #Onlinegeister-Ausgabe – unserem Radio-Podcast!

Werbung bei WhatsApp: Wann kommt’s?

whatsapp logo mensch frau hand smartphone

Seit Anfang des Jahres beschäftigt nicht nur Profis das Thema: Bei WhatsApp kommen bald Werbeanzeigen. Doch wie ist der aktuelle Stand? Facebook kündigte WhatsApp-Werbung an … … doch bislang hat sich nicht viel getan in der Praxis. Im Werbeanzeigenmanager von Facebook finden sich die üblichen Verdächtigen: Facebook, Instagram, (Facebook) Messenger.…

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