Sprachassistenten: Die Stimmen der Frauen und: jeder Zweite unter 40 | Podcast

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Update: Wir haben die Postbank-Studie ergänzt.

Seit einigen Jahren sind Smart Speaker und damit intelligente Sprachassistenten immer verbreiteter geworden. Warum haben Sprachassistenten meist weibliche Stimmen? Wer benutzt sie und wohin entwickelt sich alles? Was bedeutet das überhaupt für uns und fürs Marketing?

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72 Prozent sind der Meinung online manipuliert zu werden: Einsteigerguide | Podcast

In Zeiten, in denen “Fake News” in aller Munde sind, möchten wir darüber sprechen wie es möglich ist, dass wir so einfach im Internet manipuliert werden können. Zudem erklären wir, was genau Filterblasen sind und wie Framing und STT funktionieren. Und – was zum Nachdenken – sind wir im Grunde nicht alle jeden Tag aufs Neue manipulativ?

Online: Manipulation im Internet?

Filterblasen

Wir stellen die These auf, dass Filterblasen durch Algorithmen einseitig Interessen verstärken sollen. Bedeutet, wenn wir uns im Internet mit einem bestimmten Thema beschäftigen, bekommen wir eben zu diesem – oder ähnlich gearteten Themen – weitere Vorschläge. Dies kann durchaus radikalisieren.

Sehr einfach lässt sich dies zum Beispiel bei YouTube nachvollziehen, durch die Art der angezeigten Videovorschläge. Passend dazu die Duden-Definition von Filterblase:

“Eine selektive Informationsauswahl auf Webseiten durch Berücksichtigung des Nutzerverhaltens, -standorts o. Ä.”

Der Begriff selbst basiert auf dem Buch “the filter bubble. What the internet is hiding from you” von Eli Pariser, welches 2012 bei Penguin Press erschienen ist.

Der Duden verknüpft damit auch das Wort “Echokammer”, welches für überwiegenden oder ausschließlichen Kontakt mit Gleichgesinnten  – vorrangig  in sozialen Netzwerken – steht. An und für sich ist es aber keine Folge der Digitalisierung, dass wir uns manchmal bewusst für den “Weg des geringsten Widerstandes“ entscheiden und bevorzugterweise in einem homogenen Umfeld bewegen.

Beide Begriffe sind viel diskutiert, deswegen möchten wir euch gerne auf ein paar Quellen verweisen, falls ihr tiefer in das Thema eintauchen möchtet:

Digitale Demenz

Durch die einfache Möglichkeit an Informationen mittels des Internets zu gelangen, verschlechtert sich auch unser Gedächtnis. Dadurch nehmen wir auch sehr viel mehr Falschmeldungen auf und sind empfänglicher für gezielte Manipulation.

Bereits in unserer  Folge Nr. 27 haben wir uns mit dem Thema „Digitale Demenz“ im Detail auseinandergesetzt, hört gerne rein für weitere Details!

Manipulation DURCH das Internet?

Vorbild Instagram? Selbstbild, Identität und was ich eigentlich wert bin …

Studienergebnisse des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk zeigen, dass auf Instagram insbesondere jene Frauen erfolgreich sind, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen.

Untersucht wurden dazu unter anderem 300 Posts von erfolgreichen Influencerinnen auf wiederkehrende Muster hin. „Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty“.

Diese Studie wurde von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth in Auftrag gegeben. Besonders ein Zitat einer YouTuberin möchten wir herausheben:

„Eine starke eigene Meinung schmälert deinen finanziellen Wert.“

Wir halten das für äußerst bedauerlich in der heutigen Zeit, aber leider sehr bezeichnend – vor allem für Instagram?

Der Circle?

Wer diesen Spielfilm mit Emma Watson noch nicht kennt, dem geben wir ihn gerne als Filmtipp  (alternativ auch als Buchtipp) mit auf den Weg.

Für uns ist er vor allen Dingen in Zusammenhang mit einer Studie, die kürzlich bei Heise veröffentlicht wurde, erwähnenswert. Die Studie beschäftigt sich mit dem sogenannten “Social-Scoring-System”, welches in China bereits angewandt wird. Zu vergleichen am Ehesten mit unserem Verfahren zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit. In diesem System wird – kurz gesagt – gutes Verhalten belohnt und schlechtes Verhalten bestraft. Interessant ist, dass jeder 6. Deutsche dieses System als Vorbild betrachtet.

Auch der Film behandelt dieses Thema in einer etwas abgeschwächten Form. Emma Watson gerät im Zuge ihres Jobs immer tiefer in den Strudel des “Circle” und wird am Ende 24 h von einer Live-Cam begleitet.

Der Film und das behandelte Thema ist – allem voran – beeindruckend, weil vieles davon bereits Teil unseres Alltags ist.

Framing, STT & Co.: Einsteiger-Guide der Manipulation

Framing

Framing findet tagtäglich im Internet statt und ist ein beliebtes Mittel zur Manipulation. Teilweise bewusst, teilweise unbewusst bestimmen wir anhand der Informationen die wir teilen, sowie in der Art und Weise wie wir sie mitteilen (welche Worte oder Metaphern verwendet werden), wie andere über das Thema denken.

Einige der bekanntesten Beispiele sind u.a. von den rechtskonvervativen Parteien wie AfD, CDU oder CSU verwendeten Begriffe wie “Asyltourismus” und “Flüchtlingswelle”. Diese zeichnen sofort ein negatives Bild in unseren Köpfen.

Framing ist gerade in der Politik von jeher ein äußerst beliebtes Mittel. Seien es bekannte Nazi-Begriffe, welche verharmlosend klingen wie „Endlösung“ (Massentötung ganzer Volksgruppen wie Juden, Sinti, Roma oder von Minderheiten wie Homosexuellen), verschleiern sollen wie der Begriff „Nationalsozialisten“ (womit die NSDAP v.a. linksorientierte Arbeiter ansprechen wolle, denn man sei ja selbst auch Sozialist, nur eben national orientiert) oder bewusst ausgrenzend wie „Volkskörper“ (die Bevölkerung als einheitlicher Organismus).

Framing-Manual der ARD

Es gab ein Gutachten bei der ARD, in dem – um das Image der Rundfunkgebühren zu verbessern – dazu aufgefordert wurde, auch entsprechende Begrifflichkeiten wie “Unterstützung für den freien Rundfunk” zu verwenden.

WDR-Direktor Jörg Schönenborn bezeichnete im Dezember 2012 den Rundfunkbeitrag als „Demokratie-Abgabe“ und löste damit bundesweit eine heftige Debatte aus.

Die Berichterstattung in Finnland über das bedingungslose Grundeinkommen hat – um dies negativ darzustellen – als Schlagzeile “Das Bedingungslose Grundeinkommen schafft keine Jobs”. Bewusst wird die andere Seite der Medaille außer acht gelassen.

Startup Framing bei Apple, Google & Co.

Auch das bekannte Unternehmen Apple hat hier mitgewirkt. Ein bereits 2012 geleaktes „Genius Training Student Workbook“ geht sehr deutlich auf den Wortschatz ein, welche Mitarbeiter in Apple Stores (die sog. Mac Geniuses) mitbringen sollten:

Apple-Geräte laufen beispielsweise niemals „heiß“, sie werden nur „warm“. Geräte haben auch keinen „Bug“ bzw. Fehler, sondern es tritt eine „Situation“ ein.

Unterhaltsam und faktisch auch korrekt aufbereitet wurde dies vom funk-Satiriker Walulis in diesem Video:

Apple Stores: So machen sie dich arm | WALULIS

Wie eine wohlhabende Werkstatt machen sie in teuren Reparaturen – Apple Läden. Die Stores kennen wir alle noch von den langen Schlangen, die sich immer davor…

Ähnlich verhält es sich mit anderen Startups und dem Vokabular ebenfalls. So gibt es bei Google, Facebook & Co. kein Betriebsgelände, sondern in der Regel einen „Campus“. Es gibt auch keine Mitarbeiter-Kantine, sondern eine „Mensa“.

Dies soll v.a. positive Assoziationen der Mitarbeiter zu vergangenen Uni-Zeiten wecken, welche diese dann mit dem aktuellen Arbeitgeber gleichsetzen sollen.

Spontaneous Trait Inference & Transference (STI & STT)

  • STI: Beobachtetes Verhalten führt zu Annahmen über eine andere Person
  • STT: Wir übernehmen Eigenschaften oder Ansichten anderer, beispielsweise in Gesprächen oder aufgrund Aussagen die wir hören

In Psychology Today gab es dazu eine interessante Veröffentlichung: “The way you describe others is the way people see you”.

Manipulation in den sozialen Netzwerken

Die 2014 veröffentlichte Studie „Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social networks von Adam D. I. Kramer, Jamie E. Guillory und Jeffrey T. Hancock , beschäftigt sich mit der sogenannten “Gefühlsansteckung”. Dies bedeutet nichts anderes, als dass sich unsere Stimmung alleine mittels der Sprache übertragen kann.  nicht Gefühle übertragen sich also nicht nur  Face to Face, sondern auch Face to Facebook.

Insgesamt 689.003 Teilnehmer nahmen unfreiwillig an der Studie teil: Auch ihr könntet, sofern ihr Anfang 2012 bereits auf Facebook aktiv wart, ohne es zu ahnen Teil dieser Studie gewesen sein. Nach Bekanntwerden dieser Tatsache, war der Aufschrei natürlich groß.

In der Common Sense Media-Studie vom Oktober 2018 wurden US-Teenager dazu befragt, ob Social Media sie positiv oder negativ beeinflusst. Der Großteil hat einen positiven Effekt angegeben. Allerdings ist interessant, dass 72 % – das sind 3 von 4 (!) – glauben, online manipuliert zu werden.

Common Sense Media Studie 2018

Wann beginnt der Verfolgungswahn?

Wie weit geht wirkliche Manipulation und wann beginnt die Verschwörungstheorie? In welcher Häufigkeit war Manipulation schon immer da und wie oft wird bewusst manipuliert? Ist jede Form der Kommunikation nicht bereits Manipulation?

Diskutiert darüber, hinterlasst einen Kommentar und teilt eure Gedanken dazu  mit uns!

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#RezoVideo & Co.: Wie werden #Ibizagate oder „Die Zerstörung der CDU“ so populär? | Podcast

In den letzten Wochen haben immer wieder virale Videos den gesamten deutschsprachigen Raum durchdrungen: Letzte Woche war es #IbizaGate um die Bestechlichkeit und moralische Fragwürdigkeit des österreichischen Politikers Heinz-Christian Strache (FPÖ). Aktuell dreht sich alles um den YouTuber Rezo und sein Video, in dem er sich auf die CDU und deren Politik der letzten Jahrzehnte konzentriert.

Wie können solche Videos derart populär werden?

Neues Video: „Ein Statement von 80+ YouTubern“ – Rezo fokussiert ein konkretes Thema

Am 24. Mai 2019 kam ein neues Rezo-Video, welches schlicht „Ein Statement von 80+ YouTubern“ heißt:

Ein Statement von 90+ Youtubern

Hier ist der Text nochmal in schriftlicher Form. Jeder Youtuber, der noch mit unterzeichnen möchte, kann sich gerne irgendwie melden. _______________________…

In diesem Video, welches nur knapp 3 Minuten lang ist (das CDU-Zerstörung-Video war knapp 55 Minuten lang) wird eher emotional argumentiert und mit Fokus auf Umweltschutz und die dieses Wochenende anstehende Europawahl.

Im Video beginnt der YouTuber Rezo und wird dann von einer Diashow-artigen Aneinanderreihung von etwa 30 YouTubern unterstützt.

Die Auftretenden lesen sich wie ein Who’s Who der deutschen YouTube Szene: Zu Wort kommen unter anderem Julien Bam, Katja Krasavice, Unge, DagiBee und andere. Die offizielle Unterstützerliste lautet:

  1. Julien Bam,
  2. DagiBee,
  3. Vik,
  4. Emrah,
  5. Anni the Duck,
  6. Mirellativegal,
  7. Oğuz Yılmaz,
  8. Fynn Kliemann,
  9. Rezo,
  10. Tim Jacken,
  11. Toni Pirosa,
  12. DeChangeman,
  13. Rick (SpaceFrogs),
  14. Steven (SpaceFrogs),
  15. Aaron Troschke,
  16. Greeen,
  17. Katja Krasavice,
  18. Malwanne,
  19. Luca Concrafter,
  20. Unge,
  21. Jana Nell,
  22. Alexi Bexi,
  23. Alycia Marie,
  24. Diana zur Löwen,
  25. Marti Fischer,
  26. Jodie Calussi,
  27. Mii Mii,
  28. Julia Beautx,
  29. CrispyRob,
  30. Simon Will,
  31. Rewi,
  32. Taddl,
  33. Trymacs,
  34. Phil Laude,
  35. Izzi,
  36. Nia,
  37. Fräulein Chaos,
  38. Heider,
  39. Soja (SophieDoesRandomStuff),
  40. Gordon (Vegan ist ungesund),
  41. Aljosha (Vegan ist ungesund),
  42. Jonas (Simplicissimus),
  43. David (Simplicissimus),
  44. Tilo Jung,
  45. OpenMind,
  46. Kiko,
  47. Gong Bao,
  48. Sturmwaffel,
  49. Barbara Sofie,
  50. Hendrik Rettkowski,
  51. David Hain,
  52. Fabian Siegismund,
  53. Ambre Vallet,
  54. LeFloid,
  55. Naomi Jon, Klengan,
  56. Kayla Shyx,
  57. Luna F. Darko,
  58. dyzzy,
  59. Nhi,
  60. Marius (Angeschrien),
  61. Sonny Loops,
  62. Ischtar Isik,
  63. Jonas Ems,
  64. Paul (Ultralativ),
  65. Fynn (Ultralativ),
  66. Danergy,
  67. Lenny (Lennyficate),
  68. 2Bough,
  69. Domino Kati,
  70. Marie (Snukieful),
  71. EasyAlex,
  72. Kelly,
  73. GermanLetsPlay,
  74. Maxim Markov,
  75. Alexander Straub,
  76. Jolina Mennen,
  77. Firegoden,
  78. Keanusworld,
  79. Doktor Whatson,
  80. Silvi Rockstar,
  81. Vincent Lee,
  82. Krancrafter

#RezoVideo: „Die Zerstörung der CDU“

Falls jemand das Video noch nicht gesehen hat, hier die Einbettung:

Die Zerstörung der CDU.

Die Europawahl bzw EU-Wahl steht vor der Tür. Ob CDU, SPD oder AfD gute Parteien sind, die im Einklang mit Wissenschaft und Logik stehen, versuche ich in die…

Auf knapp 55 Minuten Länge äußert sich der YouTuber Rezo zur Politik der CDU in den letzten Jahrzehnten, auch zu aktuellen Entwicklungen in Klima-, Gesellschafts-, Umweltschutz- oder Außenpolitik.

Politik schadet nicht: Rezos Abozahlen gehen steil hoch

Dem YouTuber hat der Exkurs nicht geschadet, denn seine Abonnentenzahlen steigen deutlich an:

In den letzten zwei Wochen vor dem Video stiegen die Abozahlen des YouTubers täglich um einige tausend. Nach dem Erscheinen des Videos „Die Zerstörung der CDU“ stieg die Zahl der Abonnenten stetig an, z.T. um mehrere zehntausend am Tag. Die breite

Rezo hat die beiden Z beachtet und hält sich ans PESTO-Prinzip

Für den historischen Kontext: Rezo gehört zur Bam Crew, also den Kollegen und Mitarbeitern des ebenfalls bekannten YouTubers Julien Bam. Des Weiteren hatte sein Kanal bereits mehrere hunderttausend Abonnenten bevor sein CDU-Video online ging. Er startete also nicht bei Null.

Infografik SocialMediaStatistik.de zum Thema rezo youtube abonnenten

Über 600.000 Abonnenten hatte der YouTuber bereits. Das ging aber nach dem CDU-Video fast durch die Decke. Am 24. Mai lagen die Abonnenten bei fast 800.000 Nutzern. Wie hat der YouTuber das erreicht?

Er hat sich an die beiden Z gehalten:

Rezo spricht zielgruppengerecht

Er redet kurz und knackig und sehr verständlich und anschaulich. Am Beispiel Erderwärmung, wie CO2 in die Luft kommt, meint er:

„Das ist in der Erde drin. Wir buddeln das aus. Verbrennen das. Und so kommt der Shit in die Luft.“

Er bedient sich typischer Jugendsprachelemente, arbeitet auch häufig mit konversationellen Markern wie Betonung oder Ironie und verdeutlicht seine Aussagen durch kurze Wiederholungen und Zusammenfassungen:

„Das Problem ist also nicht, dass es CO2 gibt, sondern dass es mehr wird.“

Rezo spricht zielgerichtet

Sein Video hat eine deutliche  Agenda. Dazu ein  aktuelles Thema (Wahlen stehen an). Inzwischen gibt es sogar eine Change.org-Petition, die das Video in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bringen möchte.

Manche können sich über die Art und Weise im Video aufregen. Rezo geht die CDU und andere Parteien wie SPD und AfD zum Teil sehr persönlich an, aber das ist okay. Das Video will keine neutrale und objektive Dokumentation sein. Es ist die Abrechnung eines Menschen. Darin liegt das Ziel und dieses Ziel verfolgt der YouTuber.

PESTO-Prinzip eingehalten

Die ersten beiden Buchstaben des PESTO-Prinzips sagen, dass man Person und Ergebnis eines Vorhabens kennen sollte. Rezo hat seine Zielgruppe konkret angesprochen und sein Zielvorhaben ebenfalls sehr konkret erwähnt. Es ist sogar der Titel des Videos.

Was ist mit anderen viralen Hits wie #IbizaGate?

Das sogenannte Ibiza-Video zeigt den österreichischen Politiker Heinz-Christian Strache und seinem Kollegen Gudenus in einer Villa auf Ibiza, wie er sich mit anderen, russischsprachigen Menschen unterhält. Darin lässt Strache einige als bedenklich einzuschätzende Äußerungen erklingen. Eine ausführliche Analyse gibt es hier (Reaktionen bei Facebook finden sich u.a. hier):

Politik-Skandal in Österreich! Alle Infos | #IbizaAffäre

Österreichs Regierung löst sich auf – und der Grund dafür ist ein pikantes Video aus dem Jahr 2017, das jetzt aufgetaucht ist. Im Zentrum: Vizekanzler Heinz-…

Dieses Video, genau wie andere, sind symptomatisch für eines: Lust und Neugier von Menschen, der Voyeurismus im Internet und ein gutes Timing.

Denn ähnlich wie beim #RezoVideo ist auch das sogenannte #Ibizagate um Strache und die FPÖ kurz vor einer Wahl aufgekommen. Damit liegt der Fokus bereits auf verwandten Themen bzw. im Dunstkreis und dadurch lassen sich dann auch leichter solche Themen pushen.

Fazit: Formel für virale Hits?

Zielgerichtetheit und Zielgrupenspezifik helfen natürlich, relevante Videos zu produzieren. Doch schlussendlich gilt auch immer der Zufall. Das Rezo-Video ebenso wie das Strache-Video haben eine große Reichweite erhalten, aber hätten genauso in der Versenkung verschwinden können. In beiden Fällen hat geholfen, dass es entweder von bereits zuvor populäreren Produzenten hergestellt bzw. sich um populäre (Strache war Vizekanzler Österreichs) Menschen dreht.

Das Erfolgsrezept für virale Hits gibt es nicht, aber etwas über seine Zielgruppe zu wissen und ein konkretes Ergebnis im Kopf zu haben bei der Produktion können bereits extrem weiterhelfen.

Podcast-Analyse vom #RezoVideo

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Die Digitalisierung der Steuer | Podcast

Vielleicht fragen sich ein paar von euch: Warum habt ihr euch mit Steuern beschäftigt? Aus gegebenem Anlass: Ab 2019 muss die Steuererklärung nicht mehr am 31. Mai, sondern erst am 31. Juli eingereicht werden.

Wir wollen euch ein paar wichtige und nützliche Tipps und auch Stats geben, wie sich Steuern und Finanzen in den letzten Jahren verändert haben

Steuererklärung – die Basics

Jeder kennt sie, aber wer hat sich schon wirklich mit ihr beschäftigt? Was muss ich an sich erstmal wissen bzgl. der Steuererklärung?

Wer muss eine Steuererklärung machen?

In Deutschland sind etwa 45 Mio. Menschen steuerpflichtig. Alle Nicht-Selbständigen haben übrigens eine Wahl: Entweder niemals Steuererklärung machen (dann wird alles nur grob geschätzt vom Staat) oder freiwillig eine Steuererklärung machen, danach aber immer und verpflichtend. Das ist wie als Mieter niemals eine Betriebskostenabrechnung zu bekommen: dann werden die pauschal gezahlten Monatsbeiträge einfach als Grundlage belassen und es wird niemals nachgerechnet oder der Mieter nun zu viel oder zu wenig bezahlt hat.

Alle Selbständigen müssen immer verpflichtend eine Steuererklärung machen. Keine Ausnahmen.

Wann besteht Steuerpflicht?

Steuerpflicht besteht für Bundesbürger lt. § 1 EStG unbeschränkt. Seuerpflichtig sind Bundesbürger, wenn der Grundfreibetrag überschritten ist (Grundfreibetrag für 2018 = 9000 € für Ledige); also wenn ein Lediger mehr als 9000 € im Jahr verdient. Darunter müssen Bundesbürger keine Steuern zahlen, weil das an unzumutbare Härte gelten würde.

Ausländer (gem. § 49 EStG) in oder außerhalb der Europäischen Union unterliegen einer beschränkten Steuerpflicht, weil in den Heimatländern die Steuer zu zahlen ist. Arbeitet beispielsweise ein Österreicher in Deutschland, muss er nur bestimmte Steuern entrichten, aber leistet seine normale Steuererklärung im Heimatland. Dafür gibt es besondere Formulare, die AUS-Anlagen.

Wann muss ich meine Steuererklärung machen?

Bislang spätestens am 31. Mai jedes Jahres; seit 2019 spätestens am 31. Juli jedes Jahres.

Wie kann ich elektronisch meine Steuererklärung machen?

Die elektronische Steuererklärung gibt es seit 1999. Früher funktionierte das noch so: ausdrucken und abgeben, heute komplett elektronisch übermittelt. 2016 wurde das Steuermodernisierungsgesetz eingeführt und bis 2022 soll die Steuer ausschließlich elektronisch erfolgen (Wegfall der Papier-Erklärungen).

Immer mehr machen ihre Steuer elektronisch über das System ELSTER der Finanzbehörden:

Infografik SocialMediaStatistik.de zum Thema elster steuererklaerung

Waren es 2010 nur 8,6 Millionen Deutsche, haben 2018 bereits 23,1 Millionen Deutsche über ELSTER ihre Steuererklärung gemacht.

 
Jahr20102012201420162018
ELSTER-Erklärungen in Mio.8,61216,12123,1

ELSTER

Betrieben wird ELSTER von der bayerischen Finanzaufsicht. Diese stellt nach dem Föderalismus-Prinzip den anderen Bundesländern die Technologie zur Verfügung.

Wie funktioniert die Steuererklärung mit ELSTER - so rein technisch? (CC BY-SA)
Wie funktioniert die Steuererklärung mit ELSTER – so rein technisch? (CC BY-SA)

ELSTER steht für ELektronische STeuerErklärung. Wir fragen uns immer wieder ob die diebische Elster so ein gelungener Namenspatron ist?

Es gibt drei Möglichkeiten, wie sich ELSTER nutzen lässt

Variante 1: ELSTER.de nutzen

Mein Elster unter www.elster.de als Online-Tool nutzen.

Die Vorteile von ELSTER.de:

  • von Finanzbehörden erstellt,
  • alles online + in der Cloud gespeichert und damit gesichert

Variante 2: ElsterFormular  installieren

Unter www.elster.de/eportal/infoseite/elsterformular das Download-Programm herunterladen und installieren.

Die Vorteile von ElsterFormular:

  • von Finanzbehörde erstellt,
  • alles offline (kein Internet nötig) und
  • lokal gespeichert

Variante 3: Drittanbieter-Software

Aktuell gibt es bei www.elster.de 560 Drittanbieter, die von den Finanzämtern anerkannt sind (Übersicht hier)

Die Vorteile:

  • ggf. Zusatzinformationen
  • ggf. Tipps und Tricks zur Steuervermeidung

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elster-verfahren-abstrakt-2017.png

Wie melde ich mich bei ELSTER an?

Die Anmeldung erfolgt über www.elster.de über eine zweifach authentifizierte Registrierung:

  1. Nach der Registrierung erhalte ich eine E-Mail mit Freischalt-Link
  2. Später erhalte ich Post mit einem Brief mit Freischalt-Code, den ich im Link eingeben muss

Wie funktioniert ELSTER?

ELSTER ist ein Übermittlungsstandard (ähnlich wie html, DIN A4 etc.). Die Übermittlung von Steuerdaten ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und damit sicher.

Jede Übermittlung braucht einen Schlüssel, mögliche Schlüssel:

Für die Steuererklärung bei ELSTER brauche ich eine Zertifikatsdatei, einen Sicherheitsstick, meinen neuen Personalausweis oder eine Signaturkarte mit Lesegerät (Quelle ELSTER.de).
Für die Steuererklärung bei ELSTER brauche ich eine Zertifikatsdatei, einen Sicherheitsstick, meinen neuen Personalausweis oder eine Signaturkarte mit Lesegerät (Quelle ELSTER.de).

Was muss alles in die Steuererklärung rein?

Das kommt drauf an ob du selbständig bist oder nicht. In der Regel muss immer der sogenannte  Hauptvordruck ausgefüllt werden. Da kommen die wichtigsten Angaben wie Name etc. rein.

Anlagen

Der Rest sind Anlagen, die nur ausgefüllt werden müssen, wenn für mich zutreffend:

  • Anlagen (für Nicht-Selbständige):
    1. Anlage AUS (ausländische Einkünfte)
    2. Anlage AV (Altersvorsorge)
    3. Anlage FW (Förderung Wohneigentum)
    4. Anlage KAP (Kapitalvermögen, also Aktien etc.)
    5. Anlage KAP-BET (Kapitalvermögen aus Beteiligungen)
    6. Anlage KAP-INV (Kapitalvermögen aus Investments)
    7. Anlage Kind (Kinder)
    8. Anlage L (Land- und Forstwirtschaft)
    9. Anlage N (Nicht selbständige Arbeit)
    10. Anlage N-AUS  (Nicht selbständige Arbeit im Ausland)
    11. Anlage R (Rente)
    12. Anlage SO (Sonstiges, bspw. Grundstücksverkäufe)
    13. Anlage Unterhalt (Unterhaltsleistungen)
    14. Anlage V (Vermietung + Verpachtung)
    15. Anlage Vorsorgeaufwand (KV/AV/PV)
    16. Anlage Weinbau (das ist einfach)
    17. Weitere: Anlage 13a, WA (treffen nur selten zu)

 

  • Anlagen (für Selbständige)
    1. monatlich oder quartalsweise:
      • Umsatzsteuervoranmeldung (vgl. Nebenkostenvorauszahlung)
    2. jährlich:
      • Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung; Freiberufler)
      • Anlage G (Gewerbebetrieb)
      • Gewerbesteuererklärung
      • Körperschaftssteuererklärung (UG, GmbH etc.)
      • (der Rest ist v.a. für Kapitalgesellschaften relevant)

Welche Steuertricks gibt es?

Es gibt Pausch(al)beträge und Vergünstigungen wie Umzugspauschale, Weiterbildungen (auch für Studis interessant). Das sind die legalen Steuertricks. Wir haben bei unserer Partnerseite Selbständig in Mitteldeutschland eine Übersicht erstellt:

Pauschbeträge für die Steuererklärung 2018

Podcast: Play in new window | Download (Duration: 26:18 – 21.1MB) In Deutschland sind 2019 etwa 45 Mio. Menschen steuerpflichtig. Es ist ein leidiges und wiederkehrendes Thema für viele: die SSteuererklärung Deswegen haben wir unsere besten Tipp und legalen Steuertricks zusammengetragen. Dieser Beitrag erscheint auch aus gegebenem Anlass: Ab 2019 muss die Steuererklärung nicht mehr am 31.

 

Quellen

  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1376/umfrage/anzahl-der-erwerbstaetigen-mit-wohnort-in-deutschland/
  • https://www.steuer-schutzbrief.de/grundfreibetrag.html

Anm.: Wir sind keine Steuerfachangestellten, Steuerberater oder Steuerbeamte. Wir geben Tipps und erweitern diesen Beitrag konstant, aber sind dankbar für Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge.

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Marketing bei Game of Thrones ⚔️| Podcast

Die Ausnahme-Serie Game of Thrones konnte nicht nur – entgegen den allgemeinen Trend –  ihre Zuschauerzahl von Staffel zu Staffel vervielfachen, sondern schaffte es auch, trotz teilweise weniger gelungener Staffeln, ihre Zuschauer bei der Stange zu halten. Grund genug für uns, um der Sache auf den Grund zu gehen und uns mit dem Marketing und Social Media-Management der Serie näher zu beschäftigen.Mehr erfahren

“Brexit” 🇬🇧 | Podcast

Der Brexit schlägt schon seit einiger Zeit hohe Wellen und ist allerorts Thema. Auch wenn uns dieser in unserem Alltag bis dato kaum betrifft, ist es schade, wenn ein Staatenbund zu bröckeln beginnt. Warum wir den Brexit behandeln? Ganz einfach, auch bei den Themen Digitalisierung, DSGVO etc. spielt der Brexit wesentliche Rolle.

Brexit im Internet: 36 Prozent für „Remain“?

Wie man anhand der nachfolgenden Grafik erkennen kann, sind die Meinungen der Twitter-Nutzer durchaus ziemlich ausgeglichen.

Demnach sind 36,9 Prozent der in der berücksichtigten Twitter-Nutzer für einen Verbleib Großbritanniens. 24,9 Prozent sind neutral in der Frage und 33,66 Prozent wollten die EU verlassen. Somit hätten bei Twitter die sog. Remainer eine knappe Mehrheit gehabt.

Fakt ist aber, dass wenn es nach den Twitter-Nutzern ginge, es keinen Brexit gäbe. Dies mag damit zusammenhängen, dass Social Media-Nutzer meist jünger sind und sich auch mit Auslandsthemen mehr beschäftigen.

Ermittelt und veröffentlicht wurden die Zahlen im Zuge eines öffentlich geförderten wissenschaftlichen Projektes auf EUengage:

 

Was bisher geschah …

23.06.2016 – Großbritannien stimmt mit 51,9 % dafür, die Europäische Union zu verlassen. Die zu der Zeit federführenden Personen David Cameron und Nigel Farage haben die Segel gestrichen und der aktuellen Premierministerin Theresa May wurde die Aufgabe zuteil, das Land aus der EU zu führen.

Eine amüsante Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse gibt es auch als Meme zum Brexit:

Der Brexit als Meme

Wie sich der erste Austritt seit der Gründung des Staatenbundes nun entwickeln wird – ob es zu einem harten oder weichen Brexit kommt – lässt sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht absehen.

Meinungen zum Brexit

Für diesen Beitrag durften wir Dieter Janecek MdB (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) interviewen, einleiten möchten wir das Thema jedoch mit der Meinung von Roger McNamee zum Thema Brexit und seine Auswirkungen auf das Internet.

Roger McNamee zum Brexit

McNamee ist ein US-amerikanischer Geschäftsmann, Investor, Risikokapitalgeber und Musiker. Zudem ist er Gründungspartner der Risikokapitalfirma Elevation Partners und vor dessen Gründung, gründete er die Private-Equity-Firma Silver Lake Partners. Als eingefleischter Geschäftsmann sieht er die Problematik hauptsächlich bei den unterschiedlichen Ansichten Europas und der USA hinsichtlich Privatsphäre. Mit den europäischen Gesetzen hätten zum Beispiel Firmen wie Google weit weniger Chancen.

Interview mit Dieter Janecek

Kurz zur Person – Dieter Janecek ist deutscher Politiker (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Mitglied des deutschen Bundestages. Ebenso ist er Obmann im Ausschuss Digitale Agenda, Sprecher für Digitalwirtschaft und Digitale Transformation, sowie Mitglied in der Enquete-Kommission “Künstliche Intelligenz”.

Im Interview – welches im Podcast angehört werden kann – werden unter anderem folgende Fragen geklärt:

  • Welche Agenda verfolgt der Bund im Umgang mit dem “britischen” Internet?
  • Jedes 7. dt. Unternehmen Daten in UK verarbeiten: Mit welchem Schaden lässt sich bei einem No-Deal-Brexit für die Digitalwirtschaft rechnen?
  • Wie wirkt sich der Brexit auf die aktuelle Debatte um Upload-Filter etc. aus?
  • Welche Einschränkungen werden deutsche Bürger hinnehmen müssen, wenn der Brexit final kommt?
  • Gibt es, auch Argumente, die für einen harten Brexit sprechen?
  • Kann man es den Briten verdenken, dass sie rauswollen? Im Hinblick auf Artikel 13 und Uploadfilter … bezugnehmend auch auf den Tweet von Twitteruser McCouman

Nutzer und Anbieter im Internet: Was passiert beim Brexit?

Unterschied Nutzer und Anbieter im Netz

Generell muss unterschieden werden zwische Nutzer und Anbieter. “Normale” Internetnutzer haben wenig zu befürchten. Man ist jedoch gut beraten, in der nächsten Zeit bei Onlineshops, die man nutzt, einen Blick ins Impressum zu werfen und den Sitz des Unternehmens zu prüfen, um etwaige Schwierigkeiten beim Einkauf zu vermeiden..

Anbieter jedoch müssen mehr aufpassen und sollten vorab dringend prüfen, ob auch Dienste von britischen Firmen genutzt werden, wie beispielsweise das GDPR Cookie Consent Plugin oder Ähnliches. Bei einem No-Deal-Brexit könnte es nämlich passieren, dass dieses WordPress-Plugin plötzlich illegal ist.

Von der IHK (Industrie- und Handelskammer) wurde zu diesem Zweck eine Checkliste herausgegeben, die das angeführte Szenario bestätigt, sowie das Thema Datenaustausch konkretisiert – auch hinsichtlich Artikel 44 DSGVO.

Mehr zum Thema in der aktuellen #Onlinegeister-Ausgabe – unserem Radio-Podcast!

Digitalisierung: Sicht auf Sex, Beziehung & Co.? | Podcast

Die fortschreitende Digitalisierung hat viele Bereiche des täglichen Lebens grundlegend verändert. Auch in Sachen Liebe ist nichts mehr so, wie es noch vor 15 oder 20 Jahren war. Wie sich unsere Sicht auf Sexualität und Beziehungen verändert hat, ergründen wir in diesem Beitrag.

Sex und Erotik sind in der westlichen Welt längst allgegenwärtiger

Im Jahr 2012 gab das Top-Model Laetitia Casta ein vielbeachtetes Interview. Die damals 33-jährige Französin monierte darin, dass Sex in der westlichen Gesellschaft allgegenwärtig sei. Für sie selbst habe Erotik weniger mit Nacktheit zu tun. Diese Aussage ist umso interessanter, als das Top-Model selbst jahrelang mit äußerst freizügigen Auftritten für Schlagzeilen sorgte. So erschien sie im Jahr 2010 zur Verleihung des Filmpreises „Cesar“ in einem nahezu transparenten Kleid.

Die permanente Gegenwart von sexualisierten Darstellungen hat dazu geführt, dass immer schwerere Geschütze aufgefahren werden müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn in den 1960er-Jahren eine bekannte Schauspielerin wie Brigitte Bardot ein wenig Busen zeigte, stand die Weltöffentlichkeit Kopf. Heute lösen solche Bilder nicht mehr als ein Achselzucken aus. Selbst Weltstars wie Lady Gaga müssen heute alle Register ziehen, um beachtet zu werden. Pornofilme werden inzwischen wie Kinofilme rezensiert, und manche Sex-Blogs haben mehr Leser als große Newsportale. Kurz gesagt: Wer beachtet werden will, muss sich etwas einfallen lassen. So entstehen immer neue Tabubrüche, was zwangsläufig dazu führt, dass die Grenzen des guten Geschmacks ein ums andere Mal überschritten werden.

In Stimmung zu kommen wird immer schwieriger

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts genügte ein entblößtes Frauenknie, um einen Mann zu erregen. In den 50er- und 60er-Jahren waren Oben-ohne-Fotos das höchste der Gefühle. Mit dem Aufkommen von Pornos für den Heimgebrauch änderte sich die Situation ein wenig: Wer sich mit bewegten Bildern in Stimmung bringen wollte, musste dazu nicht mehr den Weg ins Bahnhofsviertel antreten. An eine flächendeckende Verfügbarkeit von pornografischen Bildern und Videos war in den 80er- und 90er-Jahren jedoch nicht zu denken, da die dafür benötigte Technologie nicht zur Verfügung stand.

Seitdem es schnelle Internetverbindungen gibt, hat sich unsere Einstellung zu pornografischen Inhalten vollkommen gewandelt. Der sexuelle Akt ist in der heutigen Zeit nichts Besonderes mehr – ein paar Klicks, und schon hat man Dutzende von Video-Empfehlungen auf dem Schirm. Abgedeckt werden nahezu alle sexuellen Vorlieben und Spielarten, sodass praktisch jeder Internetnutzer auf seine Kosten kommt. Zudem sind die meisten Internet-Angebote gratis – kostenpflichtig sind in der Regel nur Premium-Accounts, die dem Nutzer Zugang zu hochauflösenden Videos und Bonusmaterial verschaffen.

Die ständige Überflutung mit sexuellen Reizen hat in den letzten Jahren derart zugenommen, dass es immer schwieriger wird, Männer in Stimmung zu bringen. Glaubt man den Erzählungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, schauen sich männliche Internetnutzer schon vor Unterrichtsbeginn die ersten Pornos und Sexbilder an. Dies schließt auch 3D-Pornos mit animierten Avataren ein, die sich einer immer größeren Anhängerschaft erfreuen. In Japan soll es bereits Männer geben, die sich nur noch von 3D-Avataren angezogen fühlen und kein Interesse mehr an realen Frauen haben.

Doch auch die Partnerfindung, Dating und Beziehung haben sich durch die Digitalisierung verändert. Der u.a. von der Zeitschrift The Atlantic geförderte Kurzfilm xoxosms zeigt das sehr eindeutig:

Warum die Digitalisierung eine neue sexuelle Revolution sein könnte

Die durch die 68er geschaffenen gesellschaftlichen Veränderungen gingen mit einer sexuellen Befreiung einher, die von Historikern gerne als die größte Umwälzung der zurückliegenden Jahrzehnte bezeichnet wird. Tatsächlich aber haben uns das Internet und die Digitalisierung eine viel größere Sex-Revolution beschert. Im Unterschied zu den 68ern, die ihr Wissen vor allem aus esoterischen Büchern sowie aus eigenen Erfahrungen bezogen, können wir heute nahezu alles, was es über Sex zu wissen gibt, im Internet finden. Dieses gewaltige Informationsangebot ist die vielleicht bedeutendste sexuelle Revolution aller Zeiten – viel revolutionärer als das, was die weltweite Studentenbewegung bewirkte.

Wie schon in den 60er-Jahren stoßen die Veränderungen, die die durch das Internet ausgelöste Informationsflut mit sich bringt, nicht überall auf Gegenliebe. Schon vor Jahren sprachen die Kommentatoren der Leitmedien von einer Jugend, die „oversexed“ sei. YouPorn, Tinder, After Sex Selfies – die neue Freizügigkeit hat das Alltagsverhalten der jüngeren Generation so stark verändert, dass man sie schon als „Generation Porno“ bezeichnet. Es lässt sich kaum abstreiten, dass Erotik und Sex längst zu einem festen Bestandteil der Mainstream-Erlebniskultur geworden sind. Diese „Pornografisierung“, so die Gegner der sexuellen Dauerberieselung, vergiftet unser Beziehungsleben und setzt gerade die Männer unter einen enormen sexuellen Druck.

Sex – Nr. 16 – #Onlinegeister

Podcast: Play in new window | Download | Embed Sex: Der liebste Sport des Menschen und das wohl älteste Gewerbe der Welt penetriert natürlich auch das Internet. Nach manchen Studien sollen 10 Prozent des Internets nur aus Pornografie bestehen. Doch wie funktioniert Sex online – das erklärt uns zur Abwechslung Tristan, der überraschend eifrig diese Ausgabe tiefgehend recherchiert hat.

Auf der anderen Seite hat die Dauerpräsenz von erotischen Inhalten den Umgang mit sexuellen Themen, die früher als Tabus galten, erheblich vereinfacht. Als Beispiel sei hier die SM-Trilogie „50 Shades Of Grey“ genannt, deren Verfilmung zum Kassenschlager avancierte. Die Verklemmtheit der Nachkriegsära ist einer sexuellen Offenheit gewichen, die sich quer durch alle Altersgruppen zieht. In Internetforen berichten User ungeniert von ihren sexuellen Abenteuern und sparen dabei kein Detail aus. Live-Übertragungen von Preisverleihungen der Sexfilmbranche sind regelrechte Blockbuster, die man sich gemeinschaftlich via Internet ansieht und kommentiert.

Entwicklung: Das echte Sexleben verkümmert

Die Alltagserfahrung zeigt, dass diejenigen, die gerne mit After-Sex-Selfies prahlen und freimütig vom letzten One-Night-Stand erzählen, mit ihrem Sexualleben besonders unzufrieden sind – zumindest einige von ihnen. Einer aktuellen Studie zufolge haben 48 Prozent der jungen Japaner keinen regulären Sex. Noch düsterer sieht es im Land der aufgehenden Sonne bei den jungen Frauen aus – hier sind 51 Prozent der Teilnehmerinnen sogar dann abstinent, wenn sie in einer festen Beziehung leben.

Vieles deutet darauf hin, dass die ständige Verfügbarkeit von sexuellen Inhalten einen hohen Preis hat, nämlich ein Absinken der Libido. Frauen und Männer, die nach 1990 geboren sind, haben in ihren Zwanzigern offenbar deutlich weniger Sex als ihre Eltern und Großeltern im gleichen Alter. Zu diesem Ergebnis kommt neben der oben erwähnten Studie auch ein Artikel der Fachzeitschrift „Archives of Sexual Behaviour“ aus dem Jahr 2017. Während junge Amerikaner 1989 noch 60-mal Sex hatten, so die Autoren, waren es 2014 nur noch 52-mal.

Spiel, Sex, Sucht: Wie Abhängigkeiten sich online manifestieren

Jeder kennt das Gefühl mal richtig Lust auf etwas zu haben, was man schon lange nicht mehr getan hat? Zum Beispiel ein Spiel spielen, ein Glas Wein trinken oder sich und seinen Partner mal wieder richtig verwöhnen? Was man dazu braucht, lässt sich leicht über das Internet besorgen.

Zu beachten ist, dass Sex nicht mit „sexuelle Betätigung“ verwechselt werden darf. Berichte von Sexualtherapeuten zeigen, dass immer mehr junge Männer Sex mit ihrer Partnerin vermeiden, aber eine ausgeprägte sexuelle Selbstbetätigung haben. Dabei lassen sie sich fast immer durch multimediale Internetpornografie stimulieren, von der die Partnerin normalerweise nichts weiß. Ohne Frage spielt dabei eine Rolle, dass eine Partnerin Aufmerksamkeit und Zuneigung erwartet. Wer sich mit Hilfe von Online-Pornos selbst befriedigt, hat es in dieser Hinsicht bedeutend einfacher: Der Bildschirm gibt dem Nutzer sexuelle Stimulation und stellt keine Forderungen.

Kuriose Auswüchse: Ausspionieren des Partners per Spy-App

Überwachung total? Eine wenig beachtete Auswirkung der digitalen Revolution unseres Sexuallebens ist die Verfügbarkeit von Apps, die es ermöglichen, den Partner zu überwachen. Sogenannte Spy-Apps können die gesamte mobile Kommunikation sowie sämtliche Mediendateien, die sich auf einem Smartphone befinden, auslesen. Eine der Kernfunktionen von professionellen Spy-Apps ist die Handyortung via GPS. Ist das Zielgerät eingeschaltet, kann es auf den Meter genau geortet werden. Bei Inaktivität wird der letzte bekannte Standort auf einer Karte angezeigt. Anhand der Logdaten lässt sich ein Bewegungsprofil erstellen, sodass der App-Nutzer die Wege der Zielperson nachverfolgen kann.

Ob es moralisch vertretbar ist, den Partner digital auszuspionieren, muss individuell entschieden werden. Rechtlich gesehen steht einer Überwachung nichts im Wege, solange sich das Zielgerät im Besitz des App-Nutzers befindet. Die meisten User von Spy-Apps sind Eltern, die die Internetaktivitäten ihrer Kinder im Auge behalten möchten. Es gibt jedoch auch Frauen und Männer, die Spionage-Apps dazu nutzen, ihre Partner zu observieren. Klar ist: Wenn die Entscheidung für eine Überwachung fällt, ist die Beziehung meist schon am Ende. Etwas anders sieht es aus, wenn sich im Zuge der Überwachung herausstellt, dass der Partner nicht fremdgeht: In diesem Fall hat die Beziehung durchaus noch eine Chance – allerdings nur, wenn die observierte Person nichts von der Überwachung erfährt.

Fremdgehen: Kein Volkssport trotz Digitalisierung

Das Internet bietet nahezu unbegrenzte Kontaktmöglichkeiten. Die Palette reicht von Partner-Portalen über Dating-Apps bis hin zu Plattformen, über die man im Handumdrehen Sexualkontakte finden kann. Trotzdem sind die meisten Menschen, die in einer festen Beziehung leben, ihrem Partner treu. Laut einer repräsentativen Befragung der Online-Vermittlung „Parship“ haben lediglich 25 Prozent der Männer ihre Partnerin schon einmal betrogen. Von den teilnehmenden Frauen sagten nur 13 Prozent, dass sie schon einmal untreu waren. Die Vermutung, dass die Digitalisierung das Fremdgehen fördert, bestätigt sich somit nicht.

Eine auf Statista veröffentlichte Umfrage offenbart, dass 51 Prozent der Deutschen es als Untreue ansehen, wenn der Partner sich auf einer Flirt- bzw. Dating-Webseite anmeldet. Eine längerfristige Affäre bezeichnen 88 Prozent der Befragten als eindeutiges Fremdgehen. Einmaliger Sex mit einem Anderen wird von gut zwei Drittel der Teilnehmer als Fehltritt angesehen, der nicht verziehen werden kann. Auch bei Bordell-Besuchen verstehen die Befragten keinen Spaß: 67 Prozent geben an, ihrem Partner einen solchen Fauxpas nicht verzeihen zu können.

Diese Zahlen machen eines deutlich: Der Seitensprung wird von den meisten sexuell aktiven Menschen nach wie vor als rote Linie betrachtet, die nicht überschritten werden darf. Das Anschauen von Pornos wird dagegen von gerade einmal 7 Prozent der Befragten als unverzeihliches Fremdgehen interpretiert. Es sieht so aus, als ob der uneingeschränkte Zugang zur Pornografie inzwischen eine gewisse Akzeptanz erreicht hat. Eines ist sicher: Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen – auch wenn sich dies viele Leute wünschen. Ob und wie die Gesellschaften des Westens die aufgezeigten Entwicklungen verkraften, wird die Zukunft zeigen.

📊 Social Media in Deutschland 2019 | Podcast

Social Media hat sich im Lauf der Jahre in Deutschland gewandelt: Vor zehn Jahren war studiVZ das heiße Ding, vor fünf Jahren konnte man über Facebook alles verkaufen und heute ist Social Media ein Werkzeug für Hassreden und Spaltung. Richtig? Wie ist der aktuelle Status Quo bei Social Media? Mit Zahlen, Daten und Fakten besprechen wir das im Podcast + Ausblick.

Social Media in Deutschland: Das sind die aktuellen Zahlen für 2019

2018 war kein gutes Jahr für Social. Facebooks unendliche Datenskandale haben zum schlechten Ruf ebenso beigetragen wie die ganzen Missdeutungen zur Datenschutz-Grundverordnung (mich könnt ihr übrigens hier als Datenschutzbeauftragten bestellen, auch für Checks). Wie wird 2019? Für den aktuellen Stand haben wir euch eine tolle Infografik bereitgestellt, die ihr hier findet oder über den Bildlink:

Und was sind nun GAFA und BAT?!

GAFA und BAT sind Abkürzungen für die wichtigsten Tech-Unternehmen in den USA bzw. China. GAFA steht hier für Google, Amazon, Facebook, Apple. Gelegentlich werden auch Tesla oder Microsoft ergänzt, so dass wir GAFAT oder GAFAM bekommen.

BAT steht für Baidu (Google-Äquivalent), Alibaba (Amazon-Konkurrent) und Tencent (Social-Media-Riese).

Wir erwarten, dass sich diese Konkurrenz auch in Zukunft fortsetzt und intensiviert. Allein Alibaba gehört bereits in Deutschland zu den Top 50 der beliebtesten Websites.

Erkenntnis: Social Media ist gekommen und bleibt – wandelt sich aber auch!

Facebooks Stern ist teilweise am Sinken, YouTube nutzt jeder (nur erstellen zu wenige Leute auch Videos), Google+ ist tot, Musical.ly wurde zu Tik Tok, Twitter hat ein Finanzierungsproblem, XING ist nur in Deutschland relevant …

All diese Beispiele sollen zeigen: Social Media ist da und bleibt da. Aber die Zeit der großen allumfassenden Plattformen ist vorbei. Spezialisierung, Zielgruppenbildung und das Einnisten in Nischen steht an.

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